Nazi-Musiklabels – Agitatoren und Profiteure

Neonazi-Musik ist nichts ohne ihre Vertriebskanäle. Musiklabels und Handelsunternehmen produzieren, bewerben und verkaufen Tonträger von Nazibands, produzieren Merchandise-Artikel und verbreiten die nationalsozialistische Ideologie auch über das Internet. Fünf der bundesweit bedeutendsten und umsatzstärksten Labels, allesamt mit angeschlossenem Versandhandel, stellen wir heute vor. Jedes einzelne von ihnen dürfte einen sechsstelligen Jahresumsatz aufweisen.

PC Records

Links Yves Rahmel und Steve Geburtig auf einem Nazi-Festival (Foto Recherche Nord), rechts Hendrik Lasch

Um das Jahr 2000 herum in Chemnitz (Sachsen) gegründet, entstammt das Musiklabel “PC Records” dem Umfeld der sächsischen “Blood & Honour”-Sektion. Gründer Hendrik Lasch steht aber nicht nur “Blood & Honour” nahe, sondert ist auch Mitglied des Rockerclubs “Motorradstaffel Kreuzeiche Germania” und war seit mindestens 1994 mit dem NSU-Terroristen Uwe Mundlos befreundet.

“PC Records” war zunächst in Laschs Ladengeschäft “Backstreet Noise” integriert. Im Jahr 2002 übernahm Silvio Strauch aus Dresden das Label und den Laden. Ein Jahr später wurde “PC Records” in ein separates Ladengeschäft ausgegliedert. Dessen Inhaber war ab dem Jahr 2004 der Neonazi Yves Rahmel, während Hendrik Lasch im gleichen Jahr wieder “Backstreet Noise” übernahm. Ungefähr zur gleichen Zeit zogen beide Läden an ihren jetzigen Standort, die Dr.-Salvador-Allende-Straße 110 in Chemnitz.

Ebenso wie Hendrik Lasch fiel auch Yves Rahmel als Veranstalter von Nazikonzerten auf. Ende 2010 kaufte Rahmel ein Haus im Chemnitzer Stadtteil Markersdorf und ließ es zu einem rechten Schulungs- und Veranstaltungszentrum ausbauen. Er gilt als eifriger Finanzier verschiedener neonazistischer Gruppierungen in der Stadt. Im Jahr 2012 verurteilte das Amtsgericht Chemnitz den 1981 geborenen Yves Rahmel zu einer Geldstrafe, weil “PC Records” CDs mit volksverhetzenden Inhalten produziert und vertrieben hatte.

Auf “PC Records” erschien auch im Jahr 2010 das Album “Adolf Hitler lebt” von “Gigi & Die Braunen Stadtmusikanten”. Darauf befindet sich das Lied “Döner-Killer”, in dem Sänger Daniel Giese die Mordserie des später aufgedeckten “Nationalsozialistischen Untergrunds” (NSU) lobend besingt – während die Polizei im Umfeld der Ermordeten ermittelte und ein mögliches rassistisches Tatmotiv ignorierte. Es war ausgerechnet das direkte Umfeld von “Blood & Honour” in Chemnitz, das die abgetauchten Neonazis jahrelang unterstützt hatte.

Seit 2014 wird “PC Records” zumindest auf dem Papier von Steve Geburtig geführt. Yves Rahmel arbeitet nun als Angestellter weiter. Auch Geburtig ist seit Jahren in der Rechtsrock-Szene aktiv.

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Yves Rahmel (kariertes Hemd) und “PC Records”-Mitarbeiter Holger Mentler (“Blood & Honour Magdeburg”, blaues Hemd) bei einem Nazikonzert in Nienhagen (Sachsen-Anhalt) am 28. Juni 2014 (Foto flickr)

Front Records und Gjallarhorn Klangschmiede

“Front Records”: Thomas Persdorf, Thorsten Richter geb. Krzemin, Henry Behr, Dierck Wagner (Fotos GAMMA 193, flickr)

Das Label “Gjallarhorn Klangschmiede” wurde im Jahr 2003 vom Neonazi Malte Redeker aus Ludwigshafen gegründet. Dutzende CDs namhafter Rechtsrock-Bands werden dort Jahr für Jahr produziert, etwa von “Endlöser”, “Sonderkommando Dirlewanger”, “TreueOrden” und “White Resistance”. Der 1976 geborene Redeker vertreibt die Tonträger u.a. über seinen Versandhandel “Frontmusik”. Malte Redeker ist eine zentrale Figur des weltweiten Neonazi-Netzwerks “Hammerskins” und fiel u.a. durch die Organisation von Nazikonzerten auf, etwa dem von mindestens 1500 Neonazis besuchten “European Hammerfest” am 3. November 2012 in Toul (Frankreich). Ende der Neunziger Jahre hielt Malte Redeker engen Kontakt zu Scott Stedeford, Mitglied der rechtsterroristischen US-amerikanischen “Aryan Republican Army”.

“Front Records” entstand hingegen im Umfeld des damals konkurrierenden Nazinetzwerks “Blood & Honour”. Thomas Persdorf gründete das Musiklabel nebst Versandhandel im Jahr 2001 im Raum Wurzen (Sachsen), kurz nach dem Verbot von “Blood & Honour Deutschland”. Persdorf wurde später vorgeworfen, die Neonazi-Organisation in Deutschland illegal weitergeführt zu haben. Er bunkerte T-Shirts und Fahnen mit Aufdrucken wie “Combat 18”, dem terroristischen Arm von “Blood & Honour”, und übernahm den Vertrieb von CDs der später als kriminelle Vereinigung verbotenen Naziband “Landser”. Im Jahr 2011 wurde Thorsten Richter, 1977 geboren als Thorsten Krzemin, Geschäftsführer von “Front Records”. Richter war früher Leiter der bayrischen “Blood & Honour”-Sektion. Später lag “Front Records” kurzzeitig in den Händen des Neonazis Henry Behr aus Wittenberg (Sachsen-Anhalt).

Anfang 2016 übernahm die “Front Records”-Betreiberfirma “Falkenhainer Textil UG” Redekers Label “Gjallarhorn Klangschmiede” sowie “Frontmusik”. Ein knappes Jahr später ging die Firma insolvent, und ein neues Unternehmen namens “Muldentaler Textil UG” übernahm die Labels und Vertriebsangebote. Zumindest auf dem Papier, denn die neue Firma sitzt am alten Standort in der nahe Wurzen gelegenen Gemeinda Lossatal. Geschäftsführer ist der aus Ludwigshafen stammende Dierck Wagner, der für die NPD kandidiert und die Neonazi-Schlägertruppe “LuNaRa” (Ludwigshafener Nationalisten und Rassisten) mitgegründet haben soll. Aufgrund dessen liegt eine enge Verbindung zu Malte Redeker nahe. Unklar ist aber, wer hier wen übernommen hat – Wagner selbst macht eher den Eindruck, ein Strohmann zu sein.

Dass ein Musiklabel der “Hammerskins” und eines aus dem “Blood & Honour”-Umfeld sich zusammentun, könnte irritieren, verband die beiden konkurrierenden Organisationen doch eine jahrelange Fehde. Dass diese womöglich beigelegt ist, zeigte auch das von Malte Redeker mitorganisierte “Hammerfest” 2012 in Toul, das mit dem Vermerk “Everyone is welcome!” angekündigt wurde. So bewarben auch mehrere “Blood & Honour”-Strukturen die Party. Während die deutsche “Blood & Honour”-Division im Jahr 2000 verboten wurde, blieben die “Hammerskins” von der deutschen Justiz bislang verschont.

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Rebel Records

Martin Seidel am 29. Juli 2017 beim “Rock für Identität” in Themar (Foto Recherche Nord)

Beim Produzieren und Vermarkten von Nazipunk und rechter Skinhead-Musik ist “Rebel Records” seit Jahren eine feste Größe in der Naziszene. Das 2005 im bayrischen Freising gegründete Unternehmen hat seinen Sitz seit einigen Jahren in Cottbus (Brandenburg). Der Betreiber Martin Seidel ist zudem Sänger der Rechtsrock-Band “Hausmannskost”, spielte auch bei “Frontalkraft” mit, betreibt in Cottbus das Ladengeschäft “Devil’s Right Hand Store” und dient als Strohmann für den Vertrieb der Nazi-Kampfsportmarke “Black Legion”. Der Name seines Geschäfts geht auf das gleichnamige Lied der Naziband “Klansmen” zurück, einem Projekt des einstigen “Skrewdriver”-Sängers Ian Stuart Donaldson.

Mit “Rebel Records” organisiert und unterstützt Seidel des Öfteren Nazikonzerte, die überwiegend im “Alten Gasthof Staupitz” in Torgau (Sachsen) stattfinden. Tickets und Konzert-Shirts gibt es bei “Rebel Records” ebenso zu kaufen wie CDs und Merchandise Dutzender anderer namhafter Nazibands, etwa von “Endstufe”, “Eugenik”, “Faustrecht”, “Punkfront” oder “Spreegeschwader”.

Oldschool Records

Benjamin Einsiedler am 29. Juli 2017 beim “Rock für Identität” in Themar (Foto Recherche Nord)

Kurz nach der Jahrtausendwende gründete Benjamin Einsiedler im Raum Memmingen (Bayern) “Oldschool Records”, eines der heute bedeutendesten Labels für Nazimusik aller Art. Mit der Mindelheimer “Blood & Honour”-Band “Faustrecht” holte er sich ein Zugpferd der internationalen Rechtsrockszene unter Vertrag. Es folgten die Bands “Codex Frei”, “Kommando Skin” und “Sturmtrupp”, die ebenfalls dem 2000 in Deutschland verbotenem “Blood & Honour”-Netzwerk angehören.

Lokal war die 1994 gegründete Naziband “Faustrecht” an die Kameradschaft “Skinheads Allgäu” angebunden, die allerdings 1996 verboten wurde. Als Nachfolger gilt die 2002 gegründete Nazi-“Bruderschaft” “Voice of Anger”, der auch Benjamin Einsiedler angehört. Die mit rund 80 Mitgliedern im Süden Deutschlands fest verankerte Kameradschaft unterhielt eine ehemalige Gartenschänke bei Memmingen als Clubhaus, welches allerdings im April 2017 angezündet wurde und bis auf die Grundmauern niederbrannte. Im Sommer 2017 produzierte Einsiedler mit seinem Label einen Sampler anlässlich des 15-jährigen Bestehens von “Voice of Anger”.

Neben “Oldschool Records” betreibt Einsiedler auch den Siebdruck-Shop “EPS-Einsiedler Print Store” und die Firma “EPS-Werbetechnik”. Textilien und Merchandise für Neonazis, etwa T-Shirts mit dem Aufdruck “I Love NS”, werden über seine Firma ebenso produziert wie Shirts für Abiturfeiern. Seit 2014 betreibt Einsiedler zudem das vorgeblich “unpolitische” Label “Subcultural Records”. Mit Bands wie “Pitbullfarm” (Schweden), die zwar im schwedischen Ableger von “Blood & Honour” zu verorten ist, nach außen aber aber als “Spaßprojekt” auftritt, will “Subcultural Records” den rechtsoffenen Teil der Oi-Szene ansprechen. Ähnlich sieht es bei der Allgäuer Band “Prolligans” aus, die in der Oi-Szene schon seit Jahren umstritten sind. Spätestens nach einem Besetzungswechel vor einigen Jahren gehört “Prolligans” zur mehr als nur rechtsoffenen Szene. Die Hälfte der Bandmitglieder sind nun auch bei den Nazibands “Smart Violence”, “Hard As Nails” oder eben “Faustrecht” aktiv.

Im Jahr 2014 wurde “Oldschool Records” durchsucht und CDs mit volksverhetzenden Texten sichergestellt. Einsiedler wurde im November 2016 zu einer milden Geldstrafe verurteilt, gegen die er Berufung einlegte. Dem Geschäft mit Nazimusik tat das zunächst keinen Abbruch. Kürzlich etwa veröffentlichte Einsiedler eine Split-CD mit den Nazibands “MPU” (Raum Hof), “Overdressed” (Raum Chemnitz) und “Smart Violence”, die auf einem von den “Hammerskins Franken” organisierten Konzert am 2. Dezember 2017 in Kircheim (Thüringen) vorgestellt wurde. Dort spielte auch die Oi-Band “Schusterjungs” aus Sachsen-Anhalt, die ähnlich wie “Prolligans” natürlich “vollkommen unpolitisch” ist.

