Brainwash und Moshpit – Seit wann liegt Dresden in Thüringen?

“Moshpit” 2012 (oben) und 2016 (unten): Ricardo Gutte, Koppány Pap, Michael Schulze, Michael Lorenz, Mario Rudolf

Die Bands “Brainwash” und “Moshpit” gelten als Aushängeschilder des Dresdner Nazilabels “OPOS Records”. Beide beziehen sich bis heute auf ihre Wurzeln in der Stadt Altenburg (Thüringen), ihre Mitglieder wohnen jedoch seit Jahren überwiegend im Raum Dresden. Der Ruf Altenburgs als Rechtsrock-Hochburg geht bis zur 1996 gegründeten NS-Metal-Band “Kreuzfeuer” zurück, deren Sänger Jens Rahl im Jahr 2000 Suizid beging. Dass im Jahr 2011 ein Sampler “Altenburg rockt das Reich” mit Beiträgen acht verschiedener Nazibands erschien, illustriert die Zustände in der 33.000-Einwohner-Stadt treffend. Eine von “Thüringen Rechtsaußen” im Jahr 2014 zusammengestellte Liste nennt gar 15 Nazibands mit Schwerpunkt Altenburg.

Frontmann und Sänger der 2001 gegründeten NS-Hardcore-Band “Brainwash” ist René Weiße. Der 1976 geborene Neonazi produziert und vertreibt außerdem die Kleidungsmarke “Dryve by Suizhyde”. Unter dem Künstlernamen “Mudhater Design” ist er einer der Haus-und-Hof-Grafiker für “OPOS Records”. Weiße gehört auch der Naziband “Endless Struggle” an und wirkte bei den Bands “Forbidden” und “Sharon Tate” mit. René Weiße kommt aus Altenburg, wohnt aber seit einigen Jahren in Dresden.

Als Schlagzeuger von “Brainwash” fungiert der 1980 geborene Paul Morgenstern aus dem sächsischen Wilkau-Haßlau, der bereits als Mitglied der Chemnitzer Rechtsrock-Gruppe “Blitzkrieg” und zahlreicher anderer Nazibands bekannt ist. Wie in mehreren anderen Bands des Labels steht auch bei “Brainwash” der Chef noch mit auf der Bühne: “OPOS Records”-Mitbetreiber Michael Lorenz aus Dresden spielt hier den Bass.

Neben den drei genannten Gründungsmitgliedern gehören seit 2014 die Gitarristen Mario Rudolf und Ricardo Gutte zu “Brainwash”. Zuvor war bisweilen Fabian Voigt, Gitarrist der bayrischen Naziband “Burning Hate”, eingesprungen. Mario Rudolf ist bereits als Mitglied von “Confident of Victory” bekannt, kommt aus Südbrandenburg und wohnt seit einigen Jahren in Dresden, wo er an der Hochschule für Technik und Wirtschaft studiert.

Ricardo Gutte kommt aus Niesky (Sachsen), wo er Mitglied der Nazi-Kameradschaft “Schlesische Jungs Niesky” war. Im Jahr 2003 begann Gutte ein Soziologiestudium an der TU Dresden, gleichzeitig nahm er an Naziaufmärschen teil und fiel durch Gewaltbereitschaft auf. Mittlerweile wohnt Gutte in Rothenburg/Oberlausitz (Sachsen). Ricardo Gutte steht auch bei Konzerten von “Confident of Victory” auf der Bühne, entwirft Flyer für Nazikonzerte und gestaltet Merchandise-Artikel für Rechtsrock-Bands.

“Brainwash” brachten bisher die Alben “Moments of Truth”, “Hate is our Justice” und “Time to Act” heraus, letztere im Jahr 2013 auf dem Dresdner Nazilabel “OPOS Records”. Dort erschien 2015 auch eine Neuauflage von “Hate is our Justice”. Die CD enthält eindeutige Ansagen, etwa: “It’s better when you hide from us, you dirty fucking scum. We hate everything that’s different, especially the chosen one.” “The chosen one” meint: die Juden.

Kaum zurückhaltender sind die Texte und Äußerungen der neonazistischen Metalcore-Band “Moshpit”, die sich etwa positiv auf Horst Wessel und auf die rassistischen “Fourteen Words” bezieht und ihren eigenen faschistischen Anspruch mit dem Motto “We are the forthcoming order” in Worte fasst. “Moshpit” war ursprünglich nur als Nebenprojekt der Naziband “Aryan Rebels” gedacht. Deren Mitglieder Eric Köster (E-Gitarre) und Oliver Geidel (Gesang) haben Moshpit jedoch im Jahr 2005 bzw. 2009 verlassen.

Ein durchgehendes Mitglied von “Moshpit” ist der Schlagzeuger Michael Schulze. Schulze wohnt in Leipzig, wo er von 2011 bis 2013 eine Ausbildung zum staatlich geprüften Techniker für Informatik absolviert hat. Nach einer kurzen Tätigkeit für das Universitätsklinikum Leipzig ist Schulze laut eigenen Angaben zur Zeit IT-Systemadministrator bei der St. Georg IT Gesellschaft mbH, die zum gleichnamigen Leipziger Krankenhaus gehört. Schulze soll auch der Altenburger Naziband “Forbidden” angehört haben. Gelegentlich sah man ihn auch bei “Brainwash” das Schlagzeug spielen. Für Weißes Modemarke “Dryve by Suizhyde” stand Michael Schulze Modell.

Nachdem “Moshpit” sich im Jahr 2009 von Oliver Geidel trennte, fand man mit Koppány Pap einen neuen Sänger. Pap wurde 1990 in Ungarn geboren und sang auch in den ungarischen Nazibands “Mutilated Truth” und “Voice of Justice”. Bei “Romantikus Erőszak”, einer populären ungarischen Rechtsrock-Band, saß Pap eine Zeit lang am Schlagzeug. Geidels Rechtsrock-Karriere war an diesem Punkt nicht vorbei, er war weiter bei der Band “Eternal Bleeding” und deren Nebenprojekt “Sprechgesang zum Untergang” aktiv.

Die übrigen Mitglieder von “Moshpit” sind alte Bekannte: Michael Lorenz spielt den Bass, Mario Rudolf und Ricardo Gutte zupfen die Gitarren. Veröffentlicht hat die Band bislang eine Split-CD mit der Rostocker Naziband “Path of Resistance” im Jahr 2004 sowie die Alben “Mirror of an Unbroken Faith” (2007), “We Carry the Heart” (2012) und “An Eternal Torch Can Light A Million” (2017). Auch auf der “Schulhof-CD” der NPD im Jahr 2010 waren “Moshpit” vertreten.

Ein unvollständiger Abriss des Konzertgeschehens, an dem die oben genannten Musiker mitwirkten:

  • 22. Mai 2004 Auftritt von “Aryan Rebels” und “Moshpit” bei einem Nazikonzert in Thüringen, zusammen mit “Before the War”, “Endlöser” und “Verszerzödes” (Ungarn)
  • 18. Januar 2005 Auftritt von “Brainwash” und “Mosphit” in Altenburg
  • 20. Mai 2006 Auftritt von “Brainwash”, “Moshpit” und “Eternal Bleeding” in Schildau (Sachsen), zusammen mit “Hope for the Weak” (Brandenburg) und “Path of Resistance” (Rostock)
  • 23. Februar 2008 Auftritt von “Brainwash”, “Moshpit” und “Eternal Bleeding” in Dresden, zusammen mit “Civil Disorder” (Sachsen-Anhalt)
  • 18. September 2008 Auftritt von “Brainwash” und “Moshpit” auf dem “Fest der Völker” in Altenburg, zusammen u.a. mit “Sleipnir”, organisiert von André Kapke (NPD Jena) und Thomas Gerlach (“Freies Netz Altenburg”)
  • 18. Oktober 2008 Auftritt von “Brainwash” beim “Joe Rowan Memorial / European Hammerfest” der Nazi-Bruderschaft “Hammerskins” in Ungarn
  • 7. Februar 2009 Auftritt von “Brainwash” und “Moshpit” auf dem “Uprise”-Konzert in den USA
  • April 2009 Auftritt von “Brainwash” beim “VFS & USGI Fest” der “Veneto Fronte Skinheads” in Italien
  • 11. Juli 2009 Auftritt von “Brainwash” beim “Rock für Deutschland” in Gera vor rund 4000 Neonazis, u.a. mit “Die Lunikoff Verschwörung” und “Sleipnir”
  • 13. August 2011 Auftritt von “Brainwash” und “Moshpit” in Moskau, organisiert von der neonazistischen russischen Kampfsport- und Kleidungsmarke “White Rex”
  • 30. Juni 2012 Auftritt von “Moshpit” in Schweden, u.a. mit “Endless Pride”
  • 27. Oktober 2012 Auftritt von “Moshpit” in Torgau, Ortsteil Staupitz (Sachsen), u.a. mit “Painful Awakening”, organisiert von “Kraft durch Musik”
  • 3. November 2012 Auftritt von “Moshpit” beim “Hammerfest” der Neonazi-Bruderschaft “Hammerskins” in Toul (Frankreich), u.a. mit “Blutzeugen”, “Der Stürmer”, “Division Germania” und “Sturmwehr”
  • 12. Oktober 2013 Auftritt von “Brainwash” beim Joe-Rowan-Gedächtniskonzert in Ungarn, organisiert von den ungarischen “Hammerskins”
  • 31. Mai 2014 Auftritt von “Brainwash” beim Nazifestival “Frihetsrock” in Schweden
  • 24. Januar 2015 Auftritt von “Brainwash” im “Skinhouse Milano” in Mailand, u.a. mit “Green Arrows” (Italien), organisiert von den “Hammerskins Italia”
  • 5. März 2016 Auftritt von “Brainwash” und “Moshpit” in Polen
  • 11. März 2017 Auftritt von “Brainwash” in Polen, u.a. mit “Oidoxie” (Dortmund), “Amok” (Schweiz) und “Legion Twierdzy Wroclaw” (Polen)

Mehr dazu:

Links: “Brainwash” im Jahr 2014 mit Mario Rudolf, Paul Morgenstern, Ricardo Gutte, René Weiße und Michael Lorenz. Rechts: Michael Schulze als Model für René Weißes Modemarke “Dryve by Suizhyde”.

Nazipunk in Sachsen – zwischen Subkultur, Kameradschaftsszene und NSU

“Selbststeller” im Jahr 2012: Morris Rätze, Axel Thieme, Nico Haupt, Volker Herbst, Teresa Rätze

1994 in Riesa gegründet, ist “Selbststeller” eine der dienstältesten Nazibands in Sachsen. Ähnlich wie die ebenfalls aus Riesa stammenden Nazibands “Die Weissen Riesen” und “Bürgerwehr” kann man die Rechtsrocker von “Selbststeller” dem internationalen “Blood & Honour”-Netzwerk zuordnen. Regional ist die Band an die Kameradschaft “Bootboys Riesa” angebunden, die ebenfalls seit den Neunziger Jahren besteht. Deren Kürzel “22” (“BB”) findet man auf Kleidung und CDs der Band, die ihre Musik selbst als “Zankrock” bezeichnet.