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OPOS Records

Sebastian Raack (2017), Michael Lorenz (2012), “Parkgaststätte” in Lindenau (2017)

Das Label “OPOS Records” existiert seit 2007. Zugpferde des Unternehmens sind nationalsozialistische Hardcore/Metalcore-Bands wie “Brainwash” und “Moshpit” sowie Rechtsrock-Gruppen wie “Confident of Victory”. Die Betreiber Sebastian Raack und Michael Lorenz waren bis zu dessen Verbot in Deutschland im Jahr 2000 Mitglieder des Neonazi-Netzwerks “Blood & Honour”. “OPOS” steht für “One People One Struggle”, also “Ein Volk, ein Kampf”, und erinnert nicht zufällig an die NSDAP-Losung “Ein Volk, ein Reich, ein Führer”. “OPOS Records” hat bisher weit über 100 CDs produziert, von denen zahlreiche wegen jugendgefährdender Inhalte indiziert wurden, und sponsort neonazistische Gruppen und Veranstaltungen wie etwa das “Aktionsbündnis gegen das Vergessen”, das den jährlichen Naziaufmarsch am 13. Februar in Dresden veranstaltet, und die Nazi-Open-Airs “Thüringentag” und “JN-Sachsentag”.

Im Jahr 2008 veröffentlichte das Label die ersten zwei CDs und versuchte sogleich, zusammen mit anderen Neonazis eine Bewegung namens “One Family” zu etablieren. “OPOS Records” kooperierte dafür zunächst mit dem “Hate-Front”-Versand, der von Martin Stangl aus dem bayrischen Burglengenfeld betrieben wurde und seinen Sitz nach Leipzig verlegt hatte. Unter der Marke “One Family Records” vermarkteten “OPOS Records” und “Hate Front” in den Jahren 2009 und 2010 zusammen Kleidung und CDs. “Hate Front” verschwand im Jahr 2010 von der Bildfläche, doch die Kampagne “One Family” ist bis heute ein erfolgreicher Trick von “OPOS Records”, um Sympathien aus der Naziszene zu sichern, sich mit Nazibands und konkurrierenden Labels zu vernetzen und von der eigenen Kommerzialisierung abzulenken. Im Rahmen der “One Family” organisierte “OPOS Records” beispielsweise im Jahr 2014 eine Spendenkampagne für die österreichische Naziband “Terrorsphära”.

Für die Gestaltung der CDs und T-Shirts bei “OPOS Records” zeichnen René Weiße (“Mudhater Design”) und Ricardo Gutte (“Doomsdaykvlt”) verantwortlich. Weíße ist der Sänger der NS-Hardcore-Band “Brainwash”, Gutte spielt u.a. bei “Moshpit”. Zur “One Family” gehören weiterhin die Bands “Outlaw” und “Hope for the Weak”, in denen die “OPOS”-Inhaber Sebastian Raack und Michael Lorenz mitspielen. Auch Neonazi-Musiker wie Mario Rudolf und Tobias Schütze gehören zur Stammbelegschaft der “OPOS”-Bands und spielen u.a. bei “Hope for the Weak” mit.

Mit der Kleidungsmarke “Greifvogel Wear” versuchten Sebastian Raack und Michael Lorenz im Jahr 2014 den Einstieg in das neonazistische Kampfsportgeschehen. Bei der Anmeldung der Marke half die bei Neonazis beliebte Leipziger “Anwaltskanzlei Braeske, Hohnstädter, Thomas, Otto”, der auch der spätere “Legida”-Vorsitzende Arndt Hohnstädter angehörte. Mehrere Neonazis ließen sich seitdem vor den Karren des “Greifvogel Team” spannen, so etwa Gabriel Graf aus Bischofswerda (Sachsen), der bei der rechten “Imperium Fighting Championship IV” am 26. März 2016 in Leipzig für “Greifvogel Wear” antrat, oder Stefan Baer und Lucien Schönbach beim Nazi-Kampfsportevent “Kampf der Nibelungen” am 17. Oktober 2015.

Zum Vertrieb von Musik und Kleidung betrieben die “OPOS”-Inhaber Lorenz und Raack von 2007 bis November 2016 das Ladengeschäft “Neverstraight Clothes” und das “Tattoostudio Neverstraight” im Dresdner Einkaufszentrum “Mälzerei”. Ende 2016 zogen Label und Laden in Raacks alte Heimat, die Gemeinde Lindenau (Brandenburg), wo Raack die “Parkgaststätte” erworben hatte. Im Nachbardorf Ortrand ersteigerte Raack ungefähr zur gleichen Zeit das “Deutsche Haus”. In der “Parkgaststätte” veranstaltet Raack rechte Konzerte.

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Nationalsozialistischer Black Metal – der Teufel trägt Flecktarn (Teil 2)

Links “Leichenzug” mit Paul Morgenstern beim “Hot Shower Fest V” im Jahr 2016 in Mailand, rechts der Sänger von “Stahlfront” bei einem Liveauftritt

Um die Dimension des deutschen “National Socialist Black Metal”, kurz NSBM, begreiflich zu machen, folgt heute ein Porträt einer weiteren NSBM-Band, die aus einschlägig bekannten Neonazis besteht und deren Mitglieder maßgeblich das Konzertgeschehen in Ostdeutschland beeinflussen.

Stahlfront – Walhalla oder Neuschwabenland?

Im Jahr 2011 ins Leben gerufen, gilt “Stahlfront” heute als gefragte Band im NSBM-Bereich. Das mag nicht nur an ihrer faschistischen und elitären Aufmachung liegen, sondern vielmehr an den Personen hinter dem Projekt. Als Live-Mitglied saß anfangs der in Gera wohnhafte Denis Schoner am Schlagzeug. Der 1976 geborene Schoner trat 2009 in Gera für die NPD zur Stadtratswahl an und wirkt auch in der bekannten Thüringer NSBM-Band “Totenburg” mit. Über Schoners Label “Hammerbund” veröffentlicht “Stahlfront” Merchandise-Artikel und mehrere CDs.

Aktueller Schlagzeuger von “Stahlfront” ist Paul Morgenstern, ebenfalls eine exponierte Person in der Rechtsrock- und NSBM-Szene. Seine derzeitigen Projekte sind die Nazibands “Blitzkrieg”, “Brainwash”, “Camulos”, “Leichenzug”, “Manson” und bis vor Kurzem die Zwickauer Trash-Metal-Band “Aeveron”. Zudem betreibt er an seinem Wohnsitz in Wilkau-Haßlau bei Zwickau das NSBM-Label “Blasphemous Terror Records”.

Den Bass bei “Stahlfront” spielt Michael Frenzel aus Zwickau. Er ist auch in der NS-Hardcore-Band “Eternal Bleeding” aktiv und war in die Nazistrukturen “Freies Netz” und “Nationale Sozialisten Zwickau” (“NSZ”) eingebunden. Gemeinsam mit den NSZ-Kadern Alexander Schliwka und André Steiniger war Frenzel in den Zweitausender Jahren Teil der NSHC-Band “Diary of a dying nation”.

Der Gitarrist von “Stahlfront”, Björn “W. Dietrich” Eichhorn aus dem Raum Chemnitz, ist neben seiner musikalischen Tätigkeit auch für einen Großteil des NSBM-Konzertgeschehens in Sachsen und Thüringen verantwortlich. Zusammen mit Stev Lippold organisierte er in den Zweitausender Jahren NSBM- und Rechtsrockkonzerte im “Gleis 3” in Annaberg-Buchholz (Sachsen). Mit “Mephistopheles Concerts” war Eichhorn auch für die Organisation des jährlichen Black-Metal-Festivals “Fireblade Force” im sächsischen Lichtenstein bei Zwickau verantwortlich. Dort traten zwischen 2007 und 2009 u.a. die NSBM-Bands “Leichenzug” (Zwickau), “Satanic Warmaster” (Finnland) und “Nachtfalke” (Schneeberg) auf. Unterstützt wurde Eichhorn vom rechten Black-Metal-Magazin “Ablaze”, hinter dem Hendrik Möbus von der Naziband “Absurd” stehen soll. Zum Sicherheitsdienst des Festivals gehörten u.a. die Chemnitzer Nazi-Hooligans und Rechtsrocker Jörg und Kay Richter sowie der im NSU-Prozess angeklagte André Eminger.

Nach 2009 versuchte Eichhorn, unter dem Titel “Fireblade Force” erneut Konzerte durchzuführen. So sollten im Jahr 2013 “Stahlfront” ihren ersten Live-Auftritt absolvieren, doch das Konzert wurde behördlich verboten. Es sollte auf dem Gelände von Klaus Mann in Finowfurt (Brandenburg) stattfinden. Mann war bis vor Kurzem Ansprechpartner der Nazipartei “Die Rechte” in Brandenburg.

Momentan scheint Eichhorn unter einem anderen Namen regelmäßig Nazi-Konzerte zu veranstalten. Angelehnt an die aktuelle Vertriebsstruktur von “Stahlfront” namens “Neuschwabenland Propaganda” nennt sich seine Agentur “Neuschwabenland Konzerte”. Mit Hilfe regionaler Neonazis konnte Eichhorn seit Oktober 2016 bislang sieben Konzerte veranstalten. Einige davon fanden in Ronneburg (Thüringen) in einen Objekt an der Straße An der Galgenmühle statt, andere in einer ehemaligen Diskothek in Aue (Sachsen), die heute als Mietlokal “De Flint” vermarktet wird.

Im Rahmen dieser “Neuschwabenland Konzerte” traten u.a. die auswärtigen NSBM-Bands “Ad Hominem” (Frankreich), “Dark Fury” (Polen), “Blessed in Sin” (Frankreich), “Arkona” (Polen), “White Death” (Finnland) und “Goatmoon” (Finnland) auf. Auch den in Deutschland ansässigen NSBM-Gruppen “Ahnenerbe” (Sachsen-Anhalt), “Artam” (Glauchau, Sachsen), “Blutsturm” (Dresden), “Camulos” (Zwickau/Potsdam), “Heimdalls Wacht” (Nordrhein-Westfalen) und “Runenwacht” (Baden-Württemberg) wurde eine Bühne geboten. Und natürlich spielte auf drei dieser Veranstaltungen “Stahlfront”. Jeweils 200 bis 400 Personen besuchten diese Konzerte. Die Behörden listen sie zwar als Veranstaltungen der rechten Musikszene, doch an den Konzerttagen bleiben die Nazi-Black-Metaller weitgehend unter sich. Um es mit den Worten eines Besuchers von einem dieser Konzerte in Aue auszudrücken: “Irgendwo im Nirgendwo, dafür ohne Stress mit der Staatsmacht und anderem unliebsamen Gesindel”.

Mit Konzerten, Musikern und Fans hat die NSBM-Szene im dünn besiedelten sächsischen Erzgebirge ein festes Standbein, unterstützt durch vorherrschende rechte Sympathien, der Billigung der Behörden und leicht zugängliche Räumlichkeiten. Einzig ein Konzert der Reihe “Hell Unleashed”, die üblicherweise im “Club Seilerstraße” in Zwickau stattfinden, musste im April 2017 aufgrund öffentlichen Drucks verlegt werden. Die Konzertveranstalter konnten auch dabei auf Personen wie etwa Paul Morgenstern setzen, der über jahrelange Erfahrung mit konspirativen Konzerten verfügt. Das Konzert, bei dem u.a. die französische NSBM-Band “Peste Noire” auftreten sollte, fand schließlich in einem Tanzsaal im nahem Culitzsch statt, einem Stadtteil von Paul Morgensterns Wohnort Wilkau-Haßlau.