Sänger der Naziband “Selbststeller” ist der langjährig aktive Neonazi Axel Thieme aus Riesa. Die erste Gitarre spielt der ebenfalls aus Riesa stammende Berufssoldat Nico Haupt, am Schlagzeug sitzt Volker Herbst. Den Bass spielt seit einigen Jahren Teresa Rätze (geborene Truhel) aus dem ostsächsischen Wilthen. Ihr Ehemann Morris “Miesl” Rätze war bis Anfang 2017 zweiter Gitarrist. Er wurde im Frühjahr 2017 durch den Neonazi Tom Hahn aus Riesa ersetzt.

“Selbststeller” sehen sich selbst zwar selbst als Punkrock-Band und sind dadurch auch innerhalb der oft als “Graunzone” bezeichneten rechtsoffenen Szene beliebt, ihre Texte sprechen allerdings eine klare Sprache. Auf ihrem im Jahr 2010 beim Nazilabel “OPOS Records” erschienenen Album “Bumm Bumm Rattatta Klick Klack Peng” heißt es etwa in dem gleichnamigen Lied, das sich drohend gegen Geflüchtete richtet: “Wir treten euch entgegen mit Wort und Ton, doch es bleibt nicht bei Gitarre, Schlagzeug, Bass, Mikrofon, denn wir befreien die Nation aus euren Fängen mit Bumm Bumm Rattatta Klick Klack Peng.”

Axel Thieme und Morris Rätze bilden zusammen mit dem Schlagzeuger Tobias Schütze die 2013 ins Leben gerufene Nazipunk-Band “Pro Patria”. Schütze ist bereits durch sein Mitwirken bei der Brandenburger Rechtsrock-Band “Confident of Victory” bekannt.

Morris Rätze war auch Kopf und einziges durchgehendes Mitglied der 2004 in Wilthen gegründeten Naziband “Donars Groll”. Die Besetzung der Gruppe, die später als “The Granits” firmierte, wechselte häufig. Zu “Donars Groll” gehörten u.a. Teresa “Rese” Rätze, Sebastian Schurig, die Schlagzeuger Daniel Israel und Marco Töppel sowie der mittlerweile im Raum Chemnitz lebende Mirko “Barny” Szydlowski. “Donars Groll” bezeichnet ihre Musik als “Viking Rock”. Liedtexte wie “Hear this Voice! We play white noise”, eine Anspielung auf das rassistische Lied “White Noise” der Naziband “Skrewdriver”, verdeutlichen die Zugehörigkeit von “Donars Groll” zur Neonazi-Musikszene. So überrascht es nicht, dass die Band unter ihrem späteren Namen “The Granits” eine Split-CD mit der personell eng verflochtenen Naziband “Selbststeller” veröffentlichte.

“Donars Groll” sind nicht die einzigen Rechtsrock-Akteure in der ostsächsischen Kleinstadt Wilthen, die ansonsten nur für ihre Spirituosenfabrik bekannt ist. In der Dresdener Straße 43 betreibt der Neonazi Markus Rose seit vielen Jahren das Kleidungsgeschäft “Nordland Wilthen” alias “O-Lausitzer-Store”, das u.a. die Nazimarken “Label 23” und “Thor Steinar” im Angebot hat. Markus Rose bildet zusammen mit Sven Klinger und anderen Neonazis die Bautzner “RAC”-Band “Asatru”, deren Lieder durch Refrains wie “Unser Schlachtruf der ist geil, achtundachtzig und Sieg!” auffallen. Sven Klinger war auch Mitglied der Naziband “Revision 39”. Roses “Nordland Wilthen” sponsort den Fußballverein “SV Bautzen” und den Sportverein “SV Post Germania Bautzen”. Rose selbst kann dem Umfeld der Kameradschaft “Sturm 24 Bautzen” zugerechnet werden.

Angesichts der oben genannten Verflechtungen mutet es schizophren an, dass die Mitglieder und Freunde von “Selbststeller” sich immer wieder auf unpolitischen Punk-, Hardcore- und Oi-Konzerten bewegen – und das meist ohne Konsequenzen. Bei einem Konzert der Oi-Band “Cock Sparrer” im November 2017 in Dresden wurden jedoch Neonazis herausgeworfen. Darunter laut eigenen Angaben auch Morris Rätze, Volker Herbst und dessen dänische Ehefrau Mette Michalak.

Morris Rätze hat “Selbststeller” zwar vor Kurzem verlassen, ist aber in einem anderen Zusammenhang weiterhin aktiv: als Sänger der im Jahr 2016 gegründeten Naziband “True Aggression”. Dort sitzt der in der Rechtsrock-Szene omnipräsente Tobias Wirth am Schlagzeug. Den Bass spielt Christoph Drechsel aus Schönbach (Sachsen). “True Aggression” spielten schon einige Konzerte und lassen, obwohl sie sich ähnlich wie “Selbststeller” als Punkband präsentieren, keine Zweifel an der Ideologie, die sie durch ihre Musik vermitteln wollen. Das Motto der Band lautet “444”, ein in der Naziszene gebräuchliches Erkennungsmerkmal und Code jeweils für den vierten Buchstaben im Alphabet, also “DDD” – “Deutschland den Deutschen”.

Bei dem Rauswurf vom “Cock Sparrer”-Konzert will auch Stefan Kaden aus Neugersdorf vor Ort gewesen sein. Kaden ist Sänger der 2006 gegründeten Naziband “If we die tomorrow”, deren selbstbetiteltes Debütalbum auf dem Dresdner Nazilabel “OPOS Records” erschien. Im Jahr 2008 wurde im Rahmen der Ermittlungen um die mutmaßliche “Blood & Honour”-Nachfolgeorganisation “Division 28” Anklage gegen Stefan Kaden erhoben.

Wie selbstverständlich Neonazis sich in der alternativen Subkultur bewegen, verdeutlicht auch der Besuch von Kathrin “Mappe” Dressel aus Chemnitz bei dem “Cock Sparrer”-Konzert. Sie galt als exponierte Persönlichkeit im “Blood & Honour”-Netzwerk in Sachsen, welches die Rechtsterroristen des “Nationalsozialistischen Untergrunds” (NSU) unterstützte. Deshalb musste Dressel auch im NSU-Prozess aussagen.

Auch in anderen sächsischen Städten bewegen sich Neonazis teilweise offen in der linken Subkultur und antirassistischen Kreisen. Etwa Michael “Schmitti” Schmidt aus dem Raum Zwickau, der seit einiger Zeit in Leipzig wohnt. Schmidt spielte einst in der Naziband “Ohne Worte”, gemeinsam mit Benjamin Klinger, der heute dem “Hells Angels”-Unterstützerclub “Bloodline MC” in Zwickau angehört und im Chemnitzer “Heaven of Colours” als Tätowierer arbeitet. Heute ist Michael Schmidt Schlagzeuger der Chemnitzer Naziband “Overdressed”. Er fiel wenige Tage nach der Selbstenttarnung des NSU im Jahr 2011 durch eine Unterhaltung mit dem NSU-Unterstützer, V-Mann und Rechtsrocker Ralf “Manole” Marschner in einem sozialen Netzwerk auf. Einen Kommentar von Marschner mit den Worten “Trink ordentlich Heil NSU…..Hahaha” beantworte Schmidt: “einmal Döner mit viel nsu ihr fotzen”. In einem anderen Beitrag veröffentlichte Schmidt ein Foto von sich vor dem abgerissenen Haus in der Zwickauer Frühlingsstraße, das dem NSU zuletzt als Unterschlupf gedient hatte.

In Leipzig bewegt sich auch Christian Stöbe unbehelligt in subkulturellen Kreisen. Er ist Sänger der rechtsoffenen Bands “Gerbenok” und “Martens Army” und saß vorübergehend bei der Grauzoneband “Krawallbrüder” am Schlagzeug. “Stöbi” pflegt Kontakt zu Neonazis wie beispielsweise Denis Wilhelm aus Weimar, der – wenn er nicht gerade mit Hitlergruß posiert – derzeit eine Ausbildung zum Sozialarbeiter absolviert. Stöbes Ex-Freundin Theresa Schott war später mit dem fränkischen “Hammerskin” Tony Gentsch und dem “TreueOrden”-Bassisten Rocco Boitz liiert.

Ein unvollständiger Abriss des Konzertgeschehens, an dem die oben genannten Musiker mitwirkten:

  • 20. Mai 2000 Auftritt von “Revision 39” in der Sächsischen Schweiz, u.a. mit “Magog” (Pirna) und “Totenburg” (Gera)
  • 7. September 2002 Auftritt von “Selbststeller” im “Deutsche Stimme”-Verlag der NPD in Riesa, zusammen mit “Sturm & Drang” (Senftenberg), “Sleipnir” (Nordrhein-Westfalen) und “Spreegeschwader” (Berlin)
  • 6. August 2005 Auftritt von “Selbststeller” in Saarbrücken, u.a. mit “Hauptkampflinie” (Kassel) und “Sonderkommando Dirlewanger” (Gotha)
  • 5. November 2005 Auftritt von “Selbststeller” in Sachsen, u.a. mit “Civico88” (Italien) und “Faustrecht” (Allgäu)
  • 3. März 2007 Auftritt von “Selbststeller” in Norddeutschland, u.a. mit “Endstufe” (Bremen) und “Killerbabies” (Großbritannien)
  • 24. Januar 2009 Auftritt von “Ohne Worte” in Crimmitschau (Sachsen), u.a. mit “I don’t like you” und “Spy Kids” (beide Thüringen)
  • 14. März 2009 Auftritt von “Donars Groll” in Zittau (Sachsen), u.a. mit “Thematik 25” (Leipzig) und “Civil Disorder” (Sachsen-Anhalt) auf der Feier zum 17-jährigen Bestehen des “Nationalen Jugendblock Zittau”
  • 23. Januar 2010 Auftritt von “Ohne Worte” in Domžale (Slowenien), u.a. mit “Blitzkrieg” (Chemnitz) und “Sturmtrupp” (Bayern)
  • 10. April 2010 Auftritt von “Donars Groll” in Bautzen (Sachsen), u.a. mit “Steelcapped Strenght” und “Storm of Mind” (Wurzen)
  • 4. Dezember 2010 Auftritt von “Donars Groll” und “Selbststeller” in Ostsachsen, u.a. mit “Strongside”
  • 26. Oktober 2013 Auftritt von “Selbststeller” im NPD-Büro Odermannstraße 8 in Leipzig, u.a. mit “Pitbullfarm” (Schweden) und “Abtrimo” (Hamburg)
  • 31. Juli 2014 Auftritt von “Selbststeller” in Schweden beim rechten “Kuggnäsfestival”, u.a. mit “Pitbullfarm” (Schweden) und “Citizen Keyne” (Großbritannien)
  • 29. August 2015 Auftritt von “Selbststeller” im Torgauer Ortsteil Staupitz (Sachsen), u.a. mit “Verboten” (Bayern/Sachsen) und “Mistreat” (Finnland)
  • 7. Mai 2016 Auftritt von “Selbststeller” in Bologna (Italien), u.a. mit “Jolly Rogers” (Spanien) und “Honor Bialy Front” (Polen)
  • 16. April 2017 Auftritt von “True Aggression” im Torgauer Ortsteil Staupitz (Sachsen), u.a. mit “Bound for Glory” (USA)
  • 29. April 2017 Auftritt von “True Aggression” in Rosenthal-Bielatal (Sachsen), u.a. mit “Barricades” (Sachsen-Anhalt) und “Kodex Frei” (Baden-Württemberg)
  • 6. Mai 2017 Auftritt von “True Aggression” in Kirchheim (Thüringen), u.a. mit “March or die” (Großbritannien) und “Abtrimo” (Hamburg), organisiert von den “Hammerskins Franken”
  • 2. Dezember 2017 Auftritt von “Overdressed” in Kirchheim (Thüringen), u.a. mit “Schusterjungs” (Sachsen-Anhalt) und “Smart Violence”, organisiert von den “Hammerskins Franken”

Mehr dazu:

Mitglieder von “Donars Groll” um das Jahr 2008: Marco Töppel, Morris Rätze, Teresa Rätze, Sebastian Schurig, Daniel Israel, Mirko Szydlowski

Markus Rose mit einem Fußballteam des von ihm gesponsorten SV Bautzen im Jahr 2017

“Selbststeller”-Gitarrist Tom Hahn, “True Aggression”-Bassist Christoph Drechsel, “Overdressed”-Schlagzeuger Michael Schmidt, “Ohne Worte”-Mitglied Benjamin Klinger

Links: Denis Wilhelm (oben rechts) mit Hitlergruß und Theresa Schott (unten links) mit Hitlerbart im September 2009, während auf dem Fernseher die “Landser”-CD “Das Reich kommt wieder” läuft. Rechts: Denis Wilhelm, Christian Stöbe und Theresa Schott im Februar 2010.