Im April 2018 soll die NSBM-Band “Stahlfront” auf dem “Hot Shower Fest VII” spielen. Schon 2015 sollte die Band um Björn Eichorn dort auftreten, was aber aufgrund interner Meinungsverschiedenheiten nicht realisiert wurde. Dem Veranstalter war wohl die geforderte Gage zu hoch, und “Stahlfront” selbst waren offenbar nicht begeistert von der Atmosphäre des Festivals vor Ort. So schrieb die Band vor dem geplanten Auftritt: “Wenn man als Veranstalter eine ernsthaft politisch motivierte Gruppe auftreten lassen möchte, dann soll das auch im dazugehörigen Rahmen passieren und nicht beim Saufgelage, wo Hinz und Kunz aus nah und fern einmal im Jahr den Mussolini tanzen lassen und dann wochenlang mit geschienten Arm zu Hause sitzen um eine Schleimbeutelentzündung vom stundenlangen ‚Abhitlern‘ auszukurieren”.

Dieses Statement zeigt nicht nur, wo sich “Stahlfront” verortet, nämlich als explizit neonazistische Band, sondern gibt auch Aufschluss über die Stimmung, die auf dem “Hot Shower Fest” vorherrscht.

Ein unvollständiger Abriss des Konzertgeschehens der Bands “Leichenzug” und “Stahlfront”:

  • 21. August Auftritt von “Leichenzug” im “Gleis 3” in Annaberg-Buchholz (Sachsen), mit “Totenburg” (Thüringen) und “Magog” (Pirna)
  • 9.-10. Oktober 2009 geheimer Auftritt von “Leichenzug” auf dem “Fireblade Force”-Festival in Lichtenstein (Sachsen)
  • 9. Januar 2010 Auftritt von “Leichenzug” im “Gleis 3” in Annaberg-Buchholz (Sachsen), mit “Magog” (Pirna)
  • 15. Juni 2013 Auftritt von “Leichenzug” in Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern), u.a. mit “Adoria” (Bayern)
  • 2. November 2013 erster Auftritt von “Stahlfront” in Finowfurt (Brandenburg), u.a. mit “Leichenzug”, “Sarkrista” (Schleswig-Holstein) und “Forgotten Tomb” (Italien)
  • 20. Februar 2016 Auftritt von “Stahlfront” in Berzy-le-Sec (Frankreich), u.a. mit “Nordglanz” (Raum Frankfurt am Main) und “Baise Ma Hache” (Frankreich)
  • 2. April 2016 Auftritt von “Leichenzug” beim “Hot Shower Fest V” in Mailand (Italien), u.a. mit “Graveland” (Polen) und “Goatmoon” (Finnland)
  • 8. Oktober 2016 Auftritt von “Stahlfront” in Ronneburg (Thüringen), u.a. mit “Artam” (Sachsen) und “Arkona” (Polen)
  • 15. Oktober 2016 Auftritt von “Leichenzug” in Finnland, u.a. mit “Horna” und “Nekrokrist SS” (beide Finnland)
  • 25. März 2017 Auftritt von “Stahlfront” in Aue (Sachsen), u.a. mit “Ahnenerbe” (Sachsen-Anhalt) und “Ad Hominem” (Frankreich)
  • 13. Mai 2017 Auftritt von “Stahlfront” in Aue (Sachsen), u.a. mit “Goatmoon” und “White Death” (beide Finnland)

Paul Morgenstern (im Jahr 2004 beim Angriff auf eine Antifa-Demo in Chemnitz), Michael Frenzel, Björn Eichhorn (beim Nazifestival “Rock für Identität” 2017 in Themar, Foto Recherche Nord)

Mietlokal “De Flint” in Aue (Sachsen)

Nationalsozialistischer Black Metal – der Teufel trägt Flecktarn (Teil 1)

Links “Absurd” im Jahr 2017: Hendrik Möbus, Sebastian Rast und zwei Muisker von “Barad Dûr”. Rechts: Eintrittskarten des “Hot Shower Fest” 2016. Man beachte das Hakenkreuz im oberen Teil.

Um sich vom Black-Metal-Mainstream abzugrenzen und den extrem rechten Bands dieses Genres eine Plattform zu geben, entstand in den Neunziger Jahren das Genre “National Socialist Black Metal”, kurz NSBM. Nur wenige Black-Metal-Bands beziehen sich heute explizit auf den NSBM. Andere wollen nicht in diese Schublade gesteckt werden, selbst wenn sie ausschließlich in diesem Milieu Konzerte geben. Für einige Bands ist das Spiel mit Nazi-Symbolen der Versuch einer Provokation, ein Element innerhalb der Darstellung als möglichst brutale, krasse und nihilistische “Untergrundband”.

Für einen nicht unerheblichen Teil dieser Szene ist es jedoch mehr als ein Spiel mit Symbolen. Vielmehr ist NSBM eine Nische, in der Hitler-Kult ausgelebt und die Verbrechen des NS-Regimes verherrlicht werden können. Die NSBM-Szene ist international bestens vernetzt und zu einem festen Bestandteil der neonazistischen Musiklandschaft geworden. Schon in den Neunzigern war eine Vermischung der Rechtsrockszene mit dem NSBM deutlich sichtbar. Musiker aus klassischen Rechtsrock-Bands fingen an, sich der NSBM-Szene anzunähern und unterhielten oft NS-Black-Metal-Bands als Nebenprojekte.

Für viele Neonazis ist Black Metal – und explizit NSBM – die einzig wahre Spielart, die die Ideen des Nationalsozialismus, die Überlegenheit der “weißen, arischen Rasse” und das eigene Elitebewusstsein musikalisch ausdrücken kann.

Auch weil die Behörden diese Szene völlig unterschätzen, Konzerte oft streng konspirativ veranstaltet werden und die Rolle des NSBM innerhalb einer internationalen, neonazistischen Vernetzung oft nur schleierhaft nachvollziehbar ist, widmen wir uns heute und morgen diesem Milieu.

Absurd – Mörder, Neonazis, Superstars?

Die 1992 in Sondershausen (Thüringen) gegründete Band “Absurd” gehört weltweit zu den einflussreichsten Protagonisten der NSBM-Szene. Die ursprüngliche Besetzung der Band bestand aus Hendrik “Jarl Flagg Nidhögg/JFN” Möbus, Sebastian Förster (geb. Schauseil) und Andreas Kirchner.

Ihren Status als “authentische” Band erreichte “Absurd” und deren Mitglieder nicht nur durch den Mord an einen 15-Jährigen Mitschüler im Jahr 1993, sondern vor allem durch ihr Engagement im Aufbau extrem rechter Strukturen innerhalb der Black-Metal-Szene. So gründete Hendrik Möbus nicht nur die “Deutsche Heidnische Front”, sondern war auch maßgeblich an der Strukturierung der international agierenden NSBM-Organisation “Pagan Front” beteiligt.

Der 1976 geborene Möbus saß für den Mord an Sandro Beyer bis 1998 in Haft, wo er die Band unter dem Namen “In Ketten” weiterführte. Als er nach seiner Entlassung gegen die Bewährungsauflagen verstieß, sollte er erneut in Haft. Dieser entzog er sich, indem er in die USA reiste, wo er u.a. auf der Farm des Neonazis William Pierce Zuflucht fand und dort für dessen “National Alliance” arbeitete. Zuvor hatte Möbus bereits das bis heute von ihm betriebene einflussreiche NSBM-Label “Darker than Black Records” ins Leben gerufen. Seine Produktionen vertrieb er auch über Mirko Hesses Label “Hate Records” in Sachsen. Hesse war nicht nur Kopf der sächsischen “Hammerskins”, sondern auch V-Mann des Verfassungsschutzes.

Im Jahr 2001 wurde Möbus wurde trotz eines Asylantrags an die deutschen Behörden ausgeliefert und kam in Haft. 2003 wurde er erneut zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt.

Während Möbus’ Aufenthalt in den USA und seiner späteren Haft wurde “Absurd” durch seinen Bruder Ronald “Wolf” Möbus geführt, der auch bei der NSBM-Band “Heldentum” mitwirkte. Dazu kam Sven “Unhold” Zimper, der u.a. bei “Luror” und “Wolfsmond” spielte. Zimper betreibt heute in Tangerhütte (Sachsen-Anhalt) das rechte Label “W.T.C. Productions” (“World Terror Committee”) und ist bei der amerikanischen NSBM-Kultband “Grand Belial’s Key” als Sänger für Auftritte in Europa tätig.

Auch Denis Schoner aus Gera (Thüringen), genannt “Herr Rabensang”, saß bei “Absurd” lange Zeit am Schlagzeug. Sein Hauptprojekt ist allerdings die NSBM-Band “Totenburg”. Heute betreibt Schoner vor allem das Label “Hammerbund”. Der ebenfalls aus Gera stammende Jens Fröhlich war bei einigen Konzerten von “Absurd” als Gastsänger tätig. Er war Sänger der NSBM-Bands “Menneskerhat” und “Oigenik”/”Eurgenik”, Kader der “Blood & Honour”-Jugendorganisation “White Youth” in Thüringen und betreibt heute das NSBM-Label “Ewiges Eis Records”.

Bis 2012, als “Absurd” im italienischen Mailand ihren vorerst letzten Auftritt absolvierten, galten Sven Zimper und Ronald Möbus als “das einzig wahre Absurd”. Nach langer Schaffenspause kündigte Hendrik Möbus im Jahr 2017 an, die “Horde Absurd” von nun an selbst weiter zu führen – unter Ausschluss seines Bruders und Zimper.

Ihren ersten Auftritt in neuer Besetzung hatte die Band am 16. Dezember 2017 auf dem “Asgardsrei”-Fest in Kiew (Ukraine). Das Konzert, benannt nach einem Albumtitel von “Absurd”, wurde von bis zu 1500 Neonazis besucht und maßgeblich von der “Militant Zone” organisiert, einem Unterstützernetzwerk des faschistischen Freiwilligenbataillons “AZOW”. Bereits die Veranstaltung im Vorjahr war gut besucht, auch dutzende Neonazis aus Deutschland und Österreich nahmen teil. Hendrik Möbus wurde damals von den Veranstaltern als Ehrengast begrüßt, sein Auftritt mit “Absurd” im Jahr 2017 war also abzusehen.

Neben dem seit mehreren Jahren in Berlin lebenden Hendrik Möbus gehören der Band zur Zeit nicht nur Mitglieder der Thüringer NSBM-Band “Barad Dûr” an, sondern auch Sebastian Rast aus Wuppertal, der sich “Anzuz” nennt und bei “Absurd” die Gitarre spielt. Rast ist in der NSBM-Szene vor allem als Sänger und Gitarrist der Post-Punk-Band “Noxia” bekannt und bewegt sich ideologisch im Feld der “Neuen Rechten”. So schrieb er im Dezember 2017 einen Artikel für die neurechte Zeitschrift “Blaue Narzisse” aus Chemnitz. 2015 hielt er einen Vortrag bei einem Stammtisch der “Identitären Bewegung Westfalen”.

Als Live-Mitglied am Bass gehört auch der griechische Neonazi und “Chrysi Avgi”-Funktionär Thomas Kosmas, der unter dem Pseudonym “Commando Wolf” bekannt ist, zur aktuellen Besetzung von “Absurd”. Er spielte lange Zeit bei der international bekannten griechischen NSBM-Band “Der Stürmer”, betreibt das Label “Totenkopf Propaganda” und den Versandhandel “Frost and Fire” und gibt das Fanzine “Wallachian Tyrant” heraus. “Der Stürmer” ist Teil der “Pagan Front” und trat bereits vor einigen Jahren im Rahmen der “Totentanz Konzerte” in Tschechien auf. Auch an der Organisation dieser Konzertreihe ist Hendrik Möbus maßgeblich beteiligt, zuletzt in Form eines Konzerts mit “Permafrost” (Sachsen-Anhalt), “Noxia” (Nordrhein-Westfalen) und der polnischen Naziband “Selbstmord” im Mai 2017. “Der Stürmer” trat wiederum im Oktober 2017 in den Räumlichkeiten des Motorradclubs “Tanks MC” im sächsischen Erzgebirge auf.

Wie es mit “Absurd” weitergeht, wird sich spätestens 2018 zeigen. Geplant ist bisher ein Auftritt in Mailand (Italien) auf einem der europaweit größten Events der NSBM-Szene, dem “Hot Shower Fest”. Zum siebten Mal wird sich dort Anfang April 2018 die NSBM-Szene treffen, um nicht nur “Absurd”, “Velimor” (Russland) und “Stahlfront” zu sehen, sondern auch gemeinsam einen Abend lang Adolf Hitler mit “Winke Winke” – wie es in Konzertberichten umschrieben wird – zu würdigen.

Auch bei diesem Event hat Möbus seine Finger im Spiel. Gemeinsam mit “Il Colonnello”, dem Sänger der italienischen NSBM-Band “Frangar”, ist Möbus für die Logistik, das Booking und den Kartenvorverkauf zuständig. Über Möbus’ Onlineversand “Merchant of Death”, den er mit seiner Knastbekanntschaft Christian Schöndorfer in Berlin betreibt, wurden schon 2016 die rund 35 Euro teuren Tickets verkauft. Das deutsche NSBM-Fanzine “Ablaze”, für das Möbus schreibt, wird wohl ebenfalls beim diesjährigen “Hot Shower Fest” vertreten sein.

Auch unter dem Gesichtspunkt szeneinterner Streitigkeiten wird man den Werdegang der “neuen Absurd” verfolgen können. So kursierte für den 16. November 2017, als “Absurd” mit Möbus in Kiew auftraten, im Internet eine Ankündigung für ein Konzert von “Absurd” und “Totenburg”. Als Ort wurde “Live im Reich” angegeben. Die Ankündigung erwies sich als Fälschung, die Verfechter der “wahren Horde Absurd” verbreitet hatten.

Ein unvollständiger Abriss des Konzertgeschehens mit “Absurd”:

  • 28. Februar 2004 Auftritt in Abbendorf (Sachsen-Anhalt), u.a. mit “Totenburg” (Gera), “Eternity” (Nordhausen) und “Magog” (Pirna)
  • 11. Juni 2005 Auftritt im Osten der Schweiz, u.a. mit “Menegroth” (Schweiz), “Blessed in Sin” (Frankreich) und “Eschenberg” (Schweiz)
  • 1. Juli 2006 Auftritt in New York, u.a. mit “Grand Belial’s Key” (USA)
  • 25. August 2007 Auftritt in Rumänien, u.a. mit “Temnozer” (Russland)
  • 1. Februar 2008 Auftritt in Tampere (Finnland) mit “Satanic Warmaster” (Finnland) und “Der Stürmer” (Griechenland)
  • 7. Juni 2008 Auftritt in Belgien, u.a. mit “Der Stürmer” (Griechenland)
  • 6. März 2010 Auftritt in Italien, u.a. mit “Frangar” (Italien)
  • 20. Oktober 2012 Auftritt in Mailand (Italien) mit “Frangar” (Italien)
  • 16. Dezember 2017 Auftritt in Kiew (Ukraine), u.a. mit “Goatmoon” (Finnland), “Peste Noire” (Frankreich) und “Naer Mataron” (Griechenland)

Mehr dazu:

Hendrik Möbus, Sebastian Förster (geb. Schauseil), Ronald Möbus, Sven Zimper

Denis Schoner, Jens Fröhlich, Sebastian Rast, Thomas Kosmas

Hendrik Möbus, “Il Colonnello” und Christian Schöndorfer (Foto fightfascism.wordpress.com)

Neonazis als Liedermacher – gewollt, aber nicht gekonnt

Tommy Brandau (“Klampfe”), Enrico Hager (“RAC’n’Roll Teufel”, “Schratt”), Sebastian Döhring (“Fylgien”), Mirko Szydlowski (“Barny”), Steven Arndt (“Hermunduren”)

Mit weniger Aufwand als Rechtsrockkonzerte, aber ebenso starker Propagandawirkung gehören neonazistische Liedermacher-Abende zum festen Bestandteil der rechten Erlebniswelt. Ob als “Einheizer” im Vorprogramm eines Konzerts, als Ausklang einer Redner- oder Vortragsveranstaltung oder als musikalische Darbietung auf einem Kameradschaftsabend: Neonazis als Liedermacher sind kein Relikt aus den Neunzigern, sondern stellen auch heute noch ein wichtiges Genre innerhalb der rechten Musikszene dar. Ihre Musik wirkt oft melancholisch und romantisch und kann dadurch weitaus mehr Menschen erreichen als es klassischer Rechtsrock vermag. Die meisten Texte unterscheiden sich allerdings kaum von denen herkömmlichen Rechtsrock-Bands, in Teilen sind sie gar unmissverständlicher. Und meist auch einprägsamer – ein gemeinschaftliches Gefühl kann so schneller entstehen als auf einem Rechtsrock-Konzert, wo man die Songs der Bands vorher mehrmals gehört haben muss, um mitgrölen zu können.

Im Folgenden stellen wir vier rechte Liedermacher vor, die exemplarisch für diesen Teil der rechten Musikwelt stehen.

Mirko Szydlowski alias “Barny”

Der 1982 geborene und in der Nähe von Chemnitz wohnhafte Neonazi und Liedermacher Mirko Szydlowski ist uns bereits als Musiker mehrerer Rechtsrock-Bands bekannt. Seine musikalische “Karriere” begann er als Gitarrist bei der Jenaer Band “Blutstahl” um Sänger Sebastian Färber. Es folgten Bands wie “Treueschwur” und “Donars Groll”. Szydlowski war darüber hinaus als Live-Mitglied bei “Frontalkraft” (Cottbus) und “Division Germania” (Nordrhein-Westfalen) zu finden. Auch bei der schwedischen Naziband “Einhärjarna” wirkt der fließend schwedisch sprechende Szydlowski mit. In seiner Geburtsstadt Jena war Szydlowski Teil der Kameradschaftsszene um den “Thüringer Heimatschutz” und pflegte beste Kontakte zu dem im NSU-Prozess angeklagten Ralf Wohlleben. Mit seinem Umzug in den Raum Chemnitz fand man ihn erneut in denjenigen ehemaligen “Blood & Honour”-Strukturen, die den NSU infrastrukturell, logistisch und finanziell unterstützt hatten.

Die Rolle Szydlowskis im NSU-Unterstützerumfeld scheint weit unterschätzt, denn er hatte sowohl engeren Kontakt zur “Wiege” der Rechtsterroristen des “Nationalsozialistischen Untergrund” in Jena als auch zu dem Kreis in Chemnitz, der die abgetauchten Neonazis Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe auf ihrer Flucht maßgeblich mit Papieren, Wohnungen, Geld und Waffen versorgte. Szydlowskis Wirken in der Naziband “Blutstahl” ist in diesem Zusammenhang erwähnenswert, denn die Band aus dem “Blood & Honour”-Netzwerk besang schon früh den bewaffneten Kampf. Auf einem Konzert in Österreich spielten “Blutstahl” etwa das Lied “Waffen für alle” von “Landser”, in dem es heißt: “Oder stellt euch mal vor, eines Tages überfällt uns ein Millionenherr Hungernder aus der dritten Welt. Wie wollt ihr sie aufhalten mit euren Argumenten? Wäre es da nicht besser mit Flinten in den Händen? Und hat das gute Zureden einfach keinen Zweck, dann hol ich meine Bazooka und blas’ sie alle weg. Waffen für alle! Waffen für alle!”

Dass Szydlowski unter den Zuschauern war, die Ralf Wohlleben 2015 im Gerichtssaal in München zum 40. Geburtstag gratulierten, verwundert unter diesen Umständen nicht. Wohlleben hatte dem NSU die Waffe besorgt, mit der zwischen 2000 und 2007 zehn Migranten und eine Polizistin ermordet wurden. Im März 2012 war Szydlowski als Liedermacher “Barny” für ein Konzert in Saalfeld angekündigt, dessen Einnahmen Ralf Wohlleben zugute kommen sollten.

Eine unvollständiger Abriss des Konzertgeschehens von “Barny”:

  • 28. September 2013 Auftritt von “Barny & Alexandra” beim “Ian Stuart Donaldson Memorial”-Konzert in Schweden, u.a. mit “Division Germania” (Nordrhein-Westfalen), organisiert von den “Hammerskins Schweden”
  • 3. Mai 2014 Auftritt von “Barny” in Torgau, Ortsteil Staupitz (Sachsen), u.a. mit “Blackout” (Großbritannien) und “Legion of Thor” (Berlin)
  • 27. September 2014 Auftritt von “Barny” beim “Ian Stuart Donaldson Memorial”-Konzert in Schweden, u.a. mit “Die Lunikoff Verschwörung” (Berlin) und “Frontalkraft” (Cottbus)
  • 4. April 2015 Auftritt von “Barny” in Deutschland, u.a. mit Liedermacher “Brad” von der englischen “Blood & Honour”-Band “Brutal Attack”
  • 2. April 2016 Auftritt von “Barny” auf einem Balladenabend in der Nähe von Stockholm (Schweden), u.a. mit “Varghona” (Deutschland) und “Rommel” (Sachsen), organisiert von den “Hammerskins Schweden”
  • 11. November 2017 Auftritt von “Barny” in Slowenien, u.a. mit “Ken & Brad” von der Naziband “Brutal Attack” (England) im Rahmen einer Solidaritätsveranstaltung für inhaftierte Neonazis, organisiert von “Blood & Honour Slovenia”

Marcel Herse alias “Marci”

Der 1983 in Anklam (Mecklenburg-Vorpommern) geborene Herse war bisher nur unter dem Spitzname “Marci” als Sänger der seit mindestens 2009 aktiven Berliner Naziband “Tätervolk”, bekannt. Die Naziband tritt auch unter dem Namen “Marci & Kapelle”, “TV” und “Totalverlust” auf. Marcel Herse ist dabei das einzig konstante Mitglied. Für Auftritte von “Tätervolk” leiht er sich befreundete Musiker, etwa Sebastian Schmidt aus Neubrandenburg (Mecklenburg-Vorpommern) oder Maik Wassilick. Letzterer spielt sonst bei der Brandenburger Naziband “Frontfeuer” den Bass.

Seine musikalische Laufbahn begann Herse als Liedermacher. Er lebte lange Zeit in Berlin, wohnt nun seit 2015 im Landkreis Märkisch-Oderland und ist weiterhin als Liedermacher “Marci” bundesweit unterwegs. Er ist zudem Vollmitglied der 1982 gegründeten Berliner Nazibruderschaft “Vandalen – Ariogermanische Kampfgemeinschaft”, die ein wichtiger Akteur im internationalen Rechtsrockgeschehen ist. Führungsperson und Aushängeschild der “Vandalen” ist Michael “Lunikoff” Regener.

Marcel Herse arbeitet als Zimmermann und Dachdecker, etwa für die Firma “Holz- und Bautenschutz Semrock” in Anklam (Mecklenburg-Vorpommern), die von dem Neonazi Jens “Semmel” Semrock betrieben wird. In “Marcis” Musik, sei es als Liedermacher oder als Sänger von “Tätervolk”, widmet er sich klassisch neonazistischen Themen, die sich gegen politische Gegner und Geflüchtete richten. Sein Lied “Rock gegen Überfremdung” kann als als Stichwortgeber für die gleichnamige Konzertreihe in Thüringen gelten, deren zweite Veranstaltung in Themar (Thüringen) im Juli 2017 knapp 6000 Neonazis anzog.