TreueOrden – Seit wann liegt Thüringen in der Schweiz?

“Treueorden” im Jahr 2017: Sebastian Färber, Thomas Wagner, Mario Kelch, Rocco Boitz

Im Jahr 2011 veröffentlichte die aus dem Raum Gotha (Thüringen) stammende Nazi-Band “TreueOrden” ihre erste CD mit dem Titel “SA Voran” – und dem Deutschland verbotenen Symbol der historischen NS-Organisation “Sturmabteilung” (SA) auf der Hülle. Die Band kann als Nachfolge- bzw. Nebenprojekt der 2005 ins Leben gerufenen Gothaer Band “Sonderkommando Dirlewanger” (SKD) gesehen werden.

Sowohl bei SKD als auch bei “TreueOrden” sitzt der umtriebige Thüringer Neonazi Thomas Wagner am Schlagzeug. Den Bass bei “TreueOrden” übernimmt Rocco Boitz, die Gitarre spielt Mario “Kelle” Kelch. Für den Gesang ist Sebastian “Basti” Färber verantwortlich.

Über die Aktivitäten der Bandmitglieder könnte ein Buch geschrieben werden. Thomas Wagner erlangte bereits 1997 Bekanntheit, als er beim “Spielen” mit einer Pumpgun versehentlich einem Kameraden, dem Gothaer Neonazi-Kader Marco Zint, ins Bein schoss. Nur wenige Monate zuvor war Wagner maßgeblich in die Durchführung eines Wehrsportlagers am Gothaer Stadtrand involviert. Als die Polizei dieses Lager auflöste, fand sie neben unzähligen NS-Devotionalien auch Luftgewehre und teilweise gestohlene Camping-Utensilien. Der Bezug ins kriminelle Milieu zieht sich wie ein roter Faden durch Thomas Wagners Vita. Die Pumpgun, mit der er Zint anschoss, besorgte er sich damals aus Angst vor “angeheuerten Türken”. Deren Rache hatte er erwartet, nachdem Zint und er einen Spielautomaten in einer Diskothek aufgebrochen und Bargeld entwendet hatten.

Im Jahr 2001 fand die Polizei bei einer großen Razzia gegen Mitglieder der SKD-Vorgängerband “Kampfgeschwader” abermals Propagandamaterial sowie Diebesgut im Wert von einer Viertelmillion Euro, darunter Studio-Equipment einer Gothaer Rockband. Auch eine scharfe Waffe wurde im Zuge der Durchsuchungen entdeckt. Wagner kam daraufhin in Untersuchungshaft.

Nach seiner Haft gründete Thomas Wagner nicht nur die Band “Sonderkommando Dirlewanger”, sondern war auch Mitglied des Tarnvereins “Toringi e.V”, der in Gotha Räumlichkeiten etwa für Konzerte anmietete. Schwerpunkt war dabei bis zur Schließung im Jahr 2006 das sogenannte “Grüne Haus” in Gotha-Ost, wo neben den Proben von SKD auch größere Konzerte stattfanden. Zu SKD gehörte neben Christian “Plinse” Herrmann auch Ronny “Harry” Hahn, welcher als Sänger fungierte. Hahn arbeitete im rechten Szeneladen “Sniper Store” in Gotha.

Inhaber des Ladens war der Neonazi Steffen Richter aus Saalfeld. Wagner und Richter spielen heute bei der Organisation von Rechtsrock-Konzerten in Thüringen eine tragende Rolle – vor allem in der “Erlebnisscheune” in Kirchheim bei Erfurt. Sie sind darüber hinaus als tonangebende Mitglieder der 2015 gegründeten Neonazi-Bruderschaft “Turonen/Garde 20” bekannt. Deren Vorgänger, der 2006 entstandenen Bruderschaft “H8”, gehörte Richter ebenfalls an. Thomas Wagner vertreibt mit “Frontschwein Records” seit langer Zeit neonazistische Musikproduktionen, u.a. von SKD.

Unter dem Label “Hausgemeinschaft Jonastal” mietete sich der Personenkreis um Wagner im Raum Gotha zuerst in Crawinkel und dann in Ballstädt erneut in Immobilien ein. Dieser gewalttätige Personenzusammenschluss war es auch, der im Februar 2014 eine Kirmesgesellschaft in Ballstädt brutalst überfiel. Wagner galt dabei als Haupttäter, wurde abermals in Untersuchungshaft genommen und im “Ballstädt-Prozess” im April 2017 zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Wagner und zehn weitere Verurteilte legten Revision ein. Unter ihnen sind auch SKD-Mitglied Christian Herrmann sowie Rocco Boitz, Bassist von “TreueOrden”.

Die ebenfalls im “Ballstädt-Prozess” angeklagten Neonazis Ricky Nixdorf, David Söllner und Marcus Rußwurm gehören wiederum der Naziband “Unbeliebte Jungs” an. Rixdorf spielte schon in den Nazibands “Sturmangriff” und “Volksverhetzer”. Seit einiger Zeit gehört er außerdem der Nazi-Kultband “Nordwind” um Ronald Haser und Martin Leipold an. Im Ballstädt-Prozess wurde Rixdorf in erster Instanz freigesprochen, während Rußwurm und Söllner zu Haftstrafen verurteilt wurden.

Sebastian “Basti” Färber, der im Raum Wolfsburg wohnhafte Sänger von “TreueOrden”, ist in der rechten Szene durch sein Mitwirken bei der Jenaer Naziband “Blustahl” schon lange bekannt. Gemeinsam mit dem auch ursprünglich aus Jena stammenden Mirko Szydlowski – bekannt als “Barny” – war Färber mit “Blutstahl” vor allem für Coverversionen der Berliner Naziband “Landser” beliebt. Etwa bei einem Konzert im Jahr 2005 in Bayern, als Färber und mutmaßlich auch Szydlowski auf der Bühne standen. Eine später veröffentlichte Aufnahme des Konzerts belegt, dass “Blutstahl” das “Landser”-Lied “Volk ans Gewehr” dargeboten hatten, das Drohungen an die Initiatoren der Wehrmachtsausstellung richtet. Im Refrain heißt es etwa: “Volk ans Gewehr gegen Reemtsma und Heer!” “Blutstahl” bestritt später die Teilnahme am Konzert. Sebastian Färber sei lediglich als Ersatzsänger für den tags zuvor verhafteten Ronny Hahn und dessen Band SKD eingesprungen.

Mit der Person Mario Kelch als Gitarrist von “TreueOrden” könnte das Rätsel gelüftet werden, warum “TreueOrden” regelmäßig als Schweizer Band beworben wird. Kelch unterhält beste Kontakte zum Schweizer Ableger des “Blood & Honour”-Netzwerks und besucht regelmäßig deren Strippenzieher Kevin Gutmann, Sänger der Nazi-Band “Amok”. Die eigene Bezeichnung als “Band aus der Schweiz” hat bei “TreueOrden” aber auch den Zweck, die Behörden zu täuschen und sich strafrechtlicher Verfolgung zu entziehen.

So gilt auch die sich als konspirativ gebende Naziband “Erschiessungskommando” als Schweizer Band. Neben Rechtsrock-Musikern der Schweizer “Blood & Honour”-Band “Amok” sollen auch die Thüringer Thomas Wagner und Mario Kelch zu “Erschiessungskommando” gehören. Deren neue CD namens “Sieg oder Tod” wurde auf dem “Rocktoberfest” im Oktober 2016 in Unterwasser (Schweiz) verkauft. Das auf der CD veröffentlichte Lied “Katharina König” beinhaltet die Zeile: “Du wirst grausam sterben, das ist nicht die Frage, vorher schaust du noch zu, wie ich den Lausebart erschlage, wie dieser Assipfaffe vor mir nieder kniet und sich mein Schalldämpfer tief in sein Maul schiebt”. Mit dieser Mordfantasie richtet sich die Band an die Thüringer Landtagsabgeordnete Katharina König und ihren Vater, den Jenaer Pfarrer Lothar König, die sich seit Jahren beharrlich gegen Neonazis engagieren. Das Konzert in Unterwasser wurde zudem maßgeblich von der Thüringer Neonazi-Bruderschaft “Turonen/Garde 20” organisiert, der auch Mario Kelch und Marcus Rußwurm angehören. Rußwurm wohnte sogar einige Zeit in der Schweiz, ähnlich wie der Thüringer Matthias Melchner, der in der Region Zürich bis heute das Tattoostudio “Barbarossa” betreibt und für die Anmietung der Turnhalle in Unterwasser verantwortlich war.

Kelch war außerdem bei der Erfurter Naziband “PAK 88” aktiv. Im Jahr 2013 saß er wegen Körperverletzung in Haft. Zur gleichen Zeit wurde Steffen Mäder, der ebenfalls dem SKD-Umfeld zugerechnet wird, aufgrund seiner Aktivitäten im “Objekt 21” in Österreich in Untersuchungshaft genommen. Das “Objekt 21” wirkte als Bindeglied zwischen Neonazi-Szene und kriminellem Milieu und unterhielt vor allem nach Thüringen enge Verbindungen.