Eine unvollständiger Abriss des Konzertgeschehens von “Marci”, bzw. “Tätervolk”:

  • 2. April 2011 Auftritt von “Marci & Kapelle” in Riesa (Sachsen), u.a. mit “Exzess” (Brandenburg), auf einem Konzert beim “Deutsche Stimme Verlag” der NPD
  • 5. Mai 2012 Auftritt von “Tätervolk” auf dem Nazi-Open-Air “Eichsfeldtag” in Thüringen, u.a. mit “Sturmtrupp” (Bayern) und “Die Lunikoff Verschwörung” (Berlin)
  • 19. April 2014 Auftritt von “Tätervolk” im elsässischen Oltingue (Frankreich), u.a. mit “Sniper” (Finnland) und “Blue Eyed Devils” (USA), organisiert von “Blood & Honour”. Die Gelder sollten der Unterstützung der im “Ballstädt-Prozess” angeklagten Thüringer Neonazis dienen.
  • 17. Januar 2015 Auftritt von “Tätervolk” in Kirchheim (Thüringen), u.a. mit “Frontfeuer” (Beeskow) und “Killuminati”
  • 13. August 2016 Auftritt von Liedermacher “Marci” in Eisenach (Thüringen), u.a. mit “Toitonicus” (Rathenow), “FreilichFrei” (Zwickau) und “Hermunduren” (Eisenach)
  • 20. August 2016 Auftritt von “Tätervolk” beim “Rock gegen Überfremdung” im Kirchheim (Thüringen), u.a. mit “Uwocaust” (Potsdam) und “Die Lunikoff Verschwörung” (Berlin)

Maik Krüger alias “FreilichFrei”

Seit 2014 tritt der in Zwickau (Sachsen) wohnhafte Neonazi Maik Krüger als Liedermacher “Freilich Frei” auf, oft als musikalische Begleitung rechter Parteiveranstaltungen. Krüger selbst nimmt regelmäßig an Aufmärchen teil, etwa am 1. Mai 2015 an einer Kundgebung der NPD in Berlin-Hohenschönhausen. Er erlangte 2015 mediale Aufmerksamkeit, als sein Album “Ehrbarer Kämpfe – Mein Volk hasst unsere Freiheit” im Rahmen einer bundesweiten Durchsuchung beschlagnahmt wurde. Bei den Razzien wurde 400 Exemplare der CD sichergestellt. Krüger hatte das Album im Jahr 2014 beim bayrischen Nazilabel “Oldschool Records”, betrieben von Benjamin Einsiedler, veröffentlich.

Grund für die Durchsuchung war das auf dem Album veröffentlichte Lied “Das Haus wird abgerissen”. Doppeldeutig richtet sich Krüger darin an die Oberbürgermeisterin von Zwickau, nachdem diese veranlasst hatte, den letzten Unterschlupf des NSU in Zwickau abzureißen – das von Beate Zschäpe in Brand gesteckte Haus in der Frühlingsstraße. Diese Entscheidung war aufgrund der Sorge erfolgt, das Haus könne zum Wallfahrtsort der rechten Szene werden. Krüger kommentiert das mit den Textzeilen: “Und wir huldigten ihr, der hübschen Nazimaus […] Die Frau und die beiden Männer, die ich selbstzensierenderweise nicht nennen darf, obwohl sie super zusammen passende Namen haben, sind die größten unserer Zunft. Sie waren die allerschlimmsten Floristen, und das ist gut für uns.” Das Amtsgericht Zwickau konnte im Oktober 2016 nicht ausschließen, dass die Liedzeilen, die das Terrornetzwerk NSU verherrlichen und seine Opfer verhöhnen, satirisch gemeint sind, und sprach Krüger vom Vorwurf der Billigung von Straftaten frei. Die Staatsanwaltschaft Zwickau hat Berufung gegen das Urteil eingelegt.

Im persönlichen Umfeld von Maik Krüger betätigt sich auch der weniger bekannte Liedermacher “Sturmsoldat”. Hinter dem Pseudonym verbirgt sich der ebenfalls in Zwickau wohnhafte David Schauseil. Krüger und Schauseil machen schon länger zusammen Musik: Im Duett covern sie bekannte Rechtsrock-Songs und veröffentlichten diese als Videos.

Eine unvollständiger Abriss des Konzertgeschehens von “FreilichFrei”:

  • 31. Mai 2014 Auftritt von “FreilichFrei” in der “Kammwegklause” in Erfurt (Thüringen), u.a. mit “Toitonicus” (Brandenburg)
  • 1. November 2014 Auftritt von “FreilichFrei” in Eisenach (Thüringen), u.a. mit “Hermunduren” (Eisenach)
  • 28. Februar 2015 Auftritt von “FreilichFrei” in Werdau (Sachsen), u.a. mit “Diggi & Klampfe” (Thüringen), auf einer Solidaritätsveranstaltung für den Wittenberger Liedermacher Mario Albrecht alias “Oiram”
  • 1. Mai 2015 Auftritt von “FreilichFrei” in Berlin auf einer Veranstaltung der NPD, die an jenem Tag ebenfalls eine Kundgebung in Berlin-Hohenschönhausen abhielt
  • 22. August 2015 Auftritt von “FreilichFrei” beim “Sommerfest” des NPD-Landesverbands Sachsen, zusammen mit “Aria S” (Ariane Moses, Bautzen)
  • 26. November 2016 Auftritt von “FreilichFrei” in der Nähe von Plauen (Sachsen) im Rahmen einer Veranstaltung der neonazistischen “Gefangenenhilfe”
  • 4. März 2017 Auftritt von “FreilichFrei” in Berlin, zusammen mit dem Liedermacher “Fremd im eigenen Land” (Mecklenburg-Vorpommern)
  • 27. Mai 2017 Auftritt von “FreilichFrei” in Gränitz (Sachsen), u.a. mit “Fremd im eigenen Land” und “Makss Damage” (Nordrhein-Westfalen). Das Konzert war im sächsischen Ostrau geplant, wo es aber behördlich verboten wurde und man deshalb nach Gränitz auswich.

David Allan Surette alias “Griffin”

Mit seiner unverkennbaren rauchigen, tiefen Stimme war der aus Kanada stammende Surette bereits in den Neunzigern im rechten Konzertgeschehen international gefragt. Seine musikalische Laufbahn begann bei der kanadischen Naziband “Aryan”, die 1998 in “Stonehammer” umbenannt wurde. Vor einigen Jahren zog der Neonazi an den Stadtrand von Berlin. Zur Zeit ist er als Liedermacher “Griffin” mit Gitarre und Dudelsack international anzutreffen, wie auch als Sänger von “Stonehammer”.

Darüber hinaus wirkt Surette in der “Skrewdriver”-Tributeband “Skrew You” mit, der Neonazimusiker aus ganz Europa angehören. Im Jahr 2017 war Surette zudem als Gastsänger bei “Romantikus Erőszak” aus Ungarn tätig, die zur Aufnahme ihre Single “Europe belongs to me” Sänger von Nazibands aus ganz Europa einluden, darunter auch Hannes Ostendorf, Mitglied der Nazibands “Kategorie C” und “Nahkampf” (beide Bremen).

David Allan Surette ist unter dem Namen “Mad Piper” als Wandertätowierer tätig und unterhielt für kurze Zeit ein eigenes Tattoostudio in Berlin. Schon Ende der Neunziger Jahre war er etwa bei “Utgard Tattoo” in Berlin als Gasttätowierer anzutreffen. “Utgard Tattoo” wird bis heute von Frank Lutz betrieben, der maßgeblich am Aufbau der Neonazi-Partei “Nationale Alternative” in Berlin mitwirkte. In den letzten Jahren tätowierte Surette auch beim Tattoostudio “Rockin‘ Ace” des Neonazis Thomas Maurer in Dingolfing (Bayern).

Surette ist Mitglied der Berliner Neonazi-Bruderschaft “Vandalen – Ariogermanische Kampfgemeinschaft”. Dort war er bereits in den Neunzigern Ehrenmitglied. Surettes Bedeutung innerhalb dieses Zusammenhangs rührt vor allem daher, dass er nicht nur für “Landser”-CDs Zeichnungen entwarf und bis heute Comics für deren Nachfolgeband “Die Lunikoff Verschwörung” zeichnet, sondern auch eine der Kontaktpersonen von “Landser” nach Toronto (Kanada) war. Surette besuchte die Naziband um Michael “Lunikoff” Regener während ihres Studioaufenthalts zur CD “Deutsche Wut – Rock gegen Oben” in Minneapolis (USA) 1998. Im Mai 2001 planten die Musiker von “Landser” nach Toronto zu reisen, um auf Surettes Geburtstagsfeier zu spielen und eine Split-CD mit “Aryan”/”Stonehammer” aufzunehmen. Dieses Projekt scheiterte jedoch, da die kanadischen Behörden dem Schlagzeuger Christian Wendorff die Einreise verweigerten. Ähnlich wie Surette ist auch der ehemalige “Landser”-Sänger Regener unter dem Namen “Luni” als Liedermacher aktiv und geht jährlich auf Balladen-Tour durch Deutschland.

Eine unvollständiger Abriss des Konzertgeschehens von “Griffin”:

  • 13. Juli 1996 Auftritt von “Aryan” in Pasewalk (Mecklenburg-Vorpommern), u.a. mit “Brutal Attack” (England), organisiert von “Blood & Honour – Sektion Berlin”
  • 31. Mai 1997 Auftritt von “Aryan” in der Nähe von Pasewalk (Mecklenburg-Vorpommern), u.a. mit “Bound for Glory” (USA)
  • 8. Oktober 2011 Auftritt von “Griffin” beim “Ian Stuart Donaldson Memorial” in Kiew (Ukraine), u.a. mit “Vinland Warriors” (Kanada) und “Sokyra Peruna” (Ukraine)
  • 20. September 2013 Auftritt von “Skrew You” in Charkiw (Ukraine) auf dem “Ian Stuart Donaldson Memorial”, u.a. mit “Die Lunikoff Verschwörung” (Berlin) und “Warlord” (Großbritannien)
  • 13. Juni 2015 Auftritt von “Stonehammer” beim “Eichsfeldtag” der NPD in Leinefelde (Thüringen), u.a. mit “Die Lunikoff Verschwörung” (Berlin)
  • 8. Juli 2015 Auftritt von “Griffin” in Portugal, u.a. mit “Faustrecht” (Allgäu) und “Parabellum” (Italien), organisiert von “Blood & Honour Portugal”
  • 23. September 2016 geplanter Auftritt von “Griffin” in England zum “Ian Stuart Donaldson Memorial”-Konzert, organisiert von “Blood & Honour England”. “Griffin” wurde allerdings die Einreise verwehrt.
  • 10. Dezember 2016 Auftritt von “Griffin” in Kirchheim (Thüringen), u.a. mit “Lunikoff” (Berlin) und “Liedermacher Tobias” (Tobias Winter, Thüringen)
  • 10. Februar 2017 Auftritt von “Griffin” in Budapest (Ungarn) im Rahmen des “Tag der Ehre”, u.a. mit “Rommel” (Sachsen) und “Battleshout” (Russland)
  • 7. Oktober 2017 Auftritt von “Stonehammer” in Bad Wurzach (Baden-Württemberg), u.a. mit “Faustrecht” (Allgäu) und “Kodex Frei” (Bayern). Bei dem Konzert handelte es sich um die 15-Jahr-Feier der Nazi-Kameradschaft “Voice of Anger”.

Und sonst so?

Natürlich gibt es bundesweit Dutzende weitere Liedermacher. Es folgt ein kleiner Überblick zu ausgewählten weiteren, weniger bekannten Nazi-Liedermachern.

Thomas Lange alias “Toitonicus”

Lange kommt aus dem brandenburgischen Rathenow, wo er als Liedermacher auf einer der wöchentlich stattfindenden Kundgebungen des rechten “Bürgerbündnis Havelland e.V.” auftrat. Im Sommer 2017 erlangte Bekanntheit, als er der Sendung “Jäger & Sammler” (ARD, ZDF) auf dem Rechtsrock-Festival “Rock gegen Überfremdung II” ein Interview gab. Dort sagte er u.a.: “Ich bin bekennender Nationalsozialist und für mich sind alle Völker […] Also die Völker müssen bei ihren Völkern bleiben.” Thomas Lange ist darüber hinaus Mitglied der Nazibruderschaft “Blood Brother Nation”.

Sebastian Döhring alias “Fylgien”

Der 1980 geborene Döhring ist seit mehr als zehn Jahren als Liedermacher aktiv. Im Jahr 2011 kandidierte er in Berlin für die NPD. Vor Kurzem zog Döhring in die brandenburgische Kleinstadt Templin, wo er auch seinen Versandhandel “Fylgien-Versand” betreibt. Neben Merchandiseartikeln und CDs findet man dort auch Kleidung der “Wotan Jugend – Sektion Germania”, dessen “Sektionsleiter” Döhring zu sein scheint. Die Gruppe ist eine Unterstützergruppe des faschistischen ukrainischen Freiwilligenbataillons “AZOW”. So überrascht es nicht, dass Döhring mindestens zwei Mal in Osteuropa aufgetreten ist: Einmal im Rahmen eines Konzertes der “Wotanjugend” in Russland, das andere Mal bei einem Konzert der “Misantrophic Division” in der Ukraine.