Ein unvollständiger Abriss des Konzertgeschehens, an dem die oben genannten Musiker mitwirkten:

  • 19. Dezember 1998 Auftritt von “Sturmangriff” in Thüringen, u.a. mit “Vinland Warriors” (Kanada) und “Avalon” (England)
  • 30. Oktober 1999 Auftritt von “Sturmangriff” in Thüringen, u.a. mit “H.M.F.” (“Hets Mot Folkgrupp”, Dänemark) und “Nordmacht” (Rostock), organisiert von “Blood & Honour”
  • 19. Februar 2000 Auftritt von “Sturmangriff” in Frohburg (Sachsen), u.a. mit “Sturm & Drang” (Senftenberg) und “Kreuzfeuer” (Altenburg)
  • 29. Januar 2005 erster Auftritt von “SKD” in Gotha
  • 22. Oktober 2005 Auftritt von “SKD” und “Blutstahl” in Mitterskirchen (Bayern), u.a. mit “Act of Violence”, organisiert von den “Hammerskins Bayern”
  • 29. Juni 2013 Auftritt von “SKD” im NPD-Büro Odermannstraße 8 in Leipzig, u.a. mit “Heiliges Reich” (Sachsen)
  • 27. Dezember 2014 Auftritt von “TreueOrden” in Kirchheim (Thüringen), u.a. mit “Frontfeuer” (Beeskow), “Tätervolk” (Berlin) und “Heiliges Reich” (Sachsen), organisiert von Thomas Wagner und Steffen Richter
  • 7. Februar 2015 Auftritt von “TreueOrden” und “Unbeliebte Jungs” in Kirchheim auf einem Solidaritätskonzert für die “Gefangenenhilfe”, u.a. mit “12 Golden Years” (Thüringen) und “Exzess” (Brandenburg), organisiert von den Neonazis Michel Fischer aus Weimar und Tim Wendt aus Berlin
  • 3. Oktober 2015 Auftritt von “TreueOrden” in Allstedt-Sotterhausen (Sachsen-Anhalt), u.a. mit “Exzess” (Strausberg) und “Frontfeuer” (Beeskow)
  • 31. Oktober 2010 Auftritt von “TreueOrden” in Kirchheim, u.a. mit “Hausmannskost” (Cottbus) und “Stonehammer” (Berlin/Brandenburg), organisiert von den “Hammerskins Franken”
  • 14. November 2015 Auftritt von “TreueOrden” und “Unbeliebte Jungs” in Kirchheim, u.a. mit “Die Lunikoff Verschwörung” (Berlin), organisiert von Steffen Richter und den “Turonen/Garde20”
  • 30. Januar 2016 Auftritt von “TreueOrden” und “Unbeliebte Jungs” im Raum Leipzig auf einem Solidaritätskonzert für die “Gefangenenhilfe”, mit der NS-Black-Metal-Band “Stahlfront” (Sachsen)
  • 14. Mai 2016 Auftritt von “TreueOrden” in Kirchheim, u.a. mit “Faustrecht” (Allgäu), “Kraft durch Froide” und “Smart Violence”, organisiert von den “Hammerskins Franken”
  • 20. August 2016 Auftritt von “TreueOrden” beim “Rock gegen Überfremdung” in Kirchheim, u.a. mit “Die Lunikoff Verschwörung” (Berlin) und “Tätervolk” (Berlin/Brandenburg)
  • 15. Juli 2017 Auftritt von “TreueOrden” beim “Rock gegen Überfremdung 2” in Themar (Thüringen), u.a. mit “Stahlgewitter” (Nordrhein-Westfalen), “Blutzeugen” (Sachsen) und “Uwocaust” (Potsdam), organisisert von den “Turonen/Garde 20” und Thommy Frenck
  • 12. August 2017 Auftritt von “TreueOrden” beim “zweiten ostsächsischen Sport- und Familienfest”, mit “Feuerbefehl” (Sachsen-Anhalt) und “Exzess”, veranstaltet von Neonazis aus Ostsachsen

Mehr dazu:

links Steffen Richter auf einem Naziaufmarsch, rechts Ricky Nixdorf beim “Rock gegen Überfremdung 2” (Fotos flickr)

“Unbeliebte Jungs” 2016: 3.v.l. David Söllner, 4.v.l. Marcus Rußwurm, 5.v.l. Ricky Nixdorf

White Resistance – Schneeberg at it’s best

“White Resistance” 2008: Matthias Dietzel, Christian Sobeck, Enrico Hager, Ronny Schürer, Alexander Schwarz

Die sächsische Stadt Schneeberg machte im Jahr 2013 Schlagzeilen, als bis zu 1800 Personen mit Fackeln gegen eine geplante Unterkunft für Geflüchtete demonstrierten. Diese Aufmärsche können als Auftakt einer bundesweiten rassistischen Wutbürgerbewegung gesehen werden.

Aus Schneeberg kommt auch die Naziband “White Resistance”. Kurz nach der Jahrtausendwende gegründet, brachte die Gruppe im Jahr 2002 eine Demo-CD sowie 2005 bei “PC Records” das Album “We Defend” heraus. Ungefähr zur gleichen Zeit geriet “White Resistance” wegen des Verdachts, das verbotene Neonazi-Netzwerk “Blood & Honour” weiterzuführen, ins Visier der Ermittler. Die Ausrichtung der Band unterstreichen Textzeilen wie “Let’s go independent to fight for honour and pride, a holy fight for our country’s freedom and a future of our folk”, die es schaffen, in einem einzigen Satz auf “Blood & Honour” (“for honour and pride”), einen “Racial Holy War” (“a holy fight”) und das rassistische Bekenntnis “Fourteen Words” (“a future for our folk”) zu verweisen.

Die bislang letzte Veröffentlichung von “White Resistance” war das Album “White Rock’n’Roll Outlaws” im Jahr 2008, erschienen beim Nazilabel “Gjallarhorn Klangschmiede”. Dass die Band dennoch unverändert aktiv ist und zahlreiche Auftritte absolviert, dürfte weniger an ihrem stumpfen Rechtsrock liegen, sondern vielmehr an den Mitgliedern.

Sänger der Naziband “White Resistance” ist Ronny Schürer aus Schneeberg. Schürer ist außerdem Fußballtrainer beim FC Concordia Schneeberg, wo er zur Zeit für die E-Junioren verantwortlich ist.

Den Bass spielt der bereits aus den Nazibands “Blitzkrieg” und “Confident of Victory” bekannte Christian Sobeck. Am Schlagzeug bei “White Resistance” sitzt Matthias Dietzel, ebenfalls aus Schneeberg. Als Gitarrist fungiert Enrico Hager, besser bekannt unter seinem Pseudonym “Schratt”, mit dem er als Liedermacher auftritt, und seinem Soloprojekt “RAC’n’Roll Teufel”.

Das “White-Resistance”-Gründungsmitglied Alexander Schwarz (Bass) schied 2016 aus der Band aus. Zur Zeit ist Alexander Schwarz Mitglied des AfD-Kreisverbands Zwickau, im Jahr 2017 saß er kurzzeitig im Kreisvorstand. Auch dem rassistischen “Bürgerforum Zwickau” gehört Schwarz an.

Ein unvollständiger Abriss des Konzertgeschehens, an dem die oben genannten Musiker mitwirkten:

  • 20. November 2004 Auftritt von “White Resistance”, u.a. mit “Mistreat” (Finnland) und “Race Riot”
  • 10. September 2005 Auftritt von “White Resistance” beim “Ian Stuart Donaldson Memorial” in Belgien, u.a. mit “Faustrecht” (Allgäu) und “Warlord” (England). Organisiert wurde das Konzert von “Blood & Honour Vlaanderen & Nederland”.
  • 23. September 2005 Auftritt von “White Resistance” in Chemnitz, mit “Blitzkrieg” (Chemnitz) und “DNA”, organisiert von den “Freien Kräften Chemnitz”
  • 9. Dezember 2006 Auftritt von “White Resistance” in London, u.a. mit “Brutal Attack” (England), organisiert von “Blood & Honour London Brigade”
  • 15. November 2008 Auftritt von “White Resistance” in der Nähe von Luxemburg, u.a. mit “Whitewash” (USA) und “Baignade Interdite” (Frankreich)
  • 18. Oktober 2008 Auftritt von “White Resistance” beim “Ian Stuart Donaldson Memorial” in Belgien, u.a. mit “Rotte Charlotte” (Nordrhein-Westfalen), “Mistreat” (Finnland), “Strongside” (Sachsen-Anhalt) und “Thrima” (Mecklenburg-Vorpommern). Organisiert wurde das Konzert von “Blood & Honour Vlaanderen” und der verbotenen deutschen “Blood & Honour”-Sektion.
  • 29. Mai 2010 Auftritt von “White Resistance” beim “European Hammerfest” der “Italian Hammerskins” in Mailand, u.a. mit “Frontalkraft” (Cottbus) und “Verszerzödes” (Ungarn)
  • 16. November 2011 Auftritt von “White Resistance” in Deutschland, u.a. mit “Youngland” (USA) und “Sturmtrupp” (Bayern), organisiert von “Honour & Pride”
  • 12. Oktober 2013 Auftritt von “White Resistance” beim “Live H8” in Scheinfeld (Bayern), u.a. mit “Division Germania” (Nordrhein-Westfalen) und “Überzeugungstäter”
  • 27. Dezember 2014 Auftritt von “White Resistance” in Staupitz bei Torgau (Sachsen), u.a. mit “Tätervolk” (Berlin) und “Hausmannskost” (Cottbus)
  • 26. November 2016 Auftritt von “White Resistance” in Ostsachsen, mit “Verboten” (Raum Chemnitz) und “Barricades” (Sachsen-Anhalt)
  • 27. Mai 2017 Auftritt von “White Resistance” im Raum Dresden, u.a. mit “True Aggression” (Riesa) und “Hobbit” (Italien)
  • 17. Juni 2017 Auftritt von “Schratt” beim “Sommerfest mit Lunikoff und Freunden” im Großraum Leipzig

Links Christian Sobeck und Alexander Schwarz auf einem NPD-Aufmarsch am 1. Mai 2010 in Zwickau. Rechts Ronny Schürer als Fußballtrainer im Jahr 2016.

Ungebetene Gäste und Painful Awakening – Hooliganism meets NSHC

“Ungebetene Gäste”: Marcus Wendt, Frank Kröplin, Marcel Zapf (vorn), Rico Ehresmann, Martin Worzfeld

Die 2010 gegründete Naziband “Ungebetene Gäste” besteht aus mittlerweile altbekannten Neonazis aus Mecklenburg-Vorpommern. Sänger und Gründungsmitglied ist der heute in Rostock lebende Marcel “Zabel” Zapf. Er war in den letzten Jahren auf zahlreichen Punk- und Rockabilly-Konzerten anzutreffen. Gemeinsam mit sechs Freunden aus Güstrow und Bützow gründete er im Jahr 2007 die “Hoolsnation”, eine Clique von Neonazis, die sich gern als Hooligans darstellten und vorrangig Partys und Saufgelage in einer Garage veranstalteten. Ab 2010 veröffentlichte Zapf unter dem Namen “UnGebetene Gäste” einige Videos mit Akustik-Liedern. Im gleichen Jahr entstand auch das erste Album “Musik für euch”, das noch sehr holprig daherkam.

Im Jahr 2012 veröffentlichte die selbsternannte “Streetrock”-Band ihr erstes professionell produziertes Album namens “Anstoß”. Passend zur Europameisterschaft im gleichen Jahr versucht die Band sich auf der CD als unpolitische, “nur” patriotische Fußballrock-Band darzustellen. Dieses Image hatte sich bereits Jahre zuvor die Rechtsrock-Band “Kategorie C” auf die Fahnen geschrieben. So verwundert es nicht, dass “Ungebetene Gäste” ein Jahr später als Vorband von “Kategorie C” bei einem Auftritt in Wolfsburg beworben wurden.

Der Rest von “Ungebetene Gäste” besteht, ähnlich wie Marcel Zapf, aus Neonazis aus Güstrow und Bützow. Am Bass stand anfangs Frank Kröplin, der mittlerweile von Marcus Wendt abgelöst wurde. Wendts Hauptprojekt ist die Rügener Naziband “Komando Ost” (sic!), die sich im Umfeld der Neonazi-Bruderschaft “Hammerskins” bewegt.

Gitarrist bei “Ungebetene Gäste” ist der in Bützow lebende Rico Ehresmann. Er gehört zum Umfeld der Güstrower NS-Hardcore-Band “Painful Awakening”. Deren Schlagzeuger Martin Worzfeld trommelt auch bei “Ungebetene Gäste”. Dass sich “Painful Awakening” und “Ungebetene Gäste” einen Proberaum teilen, ist da nur logisch.

Die Naziband “Painful Awakening” besteht schon länger, nämlich seit 2005. Sie kann damit zur zweiten Generation des “National Socialist Hardcore” gezählt werden. Vorreiter dieses Sub-Genres des Rechtsrocks waren Ende der Neunziger Jahre u.a. die US-Bands “Teardown” und “Blue Eyed Devils” und deutsche Nazibands wie “Race Riot” und “Fear Rains Down”. In letzterer wirkten auch Neonazis aus Mecklenburg-Vorpommern mit.

Sänger von “Painful Awakening” ist der 1980 geborene Thomas Vetter. Der bereits erwähnte Martin Worzfeld, Jahrgang 1984, sitzt am Schlagzeug, während Rene Rexin und Daniel Kräge Gitarre spielen. Im Laufe der Jahre kam es immer wieder zu Besetzungswechseln, zeitweise stand etwa Richard Kühne an der Gitarre. Ralf Seefeld spielte lange Zeit den Bass, schied aber schon vor einigen Jahren aus der Band aus. Als Aushilfsmusiker fungiert darüber hinaus der 1988 geborene Thomas Lehwald, der beispielsweise 2009 bei einem Auftritt von “Painful Awakening” in Thüringen als Zweitsänger aushalf.

Personelle Überschneidungen gibt es nicht nur zu “Ungebetene Gäste”, sondern u.a. auch zur Nazi-Band “Hateboys”, in der Rexin gespielt haben soll. Rene Rexin und Richard Kühne gehörten auch zu “Inborn Hate”. Daniel Kräge wirkte ferner bei “Thrima” als Gitarrist mit, während Richard Kühne in der Nazi-Band “Nordic Storm” gespielt hat. Thomas Vetter nahm gemeinsam mit der polnischen Band “Legion Twierdzy Wrocław” und dem Sänger von “Path of Resistance” im Jahr 2017 das mehr als peinliche Lied “Pirat John” auf. Tatsächlich spannend ist daran die Vernetzung deutscher Bands in Richtung Osteuropa, konkret zu Neonazis aus dem polnischen Ableger des “Blood & Honour”-Netzwerks. Gemeinsam mit “Legion Twierdzy Wrocław” entwarf “Painful Awakening” vor einiger Zeit auch ein T-Shirt mit den Worten “European Front Line”. Damit folgt die Band einer Tendenz innerhalb der rechten Szene, chauvinistische Ansätze zurückzustellen und sich stattdessen auf das rassistische Konzept eines weißen Europa zu beziehen.

Viele der benannten Nazi-Musiker sind auch außerhalb der Rechtsrockszene aktiv und bis heute etwa bei Naziaufmärschen in Mecklenburg-Vorpommern anzutreffen.

Ein unvollständiger Abriss des Konzertgeschehens, an dem die oben genannten Musiker mitwirkten:

  • 09. Februar 2008 Auftritt von “Painful Awakening” beim “Day of Honour” (“Tag der Ehre”) in Budapest, einem Aktionswochenende zu Ehren von Wehrmacht und Waffen-SS
  • 15. März 2008 Auftritt von “Painful Awakening” in Spanien unter dem Motto “Rasse über allem – viele Nationen, eine Familie”, u.a. mit “Hate for Breakfast” (Italien) und “Before the War” (Slowakei)
  • 13. November 2010 Auftritt von “Painful Awakening” in Italien, u.a. mit Garrotta (Verese, Italien), organisiert von “Autonomi Nazionalisti”
  • 9. März 2011 Auftritt von “Painful Awakening” im “Thinghaus” in Grevesmühlen (Mecklenburg-Vorpommern), u.a. mit “Path of Resistance” (Rostock) und “Green Arrows” (Italien)
  • 31. März 2013 Auftritt von “Ungebetene Gäste” in Deutschland, zusammen mit “Bootbois” (Hamburg)
  • 7. Dezember 2013 Auftritt von “Ungebetene Gäste” im Ruhrgebiet, zusammen mit “Pitbullfarm” (Schweden) und “Kategorie C”
  • 8. März 2014 Auftritt von “Ungebetene Gäste” in Kirchheim (Thüringen), u.a. mit “Faustrecht” (Allgäu) und “Helle & die RAC’ker” (Brandenburg), organisiert von den “Hammerskins Franken”
  • 29. August 2015 Auftritt von “Painful Awakening” bei einem “Ian Stuart Donaldson Memorial”-Konzert in Polen, u.a. mit “Velimor” (Russland) und “Legion Twierdzy Wrocław” (Polen), organisiert von “Blood & Honour Polen”
  • 8. Oktober 2016 Auftritt von “Painful Awakening” und “Ungebetene Gäste” in der Tschechischen Republik
  • 19. November 2016 Auftritt von “Painful Awakening” in Polen, u.a. mit “Legion Twierdzy Wrocław” (Polen), die dort ihr fünfjähriges Bestehen feierten
  • 9.-10. Juni 2017 geplantes Konzert von “Ungebetene Gäste” in Tschechien, u.a. mit “White Demons” (Griechenland), “Nordica” (Polen) und “Mistreat” (Finnland). Das Konzert konnte aufgrund antifaschistischer Intervention nicht stattfinden.

“Painful Awakening” im Jahr 2009: Daniel Kräge, Martin Worzfeld, Thomas Lehwald, Thomas Vetter, Rene Rexin

Abtrimo und Likedeelers – “Norddeutscher Untergrund” auf dem Präsentierteller

Oben “Abtrimo” bei einem Nazikonzert in Nienhagen (Sachsen-Anhalt): Carsten Soltmann, Marcel Koschnick, Christian Oest, “Honour & Pride”-Mitglied, Alexander Tesch, Veranstalter Oliver Malina. Unten: Marcel Schindler (“Alte Schule”), Marcel Koschnick, Carsten Soltmann, Christian Oest, Fabian Witt.

Im Dezember 2010 wurde in Hamburg die Band “Abtrimo” gegründet. Ihre Mitglieder sind die Neonazis Christian “Oesinger” Oest (Gitarre), Carsten Soltmann (Bass), Alexander Peter Tesch (Gitarre), Marcel “Marci” Koschnick (Gesang) und Fabian “Prof. Das Tier” Witt (Schlagzeug). Marcel Schindler, Gitarrist der Band “Alte Schule”, unterstützt die Band manchmal bei Auftritten. Der Bauer Christian Oest, auf dessen Hof am Rande Hamburgs nicht nur Proben stattfinden, sondern auch auswärtige Gäste im Rahmen von Konzerten und Partys untergebracht werden, gilt als Kopf von “Abtrimo”. Engen Kontakt pflegt die Band beispielsweise zu dem “Hammerskin” Jörn Kaiser aus Iserlohn und den rechten Oi-Bands “Brassic” (USA) und “Bronco Army”. “Abtrimo”-Sänger Marcel Koschnick ist neben seiner musikalischen Betätigung bei den “Skinheads Uelzen” organisiert, einer Gruppe von Neonazis, die regelmäßig konspirative Konzerte im norddeutschen Raum veranstaltet.

Im Mai 2016 traten “Abtrimo” mit den befreundeten Bands “Faustrecht” (Allgäu) und “Uwocaust” (Potsdam) sowie der slowakischen Band “Krátky Proces” unter dem Motto “Germany & Slovakia – Rocking Europe” im sächsichen Staupitz bei Torgau auf. Die Slowaken sind vor allem für ihren Tonträger “Arbeit macht frei” und Aufrufen zur systematischen Tötung von Menschen in Konzentrationslagern bekannt. Mit dem Potsdamer Rechtsrock-Musiker Uwe Menzel (“Uwocaust”) hat “Abtrimo” das Lied “Gewalt regiert uns alle” veröffentlicht.

Die erste Demo-CD von “Abtrimo” heißt “7 auf einen Streich” und erschien 2012 bei dem Label “Skinhead Service” von Jan Greve. Es folgte die Veröffentlichung von “Norddeutscher Untergrund – Der Erste Streich” zusammen mit der Band “Likedeelers” sowie zwei weiteren CDs beim Label “Oldschool Records” von Benjamin Einsiedler. Die Namen “7 auf einen Streich” und “Norddeutscher Untergrund” im Jahr 2012 sind sicher kein Zufall – kurz nach der Selbstenttarnung des “Nationalsozialistischen Untergrund” (NSU), der seine Morde in einem Bekennervideo mit der Comicfigur “Paulchen Panther” als “Streiche” verhöhnte.

Die jüngste Veröffentlichung von “Abtrimo” ist die zusammen mit den Bands “Alte Schule”, “Überzeugungstäter Vogtland” (Sachsen) und “Ungebetene Gäste” (Mecklenburg-Vorpommern) herausgegebene Split-CD “4 gewinnt”. Das dort veröffentlichte Lied “F.D.G.K.” der Band “Alte Schule” hat in der Neonaziszene Kultcharakter. Der Titel bedeutet “Für Deutschland, gegen Kanaken” und war vor allem in den Neunzigern in der Neonaziszene sehr beliebt. In der Aufnahme dieses Liedes wurden einige Text-Stellen zensiert und durch Schussgeräusche ersetzt.

Die Bands “Abtrimo”, “Likedeelers”, “Alte Schule” und “Schall und Rauch” stehen seit Jahren in einem freundschaftlichen Verhältnis zueinander und weisen diverse personelle Überschneidungen auf. Die Band “Likedeelers” aus Hamburg besteht aus Björn Linke (Schlagzeug), Henning Manteuffel (Gitarre) und Oliver Dammann (Gesang, Bass). Björn Linke und “Abtrimo”-Bassist Carsten Soltmann spielten zuvor bei “Schall & Rauch”. Oliver Dammann war auch Gitarrist bei “Alte Schule” und singt auf dem Sampler “4 gewinnt” für jene Band. All diese Neonazis sind in der Norddeutschen Rechtsrockszene tief verwurzelt. Sie haben engen Kontakt zu dem Totschläger und ehemaligen Sektionsleiter von “Blood & Honour Nordmark” Stefan Silar aus Tostedt und zu dem Konzertveranstalter Andreas Nickel, ehemals Mitglied der “Sektion Altmark” des “Blood & Honour”-Netzwerks.