Tobias Winter alias “Bienenmann” bzw. Liedermacher “Tobias”

Recht unscheinbar und oftmals ohne Ankündigung ist der 1986 geborene Thüringer Tobias Winter seit einigen Jahren als Liedermacher “Tobias” unterwegs. Manchmal wird er auch als “Bienenmann” vorgestellt. Vorrangig hat es ihm das internationale “Blood & Honour”-Netzwerk angetan, auf deren Konzerten er regelmäßig auftritt. Etwa in den Jahren 2014 und 2015 zum “Tag der Ehre” in Ungarn oder auf dem “Ian Stuart Donaldson Memorial” in Großbritannien 2014. Auch Parteiveranstaltungen wie den “JN-Bundeskongress” 2014 begleitet er musikalisch.

Politisiert wurde Winter im Kreis des Neonazi-Netzwerks “Freies Netz” in Jena und Kahla. Seine musikalische Karriere und die damit verbundenen Kontakte verdankt er auch dem Jenaer Neonazi und Liedermacher Mirko “Barny” Szydlowski.

Mario Albrecht alias “Oiram”

Der Wittenberger, der auch in den rechten Musikprojekten “Freidenker” und “Feuerbefehl” mitwirkt, kann dem alten “Blood & Honour”-Spektrum zugerechnet werden. Er trat u.a. auf Veranstaltungen der Kameradschaft “Brigade Halle/Saale” und auf Clubfeiern der Nazibruderschaft “Brigade 8” in ihren Räumen in Weißwasser (Sachsen) auf. Albrecht ist ebenfalls Mitglied der Bruderschaft “Brigade 8”, die sich aus eher älteren Neonazis zusammensetzt.

Mario Graviat alias “Brauni”

Wie “Oiram” ist auch Mario Graviat Mitglied der Nazibruderschaft “Brigade 8” und tritt regelmäßig auf deren Feierlichkeiten auf. Beruflich ist der Neonazi in Hallstadt (Bayern) unter dem Künstlernamen “MaGra Fotografie” tätig. Davor arbeitete er selbstständig als “MaGra Grafik-Design” in Nürnberg.

Toni Belz und Patrik Killat alias “A3stus”

“A3stus” zählt zur Sparte “gewollt aber nicht gekonnt” und produziert demenstprechend schlechte Musik. Dennoch – oder gerade deshalb – schaffte es die Gruppe, den “Bärgida”- und “Merkel muss weg”-Aufmärschen in Berlin als musikalische Begleitung zu dienen. Dafür war offenbar vor allem der der heute 37-jährige Berliner Patrick Killat ausschlaggebend, der mit seinem “Rap”-Projekt “Villain 051” schon als Animateur bei ähnlichen Veranstaltungen auftrat. Gegen Killat, Belz und eine andere Person, die dem Projekt “A3stus” angehört, wurde im Zusammenhang mit einer 2014 veröffentlichten CD ermittelt und wegen Volksverhetzung Anklage erhoben. Während der nahe Berlin lebende Belz mit einer Geldstrafe davon kam, wurde Killat im Dezember 2017 zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Patrick Killat und Toni Belz gehören außerdem der Nazibruderschaft “Barnimer Freundschaft” an, die sowohl auf dem Rechtsrock-Konzert “Rocktoberfest” im Oktober 2016 in Unterwasser (Schweiz) als auch beim “Rock gegen Überfremdung II” in Themar (Thüringen) im Juli 2017 in die Security- und Ordnerstruktur eingebunden war. Belz tritt auch Solo als Liedermacher “Son of the Wind”. Früher nannte er sich “Recht auf Wahrheit” (“RAW”).

Mehr dazu:

Links Mirko Szydlowski beim NSU-Prozess in München 2015 (Foto tagesspiegel.de), rechts Marcel Herse (“Marci”)

Links David Allan Surette (“Griffin”), Joel Howitzer von der Naziband “Bound for Glory” und Michael Regener (“Lunikoff”, “Landser”) in den Neunziger Jahren, rechts David Allan Surette heute

David Schauseil (“Sturmsoldat”), Maik Krüger (“FreilichFrei”), Thomas Lange (“Toitonicus”), Sebastian Döhring (“Fylgien”)

Tobias Winter (“Bienenmann”), Mario Albrecht (“Oiram”), Mario Graviat (“Brauni”)

Toni Belz (links) und Patrick Killat (rechts) beim “Rock gegen Überfremdung II” am 15. Juli 2017 in Themar (Foto Recherche Nord)

Killuminati – Nazis auf der Suche nach dem wahren Übel

Nazi-Band “Killuminati”: Patrick Blumenschein, Michél Sajovitz, Ron Penz, Steven Arndt

“Wir sind Sklaven dieser geheimen Macht und der Volkstod, er kommt schleichend über Nacht. Wir sind Sklaven dieser Machenschaft. Illuminaten, Weltbrandstifter, einfach ekelhaft.” – wer den Namen dieser Naziband für einen Zufall hielt, wird mit diesen Textzeilen eines besseren belehrt. Der Hass auf Juden, die Rede vom “Weltvergifter”, “wahren Übel” und “Völkerfeind”, der “die Fäden zieht”, ist bei “Killuminati” Programm. In einem Interview fügt der Sänger hinzu, dass “das Finanzsystem den wahren Feind” darstelle “und eben nicht ein paar wildgewordene Salafisten und Glaubenskrieger in diesem Land”. PEGIDA und andere rassistische Bewegungen würden lediglich “den Sprössling einer Unkrautpflanze” abschneiden, die Musiker hingegen wollen die eingebildete jüdische Weltverschwörung an der Wurzel packen.

Das “Jetzt sind wir da” betitelte Erstlingswerk der Rechtsrock-Band erschien im Jahr 2014 beim Nazilabel “OPOS Records”, ein Jahr später folgte der erste Liveauftritt. Die Mitglieder der Gruppe sind jedoch schon seit Jahren in der neonazistischen Musikszene aktiv. Die Texte von “Killuminati” singt Steven Arndt aus Eisenach. Arndt ist auch Sänger und Gitarrist der Thüringer Naziband “Hermunduren” und zählt zur “Crew 38”, einer Vorfeldorganisation des weltweiten Neonazi-Netzwerks “Hammerskins”.

Der antisemitischen Rechtsrock-Gruppe gehört auch Ron Penz aus dem sächsischen Flöha an, der bereits von den Nazibands “Endless Struggle”, “Heiliges Reich”, “Kraftschlag”, “Moiler”, “Permafrost” und “Sköll Dagaz” bekannt ist. Penz, der mehrere Instrumente beherrscht, spielt hier das Schlagzeug. Sein langjähriger Bekannter Michél Sajovitz steht bei “Killuminati” am Bass.

Der Gitarrist von “Killuminati” heißt Patrick Blumenschein und ist unter dem Pseudonym “Resistentia” auch als rechter Liedermacher aktiv. Blumenschein machte am 1. Mai 2016 Schlagzeilen, als er auf einem Aufmarsch der Nazipartei “III. Weg” in Plauen (Sachsen) eine Gegendemonstrantin angriff.

Ein unvollständiger Abriss des Konzertgeschehens, an dem die oben genannten Musiker mitwirkten:

  • 29. Juni 2013 Auftritt von “Resistentia” beim Sommerfest der sächsischen NPD-Fraktion, mit Frank Rennicke
  • 31. Dezember 2013 Auftritt von “Resistentia” in der “Kammwegklause” in Erfurt
  • 25. Januar 2014 Auftritt von “Hermunduren” in Österreich, u.a. mit “Brainwash” (Dresden) und “Exzess” (Brandenburg)
  • 9. August 2014 Auftritt von “Resistentia” beim Nazi-Open-Air “In Bewegung” in Berga (Thüringen), u.a. mit “Die Lunikoff Verschwörung” (Berlin) und “Sachsenblut”
  • 17. Januar 2015 Auftritt von “Killuminati” in Kirchheim (Thüringen), u.a. mit “Tätervolk” (Berlin) und “Thematik 25” (Leipzig)
  • 21. Februar 2015 Auftritt von “Killuminati” beim “Oi! Tattoo Fest 2015” in Nordfrankreich, u.a. mit “Path of Resistance” (Rostock)
  • 23. Mai 2015 Auftritt von “Killuminati” beim “Rock für Meinungsfreiheit” (alias “Live H8 III”) in Hildburghausen, u.a. mit “Sleipnir” (Nordrhein-Westfalen) und “Faust”
  • 7. November 2015 Auftritt von “Hermunduren” im NPD-Büro “Flieder Volkshaus” in Eisenach, u.a. mit “Fylgien” (Berlin), “Barny” (Raum Chemnitz) und “RAC’n’Roll Teufel” (Zwickau)
  • 17. September 2016 Auftritt von “Killuminati” in Kloster Veßra (Thüringen), zusammen mit “Unbeliebte Jungs”
  • 28. Mai 2016 Auftritt von “Killuminati” in Süddeutschland, u.a. mit “Kraftschlag”, organisiert von “Front Records”
  • 8. Oktober 2016 Auftritt von “Killuminati” beim “Joe Rowan Memorial” in Kirchheim (Thüringen), u.a. mit “Sniper” und “D.S.T.” (Berlin), organisiert von den “Hammerskins”

Bataillon 500 – zurück aus dem Untergrund

Marten Geron, Ronny Lumaschi, Ronny Zick, Split-CD von “Nordmacht” und “Bataillon 500”

“Nachdem man letztes Jahr schon mit der ‚Heldenopfer‘ für Aufsehen sorgte, folgt nun hier mit ‚Standhaft und Treu‘ das neue Bekenntnis zu Volk, Heimat & Reich!” So rezensierte “PC Records” aus Chemnitz, eines der führenden Rechtsrock-Labels Europas, die neueste, im Jahr 2017 bei “Front Records” erschienene Produktion der Rostocker Naziband “Bataillon 500”.

Obwohl die vier Rechtsrocker fast jährlich auf eine CD-Veröffentlichung blicken können, hat “Bataillon 500” in den letzten Jahren nicht am Konzertgeschehen der Neonazi-Szene teilgenommen. Für 2018 taucht die Naziband jedoch im angekündigten musikalischen Rahmenprogramm des zweitägigen Rechtsrock-Spektakels “Schild und Schwert” auf. Als Koordinator des Neonazi-Festivals tritt Thorsten Heise aus Northeim auf, der maßgeblich bei der “Kameradschaft Northeim” mitwirkt, Führungsperson der Nazi-Bruderschaft “Arische Bruderschaft” ist und darüber hinaus an das internationale “Blood & Honour”-Netzwerk samt deren bewaffnetem Arm “Combat 18” angebunden ist. Auch die Bandauswahl des Festivals, welches nach bisherigem Stand am 20. und 21. April 2018 auf dem Gelände des Hotels “Neißeblick” in Ostritz (Landkreis Görlitz, Sachsen) stattfinden wird, deutet auf das “Blood & Honour”-Milieu. “Oidoxie” aus Dortmund, “Die Liebenfels Kapelle” und die Schweizer Naziband “Amok” sind seit den Neunziger Jahren als “Blood & Honour”-Bands bekannt.

Grund genug, uns die um 1999 gegründete Band “Bataillon 500” einmal näher anzuschauen, denn auch sie entstammt personell “Blood & Honour”. Allen voran ihr Sänger Ronny Zick, zu dessen engstem Umfeld führende Personen aus der “Blood & Honour Sektion Mecklenburg” gehören. Vor allem Anke “Zappi” Zapf und Musiker der Rostocker Naziband “Nordmacht” galten als Aushängeschilder dieser Sektion. Bundesweit war der “B&H”-Ableger neben der sächsischen Sektion führend beim Organisieren großer Rechtsrock-Konzerte. Gemeinsam mit “Nordmacht” veröffentlichte “Bataillon 500” eine konspirativ produzierte CD, die aus Live-Mitschnitten eines gemeinsamen Konzerts der beiden Nazibands besteht. Während “Nordmacht” vorrangig Lieder der als kriminellen Vereinigung verbotenen Naziband “Landser” coverte, finden sich im Repertoire von “Bataillon 500” Titel wie “Blut und Ehre”, “Der Führer” und “Hißt die Alten Fahnen”. Solch klar neonazistischen Lieder verwundern nicht, schließlich bezieht sich der Name “Bataillon 500” auf das SS-Fallschirmjäger-Bataillon 500. Diese Sonderheit der SS wurde vorrangig für die Zerschlagung des bewaffneten Widerstands gegen das NS-Regime eingesetzt, u.a. in Jugoslawien.