Ein unvollständiger Abriss des Konzertgeschehens, an dem die oben genannten Musiker mitwirkten:

  • 31. März 2012 Auftritt von “Abtrimo” in Nienhagen (Sachsen-Anhalt), u.a. mit “Angry Bootboys” (Raum Bielefeld) und “Punkfront” (Berlin). Organisiert wurde das Konzert von Oliver Malina und dessen “Blood & Honour”-Nachfolgeorganisation “Honour & Pride”.
  • 5. März 2013 Auftritt von “Abtrimo” in Nienhagen (Sachsen-Anhalt), u.a. mit “Endstufe” (Bremen) und “Short Cropped” (Belgien)
  • 20. Juli 2013 Auftritt von “Abtrimo” und “Likedeelers” in Lachendorf (Niedersachsen)
  • 19. Oktober 2013 Konzert mit “Abtrimo”, “Likedeelers”, “The Wrongdoers” und “Faustrecht” in Wellendorf (Niedersachsen), organisiert von den “Skinheads Uelzen”
  • 26. Oktober 2013 Auftritt von “Abtrimo” im NPD-Büro Odermannstraße 8 in Leipzig, u.a. mit “Pitbullfarm” (Schweden)
  • 23. November 2013 Auftritt von “Abtrimo” auf der Geburtstagsfeier von Stefan Silar in Koberg (Schleswig-Holstein), u.a. mit “Legion of Thor” (Berlin), “Burn Down” (Potsdam) und “Confident of Victory”
  • 28. Juni 2014 Auftritt von “Abtrimo” in Nienhagen (Sachsen-Anhalt), u.a. mit “Faustrecht” (Allgäu) und “Gesta Bellica” (Italien), organisiert von “Honour & Pride”
  • 6. Februar 2016 Auftritt von “Abtrimo” in Friedland (Mecklenburg-Vorpommern), u.a. mit “Schusterjungs” (Sachsen-Anhalt) und “Kombatants” (Schweden)
  • 19. November 2016 Auftritt von “Abtrimo” in Kosel (Schleswig-Holstein), u.a. mit “March or Die” (Engand) und “Faustrecht” (Allgäu)

“Likedeelers”: Oliver Dammann, Björn Linke, Henning Manteuffel

Blitzkrieg – im engsten Umfeld des NSU

Oben: “Blitzkrieg” im Jahr 2011. Unten: Paul Morgenstern (hier bei einer anderen Band am Schlagzeug), Christian Sobeck, Jörg Richter, Kay Richter.

Die 1999 in Chemnitz (Sachsen) formierte Rechtsrock-Band “Blitzkrieg” genießt in der Nazi-Szene vor allem durch ihr langjähriges konspiratives Auftreten einen Ruf als “authentische” Band. Sie ist eine der Gruppen, die in den vergangenen Jahren nicht viel zur Weiterentwicklung der rechten Musikszene beigetragen haben und auch nicht Hit auf Hit produzieren. Und doch treten die Mitglieder so selbstsicher und selbstgefällig auf, dass sie aus der neonazistischen Musiklandschaft heute kaum wegzudenken sind. Das hat natürlich auch viel mit den Personen hinter dem Projekt und ihrem Engagement für die “nationale Sache” zu tun.

Sänger Jörg “Kicke” Richter und sein Bruder Kay “Kacke” Richter, der bei “Blitzkrieg” am Schlagzeug sitzt, waren schon Ende der Neunziger Jahre fest in sächsischen “Blood & Honour”-Strukturen verankert. Innerhalb der im Jahr 2000 in Deutschland verbotenen Organisation waren sie europaweit für den Saalschutz bei Rechtsrock-Konzerten zuständig.

Das kam nicht von ungefähr, gehören die Richter-Brüder doch zur alten Riege der Chemnitzer Fußballschläger “HooNaRa” (“Hooligans Nazis Rassisten”), die selbst in der Hooligan-Szene lange gefürchtet waren. Chef der “HooNaRa” war Anfang der Zweitausender Jahre der mittlerweile verstorbene Gerüstbauer Rico Malt. Gemeinsam mit den Richter-Brüdern und anderen Hooligans des Chemnitzer FC war Malt einer der neonazistischen Vorreiter in Sachen Kampfsport und trat etwa im “Fight Club Karl-Marx-Stadt” an. Die “HooNaRa” waren auch am massiven, organisierten Angriff auf eine antifaschistische Demonstration in Chemnitz im Jahr 2004 beteiligt.

Trainiert wurden Rico Malt, Kay Richter und andere Schläger der “HooNaRa” von Gregor Reinhardt in der “Muay Thai Schmiede” in Thalheim. Neben Kay Richter ist auch der ursprünglich aus Jena stammende Neonazi Mirko Szydlowksi, bekannt als Liedermacher “Barny”, bis heute in Reinhardts Trainingsgruppe zu finden. Der Kontakt Richters zu Reinhardt entstand in der aktiven Zeit der Chemnitzer “Blood & Honour”-Sektion. Diese Verbindung dürfte auch dafür gesorgt haben, dass “Blitzkrieg” im Jahr 2008 einen Proberaum bzw. ein Tonstudio in demjenigen Gebäude in Thalheim anmieten konnten, in dem auch das Fitnessstudio “Relax” sitzt. Dieses Fitnessstudio beherbergt u.a. die “Muay Thai Schmiede” und wird von dem rechtsoffenen Kraftsportler Alexander Mende betrieben.

Kay Richter war auch in die Absicherung von Veranstaltungen der NPD-nahen Chemnitzer “IG Stadtgeschichte” eingebunden. Zudem war er u.a. Teil des Sicherheitsdienstes eines NS-Black-Metal-Konzerts in Lichtenstein (Sachsen) im Jahr 2007. Bei letzterem waren auch der NSU-Unterstützer André Eminger und andere Neonazis aus ehemaligen sächsischen “Blood & Honour”-Strukturen als Türsteher eingesetzt, darunter der Rechtsrockmusiker Andreas Graupner.

Die Richter-Brüder, Graupner und andere bekannte Chemnitzer Mitglieder von “Blood & Honour” bewohnten damals im Chemnitzer Heckert-Gebiet ein Haus, in dem kurz nach ihrer Flucht aus Jena auch die NSU-Mitglieder Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt unterkamen.

Die Nähe zum NSU lässt sich auch bei Paul Morgenstern, dem Gitarristen von “Blitzkrieg”, wiederfinden. Der in Wilkau-Haßlau bei Zwickau wohnhafte Morgenstern begann seine musikalische “Karriere” in der Band “Westsachsengesocks”. Deren Sänger Ralf “Manole” Marschner war nicht nur Teil von “Blood & Honour Sachsen” und organisierte zahlreiche Konzerte, sondern betrieb fast zehn Jahre einen rechten Szeneladen. Bis 2002 war er als Spitzel für das sächsische Landesamt für Verfassungsschutz tätig. Dem NSU soll er in seinem Laden “The Last Resort Shop” und in seiner Baufirma Arbeitsplätze verschafft haben.

Paul Morgenstern, 1980 in Kirchberg geboren, wirkte auch bei der um 1998 gegründeten Chemnitzer Naziband “Keine Reue” mit, die sich später in “Might of Rage” umbenannte. Am Bass stand dort das “Blood & Honour”-Mitglied Michael “Wüste” Lorenz. Lorenz und Morgenstern sind auch in der NS-Hardcore-Band “Brainwash” aktiv. Morgenstern, der in der Szene als “Paule” und “Bile” auftritt, betreibt auch das NS-Black-Metal-Label “Blasphemous Terror Records”, wirkte bei Frank Krämers rechtem Neofolk-Projekt “Halgadom” mit, sitzt bei den NSBM-Bands “Stahlfront” und “Camulos” am Schlagzeug und ist Kopf der ebenfalls im rechten Black-Metal-Bereich angesiedelten Band “Leichenzug”. Zusammen mit Patrick Janssen führte Morgenstern dessen Band “Yggdrasil” unter dem Namen “Frozen Abyss” fort. Ende 2014 machte Paul Morgenstern Schlagzeilen, als seine Mitgliedschaft in der AfD bekannt wurde. Kurz nach Bekanntwerden trat der Neonazi aus der “Alternative für Deutschland” aus.

Durch einen ähnlichen Werdegang wie André Eminger – in Westsachsen lebend, aus der Rechtsrock-Szene um “Blood & Honour” stammend und in der sächsischen NS-Black-Metal-Szene gelandet – muss von einem intensiven Kontakt zwischen Eminger und Morgenstern ausgegangen werden. Zudem war Morgenstern mit dem Freundeskreis in Chemnitz, der den NSU kurz nach ihre Flucht beherbergt hatte, stark vertraut. Er war in die Naziszene in Zwickau eingebunden, die dem NSU ab 2001 Wohnungen besorgte.

Auch der ehemalige “Blitzkrieg”-Gitarrist Thomas Rothe alias “Dackel” lebte damals in dem Wohnhaus im Chemnitzer Plattenbaugebiet, wo fast nur Neonazis wohnten. Rothes Wohnung war es damals, in der Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe im Jahr 1998 unterkamen.

Zur “Blitzkrieg” gehört seit mehreren Jahren auch der Zwickauer Neonazi Christian Sobeck an der Gitarre. Sobeck spielt in zahlreichen weiteren Nazibands, darunter “Confident of Victory”.

Ein unvollständiger Abriss des Konzertgeschehens, an dem die oben genannten Musiker mitwirkten:

  • 24. September 1998 Auftritt von “Westsachsengesocks” in Sachsen, u.a. mit “Max Resist” (USA)
  • 13. November 1999 erster Auftritt von “Might of Rage” in Schorba (Thüringen), u.a. mit “Stahlgewitter”, organisiert von “Blood & Honour Brandenburg”
  • Mai 2000 vermutlich der erste Auftritt von “Blitzkrieg” in Geringswalde (Sachsen), u.a. mit “Might of Rage”, “Excalibur” (Tschechien) und “Solution” (Leipzig)
  • 29. Februar 2004 Auftritt von “Blitzkrieg” in Chemnitz, u.a. mit “Radikahl” (Thüringen), organisiert vom NSU-Unterstützer und “Blood & Honour”-Kader Hendrik Lasch
  • 27. März 2005 Auftritt von “Blitzkrieg” in Hohenstein-Ernstthal (Sachsen), u.a. mit “Final War” (USA), organisiert von Rico Malt und “HooNaRa”
  • 2006 Auftritt von “Blitzkrieg” in Bayern, u.a. mit “Stahlgewitter”, “SKD” (Thüringen) und “Valhallas Patriots” (Sachsen-Anhalt), organisiert von den “Hammerskins Franken”
  • 2. August 2008 Auftritt von “Blitzkrieg” in Tschechien, u.a. mit “Saga” (Schweden)
  • 23. Januar 2010 Auftritt von “Blitzkrieg” in Slowenien, u.a. mit “Sturmtrupp” (Bayern) und “Ohne Worte” (Zwickau), organisiert von “Blood & Honour Wien”
  • 13. Juli 2012 Auftritt von “Blitzkrieg” in Finnland, u.a. mit “Kraftschlag”, organisiert von “Blood & Honour Finnland”
  • 12. Dezember 2015 Auftritt von “Blitzkrieg” beim “Rock against Refugees” in Niesky (Sachsen), u.a. mit “Frontalkraft” (Cottbus)
  • 7. Mai 2016 Auftritt von “Blitzkrieg” beim “Rock für Identität” in Hildburghausen, u.a. mit “Sleipnir” (NRW)
  • 18. März 2017 Auftritt von “Blitzkrieg” beim Nazikonzert “Defend Europe” in Heudicourt-sous-les-Côtes (Frankreich), mit “Division Germania”, “Fortress”, “Heiliger Krieg” und “Squadron”, organisiert von den “Hammerskins”
  • 3. Juni 2017 Auftritt von “Blitzkrieg” in Schweden, u.a. mit “Hundriver” (Ungarn), organisiert von “Blood & Honour Schweden”

Mehr dazu:

Links: Rico Malt während eines Angriffs auf eine antifaschistische Demonstration in Chemnitz 2004. Mitte: Jörg oder Kay Richter bei dem gleichen Angriff. Rechts: Thomas Rothe im Jahr 2017.

Confident of Victory – “Pornoskins” aus der Lausitz

Oben “Confident of Victory” bei einem Auftritt 2012. Unten: Thomas Tschech, Rico Hafemann, Christian Sobeck, Tobias Schütze, Mario Rudolf (Fotos flickr, flickr).

Neben den Neonazi-Bands “Division Germania”, “Blutzeugen” und “Deutsch Stolz Treue” steht zur Stunde die Gruppe “Confident of Victory” beim Rechtsrock-Konzert “White Xmas” auf der Bühne. Im Jahr 1998 eigentlich nur als Nebenprojekt der Naziband “Sturm und Drang” gegründet, zählt “Confident of Victory” aus Senftenberg (Brandenburg) heute zu den bedeutendsten Rechtsrock-Bands des Landes.

Als Sänger der Bands “Sturm und Drang” und “Confident of Victory” fungiert der Neonazi Rico Hafemann aus Senftenberg. Hauptberuflich ist Hafemann Inhaber der “Hotel-Pension Hafemann” im Senftenberger Ortsteil Niemtsch. Dem Brandenburger Landesamt für Verfassungsschutz gilt Hafemann als derart bedeutender Neonazi, dass man ihn im Verfassungsschutzbericht 2009 mit vollem Namen nannte – als einen von zwei Hauptakteuren der neonazistischen Musikszene im Bundesland. Zusammen mit Mitgliedern der mittlerweile aufgelösten sächsischen NSBM-Band “Magog” bildete Hafemann zudem die NS-Death-Metal-Band “Obskur”.

Auch der Bassist von “Confident of Victory”, Thomas Tschech, gehört seit den Anfangstagen zur Gruppe. Er war somit auch von den Hausdurchsuchungen betroffen, die im Januar 2006 bei den Bandmitgliedern durchgeführt wurden. Anlass war ein Auftritt in Mannheim im März 2005, bei dem die Band volksverhetzende Titel gespielt und ihr Publikum zum Zeigen des Hitlergrußes sowie zu “Sieg Heil”-Rufen animiert haben soll. Bei den Durchsuchungen wurde auch der Zünder einer Übungshandgranate beschlagnahmt. Gleichzeitig wurde das Album “F.N.A.B.” (“Freedom, Nation and Blood”) und die Demo-CD “Pornoskins” nach Liste A indiziert. Die Demo-CD enthält Zeilen wie “Nigger scum, nigger nigger nigger nigger scum”. Auf “F.N.A.B.” sind Forderungen wie “War, war, war – the final solution!” zu hören.

Auch das auf diesem Album erschienene Lied “Sieg” ist auf Konzerten ein Klassiker. In der ursprünglichen Version heißt es: “Kamerad, auf dass der Sieg mit uns sei, ein kräftiges Sieg”. Bei ihrem Auftritt in Unterwasser (Schweiz) im Oktober 2016 vollendete das Publikum die Textzeile mit dem Ausruf “Heil!” Besucher witzelten später, das anwesende Publikum sei wohl nicht textsicher gewesen, da der Song eigentlich anders laute. Tatsächlich brachte die Band eine zweite Version des Liedes heraus, in der Hafemann “Kamerad, auf dass der Sieg mit uns sei, wir bleiben dabei, stolz und frei” singt. Damit umging man eine strafrechtliche Verfolgung. Auf konspirativen Konzerten bieten “Confident of Victory” jedoch die Orginalfassung dar.

Im Jahr 2012 erschien das bislang letzte Album “A Neverending Fight” und die Single “Eisenschmiede”, beide bei “OPOS Records”. Ein Jahr später wurde die 2006 erschienene CD “The Unfeeling” indiziert. Eine Neuauflage erschien 2016 beim Nazi-Musiklabel “Gjallarhorn Klangschmiede”, das schon die ursprüngliche Version produziert hatte. Daneben steuerten “Confident of Victory” in den Jahren 2008 und 2013 Lieder zu den “Schulhof-CDs” der NPD bei.

Die Gitarre bei “CoV” spielt seit einigen Jahren Mario Rudolf. Der 31-Jährige kommt ursprünglich aus der Gemeinde Guteborn (Brandenburg), wohnt aber mittlerweile in Dresden. Rudolf spielt auch bei anderen Nazibands mit und ist als Soloprojekt “Stereotyp” aktiv.

Schlagzeuger von “Confident of Victory” war lange Zeit Tobias Schütze, der ebenso wie Mario Rudolf aus Südbrandenburg stammt und mittlerweile in der Sächsischen Schweiz wohnt. Schütze spielt weiterhin in der NS-Hardcore-Band “Hope for the Weak” sowie in der Nazipunk-Kapelle “Pro Patria”.

Seit 2017 sitzt nun der Zwickauer Neonazi Christian Sobeck bei “Confident of Victory” am Schlagzeug. Der 1986 geborene Sobeck wohnt im Raum Zwickau, kommt aber ursprünglich aus dem Erzgebirge, wo er in den Nazibands “Konfrontation” und “White Resistance” aktiv ist. Daneben veröffentlichte Christian Sobeck mehrere CDs unter den Namen “Projekt X” und “Paranoid”. Sie erschienen überwiegend bei den Labels “PC Records” und “OPOS Records” und sind u.a. mit Fotos von Hitlerjungen bebildert.

Ein unvollständiger Abriss des Konzertgeschehens, an dem die oben genannten Musiker mitwirkten:

  • 6. Dezember 1996 Auftritt von “Sturm & Drang” in Sachsen, u.a. mit “Frontalkraft” (Cottbus) und “Legion of St. George” (England)
  • 22. Januar 2000 Auftritt von “Sturm & Drang” in Dresden, u.a. mit “Totenburg” (Gera) und “Might of Rage” (Chemnitz)
  • 7. September 2002 Auftritt von “Sturm & Drang” im “Deutsche Stimme”-Verlag der NPD in Riesa, zusammen mit “Selbststeller” (Riesa), “Sleipnir” (Nordrhein-Westfalen) und “Spreegeschwader” (Berlin)
  • 27. November 2004 Auftritt von “Confident of Victory” in Bayern, zusammen mit “Absurd”
  • 1./2. Oktober 2005 Auftritt von “Confident of Victory” beim “Hammerfest” des internationalen Nazi-Netzwerks “Hammerskins” in den USA
  • 14. Juli 2012 Auftritt von “Confident of Victory” beim “Veneto Fronte Skinheads”-Sommerfest in Italien, u.a. mit “Sleipnir”
  • 27. Juli 2013 Open-Air mit “Confident of Victory”, “Frontalkraft”, “Hope for the Weak” und “Timebomb” auf dem Gelände von Klaus Mann in Finowfurt (Brandenburg), veranstaltet von “Märkische Skinheads”
  • 13. Dezember 2014 Konzert “White X-Mas” in Frankreich mit “Blutzeugen”, “Confident of Victory”, “Gestapo”, “Helle und die RACker”, “Kraftschlag”, “Sniper” und “Überzeugungstäter”, organisiert vom “Chapter Westwall” der “Hammerskins”

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Stahlgewitter und Division Germania – Rechtsrock-Superstars in Personalnot?

“Division Germania”: Matthias Weßler, Philipp Neumann, Andreas Koroschetz

Unter dem zweideutigen Namen “White Xmas” wird seit Monaten die Werbetrommel für ein Rechtsrock-Konzert am heutigen 9. Dezember 2017 gerührt. Neben “Deutsch Stolz Treue” (Berlin), “Blutzeugen” (Raum Dresden) und “Confident of Victory” (Senftenberg) wird auch die Band “Division Germania” angekündigt. Der letzten Band werden wir uns auch aus diesem Anlass heute annehmen.

Ursprünglich als Soloprojekt angedacht, wurde “Division Germania” von dem 1983 geborenen Andreas Koroschetz aus Mönchengladbach um das Jahr 2000 herum ins Leben gerufen. Dieser ist Vollmitglied der Neonazi-Bruderschaft der “Hammerskins” und trat zur Bundestagswahl 2005 in seiner nordrhein-westfälischen Heimatstadt für die NPD an.

Am Schlagzeug bei “DG” sitzt der aus Hamm stammende Patrick Gerstenberger, während Matthias Weßler aus dem Rhein-Kreis Neuss den Bass spielt. Mit beiden war Koroschetz schon bei der Nazipunk-Band “Rotte Charlotte” aktiv. Gerstenberger gehört außerdem seit geraumer Zeit den Rechtsrock-Band “Smart Violence” und “Sturmwehr” an.

Seit mindestens zwei Jahren spielt Philipp “Phil” Neumann als Gitarrist bei “Division Germania”. Neumann ist auch Sänger und Gitarrist der Naziband “Flak”. Die Besetzung der zweiten Gitarre hingegen ändert sich ständig. Auf dem “Hammerfest 2015” der italienischen “Hammerskins”-Sektion wurde die Stelle von Mirko Szydlowki alias “Liedermacher Barny” besetzt, während beim “Rock gegen Überfremdung” im Juli 2017 Martin Böhne aus Hamm auf der Bühne stand.

Die Neonazi-Musiker Koroschetz, Weßler, Neumann und Gerstenberger gehören derzeit auch zur Live-Besetzung der 1996 gegründeten rechten Kultband “Stahlgewitter”. Deren Sänger ist der aus Meppen (Niedersachsen) stammende Daniel “Gigi” Giese. Studio- und Gründungsmitglied von “Stahlgewitter” ist der bekannte Neonazi Frank Krämer. Er wirkt auch bei der rechten Neofolk-Band “Halgadom” mit, betreibt den rechten Versand “Sonnenkreuz” und veröffentlicht seit einiger Zeit als “Der dritte Blickwinkel” Videos auf YouTube.

Daniel Giese ist außerdem als Sänger der Bands “Gigi & die braunen Stadtmusikanten” und “In Tyrannos” bekannt. Seine unverwechselbare Stimme taucht ebenso bei der konspirativ agierenden Nazi-Band “Zillertaler Türkenjäger” und deren Nachfolgegruppe “Die lustigen Zillertaler” auf. In der vor menschenverachtenden Texten nur so strotzenden Band ist Michael “Lunikoff” Regener als Gastsänger zu finden. Regener stand sowohl beim “Rocktoberfest” 2016 in Unterwasser (Schweiz) als auch beim “Rock gegen Überfremdung” im Juli 2017 in Themar (Thüringen) als Gastsänger von “Stahlgewitter” auf der Bühne.