In den letzten Jahren nahm Ronny Zick immer wieder an Nazi-Aufmärschen teil, so etwa 2015 bei MVGIDA, dem Mecklenburger PEGIDA-Ableger. Auf der 2012 bei “Front Records” erschienenen “Nordmacht”-CD “Erwacht” wirkte Zick als Gastsänger mit.

Auch der 1980 geborene, in Rostock wohnhafte und als Zimmermann arbeitende Marten Geron ist Teil von “Bataillon 500”. Wie Sänger Zick war Geron in den Neunzigern im “Blood & Honour”-Netzwerk aktiv und soll auch bei der Naziband “Nordmacht” gespielt haben. Auch auf Naziaufmärschen war Geron schon Mitte der Neunziger anzutreffen, etwa 1995 beim “Hess-Gedenkmarsch” im dänischen Roskilde.

Des weiteren wirkt der 1978 geborene Rostocker Ronny Lumaschi bei “Bataillon 500” mit, zudem der ebenfalls in Rostock wohnhafte Maik Benthin, Jahrgang 1981.

“Bataillon 500” ist in den vergangenen Jahren zwar nicht durch Auftritte aufgefallen, doch ihr Status in der rechten Szene, vor allem bei in den Neunzigern sozialisierten Neonazis, ist ungebrochen. Sie gelten als authentische “Untergrundband”, sind international bekannt und werden auch aufgrund ihrer persönlichen Anbindung an das im Jahr 2000 in Deutschland verbotene “Blood & Honour”-Netzwerk auf dem “Schild und Schwert Festival” 2018 Grund für eine hohe Zuschauerzahl sein.

Aufgrund der bereits mehrfach erwähnten Öde im rechten Konzertgeschehen bleibt allerdings abzuwarten, in welcher personellen Zusammensetzung die Naziband dort auftreten wird. Fakt ist, dass “Bataillon 500” ohne ihren Sänger Ronny Zick an Anziehungskraft verlieren würde. Wie bei vielen anderen Nazibands ist das übrige Line-Up austauschbar, weshalb nur Zicks Anwesenheit auf dem kommenden Konzert in Ostsachsen sicher ist.

Ein unvollständiger Abriss des Konzertgeschehens, an dem die oben genannten Musiker mitwirkten:

  • 14. Februar 1998 Auftritt von “Nordmacht” am “Tag der Ehre” in Budapest, u.a. mit “Archivum” (Ungarn) und “Nimrod” (Ungarn). An dem Konzert nahmen rund 120 deutsche Neonazis teil, die zum Teil mit Reisebussen aus Thüringen und Berlin angereist waren. Auch der Chemnitzer Neonazi Max Florian Burkhardt war gemeinsam mit anderen Neonazis aus der sächsischen B&H-Sektion vor Ort. Nur zwei Wochen zuvor hatte Burkhardt den NSU-Kernmitgliedern Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe seine Wohnung im Chemnitzer Heckert-Gebiet zur Verfügung gestellt. Dort, in der Friedrich-Viertel-Straße 85, hatten die drei bis zu einem halben Jahr gewohnt. Dies wurde später im Münchner NSU-Prozess bekannt.
  • 31. Juli 1999 Auftritt von “Nordmacht” im Raum Merseburg (Sachsen-Anhalt), u.a. mit “Auf eigene Gefahr” (“AEG”, Chemnitz) und “Oigenik” (Gera), organisiert von der “Blood & Honour”-Jugendorganisation “White Youth”
  • 26. Februar 2000 Auftritt von “Nordmacht” in Bad Segeberg (Schleswig-Holstein), u.a. mit “Might of Rage” (Chemnitz) und “Stahlgewitter” (Nordrhein-Westfalen)
  • 3. Februar 2001 Auftritt von “Nordmacht” in Hamburg-Rothenburgort, u.a. mit “Noie Werte” (Stuttgart). Die Polizei löste das Konzert auf, worauf die anwesenden 400-500 Neonazis mit Flaschen warfen.

Mehr dazu:

Sachsenblut und Sachsonia – Can juh hier mei vois? We are se fucking bootbois!

“Sachsonia” 2016: Tobias Wirth, Manuel Turra, Udo Kaulfuß, Karsten Kaulfuß, Carsten Brück

So oder so ähnlich klingt die Darbietung englischsprachiger Texte der sächsischen Naziband “Sachsenblut”. Dazu rumpelige, eingängige Oi-Musik, vorgetragen von schwerst tätowierten Neonazis, die auf eine jahrelange Anbindung in die rechte Szene rund um Dresden blicken können. Die erste Gitarre bei der 2010 gegründeten Naziband spielt der in Freital (Sachsen) wohnhafte Sascha Neumann. Er ist auch Tätowierer im Freitaler Tattoo- und Piercingstudio “Schlachthaus”, welches als Anlaufpunkt für die lokale Neonazi-Szene dient.

Aufgrund entsprechender Embleme und Symbole auf der Kleidung ist Neumann dem Motorradclub “Gremium MC” zu zuordnen. Vor allem im Raum Dresden fiel der Club bereits kurz nach seiner Niederlassung in Sachsen 1999 durch brutale Überfälle auf. Beispielsweise im Jahr 2000, als zwölf Mitglieder des Dresdner “Gremium MC”-Ablegers in die Kleinstadt Döbeln einfielen, um das Clubheim des dort ansässigen “Highway Wolves MC” zu überfallen. Bei dem Angriff erschoss der Präsident des Dresdner “Gremium MC” den Chef des “Highway Wolves MC” mit einer abgesägten Schrotflinte. Wie in vielen anderen Fällen in Sachsen ist auch der Döbelner “Highway Wolves MC” kein unbeschriebenes Blatt, wenn es um Verbindungen in die Neonazi-Szene geht. In den Neunzigern konnten in seinem Clubhaus in Döbeln mehrfach Rechtsrock-Konzerte stattfinden, etwa im November 1999, als dort das Abschiedskonzert der Naziband “Die weissen Riesen” aus Riesa abgehalten werden konnte.

Sascha Neumann ist nicht nur bei “Sachsenblut” aktiv, sondern auch bei der um 2012 ins Leben gerufenen Naziband “Stahlwerk” aus Dresden. Auf ihrer ersten CD veröffentlichte die Gruppe u.a. das Lied “Tag X”, das unmissverständlich beschreibt, wie Neumann und seine Mitstreiter sich den Umgang mit dem politischen Gegner vorstellen: “Wir haben es satt, können es nicht verstehen, was ihr auch tut, um uns im Knast zu sehen. Es kommt die Zeit, da steht ihr an der Wand, es kommt die Zeit, da brennt das ganze Land!”

Bei “Sachsenblut” steht des Weiteren der Neonazi René Zimmermann an der Gitarre, der auch im wechselnden Line-Up der Chemnitzer Naziband “Verboten” zu finden ist. Zimmermann kommt aus Freiberg, wo er durch Übergriffe auf AntifaschistInnen bekannt wurde, und wohnt aktuell in Leipzig.

Der ebenfalls in Leipzig lebende Martin Rölle spielt bei “Sachsenblut” den Bass. Rölle ist darüber hinaus Mitglied der Leipziger Naziband “Thematik 25”. Die Gruppe gründete sich im Jahr 2008 und hat bisher erst eine Demo-CD veröffentlicht, tritt aber regelmäßig bei Nazikonzerten auf. Sie bekennt sich zum Nationalsozialismus und vertreibt Bandshirts mit Aufdrucken wie “100% NS, 0% BRD” oder “Rock Against Zionism”.

Am Schlagzeug bei “Thematik 25” sitzt Dennis Pätzold, die Gitarre spielt der wegen Körperverletzung und Volksverhetzung vorbestrafte Sebastian Klein. Klein musste sich 2016 vor dem Amtsgericht Leipzig verantworten, weil er einem Menschen, den er für einen Polen hielt, mit einem Teleskopschlagstock auf die Schläfe geschlagen hatte. Sänger von “Thematik 25” war bis vor wenigen Jahren der NPD-Politiker und Neonazi Jan Häntzschel. Nach dem Weggang von Häntzschel holte man offenbar gleich zwei neue Mitglieder in die Band: Denny Unfried, Schlagzeuger der Leipziger Naziband “Volksnah”, und Lothar Winkler.

Über einen größeren Kultstatus als “Sachsenblut” verfügt die Ende der Neunziger Jahre gegründete Band “Sachsonia”, die ebenso aus dem Raum Dresden stammt. Ihr wohl bekanntestes Lied “Amok” spricht eine deutliche Sprache. Gemeinsam mit Daniel “Gigi” Giese heißt es in der ersten Hälfe des Liedes: “Und plötzlich fallen Schüsse, Panik macht sich breit, Blut spritzt nach allen Seiten, es ist endlich soweit. Ich laufe Amok”. Am Ende des vor Gewaltfantasien gegen Staat, Antifa und Migranten nur so strotzenden Songs erklärt “Sachsonia”, dass es sich “nur” um eine Traumvorstellung gehandelt habe: “Endlich erlöst von diesem Traum, denn so was darf nicht sein, das würde ich mir im Leben nicht trauen, zu sinnloser Gewalt sage ich Nein.” Die rechte Hörerschaft versteht dennoch die Botschaft der Dresdner Band, die durch die letzten, ironisch dargebotenen Zeilen schließlich einzig und allein eine Indizierung verhindert.

Als Sänger von “Sachsonia” fungiert der 1977 geborene Udo Kaulfuß, am Schlagzeug sitzt Karsten Kaulfuß, Jahrgang 1981. Karsten und Udo Kaulfuß waren in den vergangen Jahren immer wieder als Ordner bei Nazi-Aufmärschen tätig. Den Bass bei “Sachsonia” spielt Manuel Turra, während Carsten Brück an der Gitarre steht. Auch Maik Müller, ein bekannter Dresdner Kader der NPD-Jugendorganisation “Junge Nationaldemokraten” (JN), war vorübergehend bei “Sachsonia” als Gitarrist tätig. Gemeinsam mit Karsten Kaulfuß spielte Müller auch bei der Naziband “Priorität 18”, die als Haus-und-Hof-Band der verbotenen Kameradschaft “Skinheads Sächsische Schweiz” galt. Als Ersatz für Müller sprang bei Auftritten von “Sachsonia” in den letzten Jahren der umtriebige bayrische Neonazi Tobias Wirth ein.