Während “Stahlgewitter” 2016 in Unterwasser das erste Mal seit rund neun Jahren ein Konzert gaben und ihnen knapp 5000 Neonazis aus ganz Europa mit hundertfachen Hitlergrüßen huldigten, ist Daniel Gieses erstes Rechtsrock-Projekt “Saccara” zwar weiterhin ein Kassenschlager, aber seit Anfang der Zweitausender Jahre inaktiv. Der fast 50-jährige Giese gilt auch durch sein Mitwirken bei “Kahlkopf” als Kultfigur, ähnlich wie Michael “Lunikoff” Regener.

Für seine Tätigkeit bei “Zillertaler Türkenjäger” musste sich Giese vor 15 Jahren vor Gericht verantworten, was jedoch im Jahr 2005 mit einer Einstellung des Verfahrens endete. Auch als Kopf der Band “Gigi & die braunen Stadtmusikanten” und aufgrund deren Songs “Dönerkiller” und “Geschwür am After” stand Giese ab 2012 vor Gericht. Eine ursprüngliche Verurteilung zu einer auf Bewährung ausgesetzten Haftstrafe wegen Billigung von Straftaten und Volksverhetzung endete nach mehreren Instanzen im Jahr 2014 in einer Geldstrafe. Im Lied “Dönerkiller” hatte Giese die Mordserie des rechtsterroristischen “Nationalsozialischen Untergrunds” (NSU) verherrlicht. Da das Lied vor der im Jahr 2011 erfolgten Selbstenttarnung des NSU entstand, scheint es möglich, dass Giese von dem neonazistischen Hintergrund der Mordserie wusste. Denn bis 2011 hatten die Behörden vor allem in migrantischen Communities ermittelt, statt rassistische Mordmotive in Erwägung zu ziehen.

Ein unvollständiger Abriss des Konzertgeschehens, an dem die oben genannten Musiker mitwirkten:

  • 13. November 1998 Auftritt von “Stahlgewitter” in Schorba (Thüringen) vor etwa 1000 Neonazis, u.a. mit “Max Resist” (USA) und “Radikahl” (Thüringen). Organisiert wurde das Konzert von “Blood & Honour Brandenburg”.
  • 19. Mai 2001 Auftritt von “Stahlgewitter” in der Schweiz, u.a. mit “Archivum” (Ungarn) und “Neubeginn” (Nordsachsen)
  • 5. August 2006 Auftritt von “Gigi & die braunen Stadtmusikanten” auf dem “Deutsche Stimme Pressefest” der NPD in Dresden-Pappritz, u.a. mit “Fylgien” (Berlin) und “Carpe Diem” (Baden-Württemberg)
  • 7. April 2007 Auftritt von “Stahlgewitter” in Italien, u.a. mit “H8Machine” (USA) und “Armco” (Italien), organisiert von den “Veneto Fronte Skinheads” und dem “Fest der Völker” um den NSU-Unterstützer Ralf Wohlleben
  • 20. Juni 2009 Auftritt von “Rotte Charlotte” in Belgien beim “Hammerfest” der “Hammerskin Nation”, u.a. mit “Bully Boys” (USA) und “Before the War” (Slowakei)
  • 12. September 2009 Auftritt von “Rotte Charlotte” auf dem “4. Fest der Völker” in Pößneck (Thüringen), u.a. mit “Eternal Bleeding” (Altenburg/Zwickau) und “Preserve White Aryans” (Estland)
  • 29. Oktober 2011 Auftritt von “Division Germania” und “Rotte Charlotte” zur 10-Jahres-Feier von “Blood & Honour Slovenia”
  • 28. September 2013 Auftritt von “Division Germania” beim “Ian Stuart Donaldson Memorial” in Schweden, u.a. mit “Alexandra & Barny” (Schweden/Deutschland), organisiert von den “Hammerskins/Crew 38 Schweden”
  • 18. Juni 2016 Auftritt von “Division Germania” auf dem “Hammerfest” der “Hammerskin Nation” in Frankreich, u.a. mit “Blindfolded” (Niederlande) und “Verszerzödes” (Ungarn)
  • 18. März 2017 Auftritt von “Division Germania” in Nonsard-Lamarche (Frankreich), u.a. mit “Blitzkrieg” (Chemnitz) und “Fortress” (Australien), organisiert von den “Hammerskins”

Links: Martin Böhne (Bart und Mütze), Andreas Koroschetz (Sonnenbrille) und Matthias Weßler (gelbes T-Shirt) beim Rudolf-Heß-Aufmarsch am 19. August 2017 in Berlin (Foto Recherche Nord). Rechts: Philipp Neumann (Foto flickr).

Andreas Koroschetz, Philipp Neumann, Michael Regener, unbekannt, Tommy Frenck und Daniel Giese in Frencks Gasthaus “Goldener Löwe” in Hildburghausen, 2017

Exzess – umtriebige Neonazis aus einem rockerähnlichen Milieu

“Exzess”: Tobias Vogt, Patrick Alf, Daniel Köhring

2010 in Strausberg bei Berlin ins Leben gerufen, ist “Exzess” aus der Rechtsrock-Szene heute nicht mehr wegzudenken. Dies mag nicht nur an ihren relativ professionellen Musikproduktionen liegen, sondern vor allem an ihrer Verbindung zu Neonazi-“Bruderschaften” wie den Berliner “Vandalen”, der “H8” aus Thüringen und Brandenburg sowie deren Nachfolger “Turonen/Garde 20”.

Sänger und Bassist von “Exzess” ist Tobias Vogt, der in Strausberg das bandeigene Label “Exzess-Records” und die Autowerkstatt “Carofol” betreibt und in seiner Freizeit Kampfsport macht. Patrick Alf, Schlagzeuger bei “Exzess”, kandidierte bei den Kommunalwahlen 2008 für die rechten Partei “Deutsche Volksunion” (DVU).

An der Gitarre steht Daniel Köhring aus Fredersdorf-Vogelsdorf. Er ist Mitglied des Brandenburger Ablegers der 2006 in Thüringen gegründeten “Bruderschaft” “H8”. Ähnlich wie das in Deutschland verbotene “Blood & Honour”-Netzwerk und die “Hammerskins” tut sich die “H8” durch die Organisation von Nazikonzerten und die Vermarktung rechter Bands hervor. Die elitäre und martialische Selbstdarstellung dieser “Bruderschaften” übte in den vergangenen Jahren eine hohe Anziehungskraft innerhalb der Neonazi-Szene aus. Dadurch gewann man auch im Rechtsrock-Geschäft an Bedeutung – und Musiker, Produzenten und Händler als Mitglieder.

Die 2015 gegründete “Bruderschaft Turonen/Garde 20” gilt als Nachfolger der “H8”. Ihr führender Kopf ist der Neonazi Steffen Richter aus Saalfeld (Thüringen), der bereits Mitglied der “H8” war. Die “Turonen” waren maßgeblich an der Organisation des von rund 5000 Neonazis besuchten “Rocktoberfest” im Oktober 2016 in der Gemeinde Unterwasser (Schweiz) beteiligt. Sie initiierten auch die Konzertreihe “Rock gegen Überfremdung” in Thüringen, deren zweite Auflage im Juli 2017 in Themar (Thüringen) rund 6000 Neonazis aus ganz Europa anzog. Während “Exzess” beim “Rocktoberfest” auf der Bühne standen, war Gitarrist Daniel Köhring beim “Rock gegen Überfremdung 2” an der Ordnerstruktur und dem Aufbau der Infrastruktur beteiligt – neben Mitgliedern der “Bruderschaften” “Barnimer Freundschaft”, “Hammerskins” und “Vandalen”.

Tobias Vogt stand in Themar währenddessen als Bassist der Berliner Neonazi-Band “Die Lunikoff Verschwörung” auf der Bühne. “Die Lunikoff Verschwörung” besitzt in der Szene Kultstatus, was vorrangig an ihrem Sänger Michael “Lunikoff” Regener liegen dürfte. Regener gilt als Kopf der Berliner “Bruderschaft” “Vandalen – Ariogermanische Kampfgemeinschaft”. Seine Band ist das Folgeprojekt der als kriminelle Vereinigung verbotenen Band “Landser”. Regeners angeblich in Haft entwickelte Kleidungsmarke “Hermannsland” ist an den “Hermannsland-Versand” angebunden, über den CDs und Merchandise von “Die Lunikoff Verschwörung” vertrieben werden. Als Betreiber des Versands fungiert der Leipziger Neonazi und Hooligan Nils Larisch.

Ein unvollständiger Abriss des Konzertgeschehens, an dem die oben genannten Musiker mitwirkten:

  • 1. April 2005 Auftritt von “Die Lunikoff Verschwörung” in Pößneck (Thüringen). Er gilt als Abschiedskonzert der Band, bevor Sänger Michael Regener seine Haftstrafe antritt. Organisiert wird das Konzert von der NPD Thüringen.
  • 6. März 2010 Auftritt von “Die Lunikoff Verschwörung” in Budapest, u.a. mit “Stahlgewitter”, organisiert von “NS Front”
  • 2. April 2011 Auftritt von “Exzess” in Riesa (Sachsen), u.a. mit “Wiege des Schicksals” (Anklam) und “Marci & Kapelle” (alias “Tätervolk”, Berlin). Organisiert wurde das Konzert vom “Deutsche-Stimme”-Verlag der NPD.
  • 8. November 2014 Auftritt von “Die Lunikoff Verschwörung” in Zobes (Sachsen), u.a. mit “Nahkampf” (Bremen), organisiert von Nils Larisch und der Partei “Die Rechte”
  • 27. Dezember 2014 Auftritt von “Exzess” in Kirchheim (Thüringen), u.a. mit “Tätervolk” (Berlin/Brandeburg) und “Treueorden” (Thüringen)
  • 4. Juni 2016 Auftritt von “Exzess” im “Thinghaus” in Grevesmühlen (Mecklenburg-Vorpommern), u.a. mit “Hausmannskost” (Cottbus)
  • 15. Oktober 2016 Auftritt von “Exzess” beim Nazikonzert “Rocktoberfest” in Unterwasser (Schweiz), mit “Amok” (Schweiz), “Confident of Victory”, “Frontalkraft” (Cottbus), “Makss Damage” und “Stahlgewitter”
  • 30. April 2017 Auftritt von “Die Lunikoff Verschwörung” in der Ukraine, u.a. mit “Sokyra Peruna” und “Moloth” (beide Ukraine)
  • 2. Dezember 2017 Auftritt von “Exzess” in der Nähe von Hamm (Nordrhein-Westfalen), u.a. mit “Blitzkrieg” (Chemnitz)

Mehr dazu:

Links Steffen Richter aus Saalfeld bei einem Rudolf-Heß-Marsch (Foto flickr). Rechts: Nils Larisch und Michael Regener fordern “Freiheit” für den Holocaust-Leugner Horst Mahler.