Ein unvollständiger Abriss des Konzertgeschehens, an dem die oben genannten Musiker mitwirkten:

  • 12. November 1999 Auftritt von “Sachsonia” in Dresden, u.a. mit “Sturm & Drang” (Senftenberg) und “Gnadenlos” (Sachsen)
  • 13. November 1999 Auftritt von “Sachsonia” bei Ottendorf-Okrilla (Sachsen), u.a. mit “14 Nothelfer” (Pirna) und “Sachsenfront” (Pirna)
  • 4. August 2007 Auftritt von “Sachsonia” auf dem “JN-Sachsentag” in Dresden-Pappritz, u.a. mit “Frontalkraft” (Cottbus), “Viking” (Italien) und “Prussian Blue” (USA)
  • 16. Februar 2008 Auftritt von “Sachsonia” in Frankreich, u.a. mit “Lemovice” (Frankreich), organisiert von “Blood & Honour”
  • 8. November 2008 Auftritt von “Thematik 25” in der Kamenzer Straße 10/12 in Leipzig, u.a. mit “Fight Tonight”, “Nordglanz” und “Painful Life”
  • 17. Juli 2010 Auftritt von “Sachsonia” in Italien, u.a. mit “Moshpit” (Dresden) und “Projekt Vandal” (Slowakei), organisiert von den “Veneto Fronte Skinheads”
  • 24. Juli 2010 Auftritt von “Sachsenblut” im Erzgebirge (Sachsen), u.a. mit “Ohne Worte” (Zwickau) und “Donars Groll” (Wilthen)
  • 6. November 2010 Auftritt von “Sachsonia” in Colditz (Sachsen), u.a. mit “Donars Groll” (Wilthen), “Natural Born Haters” (Neu-Ulm) und “Sleipnir”
  • 17. Dezember 2011 Auftritt von “Sachsenblut” in Torgau, Ortsteil Staupitz (Sachsen), u.a. mit “Last Riot” und “Wolfsgarde” (beide Sachsen-Anhalt)
  • 29. September 2012 Auftritt von “Sachsonia” im “Deutsche Stimme”-Verlag der NPD in Riesa (Sachsen), u.a. mit “Die Lunikoff Verschwörung” (Berlin) und “Exzess” (Brandenburg)
  • 8. Juni 2013 Auftritt von “Sachsenblut” auf dem “JN-Sachsentag”, u.a. mit “Die Lunikoff Verschwörung” (Berlin) und “Burn Down” (Potsdam)
  • 16. November 2013 Auftritt von “Sachsonia” im “Rössle” in Rheinmünster-Söllingen (Baden-Würtemberg), u.a. mit “Die Lunikoff Verschwörung” anlässlich des 60. Geburtstags von Siegfried Borchardt, genannt “SS-Siggi”
  • 8. August 2015 Auftritt von “Sachsonia” in Baden-Württemberg, u.a. mit “12 Golden Years” (Thüringen), anlässlich der Zehn-Jahres-Feier der “Kameradschaft Heidnischer Sturm Pforzheim”
  • 11. Juni 2016 Auftritt von “Sachsenblut” beim “11. Thüringentag” der NPD in Sömmerda, u.a. mit “Mortuary” (Sachsen-Anhalt) und “Makss Damage” (NRW)
  • 17. Juni 2017 Auftritt von “Sachsenblut”, “Thematik 25” und “Volksnah” in “Mitteldeutschland”
  • 1.-4. September 2016 Auftritt von “Sachsonia” in Italien, u.a. mit “Stigger” (England) und “Mistreat” (Finnland)
  • 23. September 2017 Auftritt von “Sachsenblut”, “Stahlwerk” und “Thematik 25” in der Tschechischen Republik
  • 9. September 2017 Auftritt von “Sachsenblut” in Schweden, zusammen mit “Sturmwehr” und “Faust”

Mehr dazu:

“Sachsenblut” 2016: oben René Zimmermann und Sascha Neumann, unten Martin Rölle und der bislang nicht identifizierte Sänger (Fotos flickr, flickr)

Links “Thematik 25” in Originalbesetzung: Sebastian Klein, Martin Rölle, Jan Häntzschel, Dennis Pätzold. Rechts Sebastian Klein (mit Hakenkreuz-Tattoo am Arm) und Martin Rölle.

Brainwash und Moshpit – Seit wann liegt Dresden in Thüringen?

“Moshpit” 2012 (oben) und 2016 (unten): Ricardo Gutte, Koppány Pap, Michael Schulze, Michael Lorenz, Mario Rudolf

Die Bands “Brainwash” und “Moshpit” gelten als Aushängeschilder des Dresdner Nazilabels “OPOS Records”. Beide beziehen sich bis heute auf ihre Wurzeln in der Stadt Altenburg (Thüringen), ihre Mitglieder wohnen jedoch seit Jahren überwiegend im Raum Dresden. Der Ruf Altenburgs als Rechtsrock-Hochburg geht bis zur 1996 gegründeten NS-Metal-Band “Kreuzfeuer” zurück, deren Sänger Jens Rahl im Jahr 2000 Suizid beging. Dass im Jahr 2011 ein Sampler “Altenburg rockt das Reich” mit Beiträgen acht verschiedener Nazibands erschien, illustriert die Zustände in der 33.000-Einwohner-Stadt treffend. Eine von “Thüringen Rechtsaußen” im Jahr 2014 zusammengestellte Liste nennt gar 15 Nazibands mit Schwerpunkt Altenburg.

Frontmann und Sänger der 2001 gegründeten NS-Hardcore-Band “Brainwash” ist René Weiße. Der 1976 geborene Neonazi produziert und vertreibt außerdem die Kleidungsmarke “Dryve by Suizhyde”. Unter dem Künstlernamen “Mudhater Design” ist er einer der Haus-und-Hof-Grafiker für “OPOS Records”. Weiße gehört auch der Naziband “Endless Struggle” an und wirkte bei den Bands “Forbidden” und “Sharon Tate” mit. René Weiße kommt aus Altenburg, wohnt aber seit einigen Jahren in Dresden.

Als Schlagzeuger von “Brainwash” fungiert der 1980 geborene Paul Morgenstern aus dem sächsischen Wilkau-Haßlau, der bereits als Mitglied der Chemnitzer Rechtsrock-Gruppe “Blitzkrieg” und zahlreicher anderer Nazibands bekannt ist. Wie in mehreren anderen Bands des Labels steht auch bei “Brainwash” der Chef noch mit auf der Bühne: “OPOS Records”-Mitbetreiber Michael Lorenz aus Dresden spielt hier den Bass.

Neben den drei genannten Gründungsmitgliedern gehören seit 2014 die Gitarristen Mario Rudolf und Ricardo Gutte zu “Brainwash”. Zuvor war bisweilen Fabian Voigt, Gitarrist der bayrischen Naziband “Burning Hate”, eingesprungen. Mario Rudolf ist bereits als Mitglied von “Confident of Victory” bekannt, kommt aus Südbrandenburg und wohnt seit einigen Jahren in Dresden, wo er an der Hochschule für Technik und Wirtschaft studiert.

Ricardo Gutte kommt aus Niesky (Sachsen), wo er Mitglied der Nazi-Kameradschaft “Schlesische Jungs Niesky” war. Im Jahr 2003 begann Gutte ein Soziologiestudium an der TU Dresden, gleichzeitig nahm er an Naziaufmärschen teil und fiel durch Gewaltbereitschaft auf. Mittlerweile wohnt Gutte in Rothenburg/Oberlausitz (Sachsen). Ricardo Gutte steht auch bei Konzerten von “Confident of Victory” auf der Bühne, entwirft Flyer für Nazikonzerte und gestaltet Merchandise-Artikel für Rechtsrock-Bands.

“Brainwash” brachten bisher die Alben “Moments of Truth”, “Hate is our Justice” und “Time to Act” heraus, letztere im Jahr 2013 auf dem Dresdner Nazilabel “OPOS Records”. Dort erschien 2015 auch eine Neuauflage von “Hate is our Justice”. Die CD enthält eindeutige Ansagen, etwa: “It’s better when you hide from us, you dirty fucking scum. We hate everything that’s different, especially the chosen one.” “The chosen one” meint: die Juden.

Kaum zurückhaltender sind die Texte und Äußerungen der neonazistischen Metalcore-Band “Moshpit”, die sich etwa positiv auf Horst Wessel und auf die rassistischen “Fourteen Words” bezieht und ihren eigenen faschistischen Anspruch mit dem Motto “We are the forthcoming order” in Worte fasst. “Moshpit” war ursprünglich nur als Nebenprojekt der Naziband “Aryan Rebels” gedacht. Deren Mitglieder Eric Köster (E-Gitarre) und Oliver Geidel (Gesang) haben Moshpit jedoch im Jahr 2005 bzw. 2009 verlassen.

Ein durchgehendes Mitglied von “Moshpit” ist der Schlagzeuger Michael Schulze. Schulze wohnt in Leipzig, wo er von 2011 bis 2013 eine Ausbildung zum staatlich geprüften Techniker für Informatik absolviert hat. Nach einer kurzen Tätigkeit für das Universitätsklinikum Leipzig ist Schulze laut eigenen Angaben zur Zeit IT-Systemadministrator bei der St. Georg IT Gesellschaft mbH, die zum gleichnamigen Leipziger Krankenhaus gehört. Schulze soll auch der Altenburger Naziband “Forbidden” angehört haben. Gelegentlich sah man ihn auch bei “Brainwash” das Schlagzeug spielen. Für Weißes Modemarke “Dryve by Suizhyde” stand Michael Schulze Modell.

Nachdem “Moshpit” sich im Jahr 2009 von Oliver Geidel trennte, fand man mit Koppány Pap einen neuen Sänger. Pap wurde 1990 in Ungarn geboren und sang auch in den ungarischen Nazibands “Mutilated Truth” und “Voice of Justice”. Bei “Romantikus Erőszak”, einer populären ungarischen Rechtsrock-Band, saß Pap eine Zeit lang am Schlagzeug. Geidels Rechtsrock-Karriere war an diesem Punkt nicht vorbei, er war weiter bei der Band “Eternal Bleeding” und deren Nebenprojekt “Sprechgesang zum Untergang” aktiv.

Die übrigen Mitglieder von “Moshpit” sind alte Bekannte: Michael Lorenz spielt den Bass, Mario Rudolf und Ricardo Gutte zupfen die Gitarren. Veröffentlicht hat die Band bislang eine Split-CD mit der Rostocker Naziband “Path of Resistance” im Jahr 2004 sowie die Alben “Mirror of an Unbroken Faith” (2007), “We Carry the Heart” (2012) und “An Eternal Torch Can Light A Million” (2017). Auch auf der “Schulhof-CD” der NPD im Jahr 2010 waren “Moshpit” vertreten.

Ein unvollständiger Abriss des Konzertgeschehens, an dem die oben genannten Musiker mitwirkten:

  • 22. Mai 2004 Auftritt von “Aryan Rebels” und “Moshpit” bei einem Nazikonzert in Thüringen, zusammen mit “Before the War”, “Endlöser” und “Verszerzödes” (Ungarn)
  • 18. Januar 2005 Auftritt von “Brainwash” und “Mosphit” in Altenburg
  • 20. Mai 2006 Auftritt von “Brainwash”, “Moshpit” und “Eternal Bleeding” in Schildau (Sachsen), zusammen mit “Hope for the Weak” (Brandenburg) und “Path of Resistance” (Rostock)
  • 23. Februar 2008 Auftritt von “Brainwash”, “Moshpit” und “Eternal Bleeding” in Dresden, zusammen mit “Civil Disorder” (Sachsen-Anhalt)
  • 18. September 2008 Auftritt von “Brainwash” und “Moshpit” auf dem “Fest der Völker” in Altenburg, zusammen u.a. mit “Sleipnir”, organisiert von André Kapke (NPD Jena) und Thomas Gerlach (“Freies Netz Altenburg”)
  • 18. Oktober 2008 Auftritt von “Brainwash” beim “Joe Rowan Memorial / European Hammerfest” der Nazi-Bruderschaft “Hammerskins” in Ungarn
  • 7. Februar 2009 Auftritt von “Brainwash” und “Moshpit” auf dem “Uprise”-Konzert in den USA
  • April 2009 Auftritt von “Brainwash” beim “VFS & USGI Fest” der “Veneto Fronte Skinheads” in Italien
  • 11. Juli 2009 Auftritt von “Brainwash” beim “Rock für Deutschland” in Gera vor rund 4000 Neonazis, u.a. mit “Die Lunikoff Verschwörung” und “Sleipnir”
  • 13. August 2011 Auftritt von “Brainwash” und “Moshpit” in Moskau, organisiert von der neonazistischen russischen Kampfsport- und Kleidungsmarke “White Rex”
  • 30. Juni 2012 Auftritt von “Moshpit” in Schweden, u.a. mit “Endless Pride”
  • 27. Oktober 2012 Auftritt von “Moshpit” in Torgau, Ortsteil Staupitz (Sachsen), u.a. mit “Painful Awakening”, organisiert von “Kraft durch Musik”
  • 3. November 2012 Auftritt von “Moshpit” beim “Hammerfest” der Neonazi-Bruderschaft “Hammerskins” in Toul (Frankreich), u.a. mit “Blutzeugen”, “Der Stürmer”, “Division Germania” und “Sturmwehr”
  • 12. Oktober 2013 Auftritt von “Brainwash” beim Joe-Rowan-Gedächtniskonzert in Ungarn, organisiert von den ungarischen “Hammerskins”
  • 31. Mai 2014 Auftritt von “Brainwash” beim Nazifestival “Frihetsrock” in Schweden
  • 24. Januar 2015 Auftritt von “Brainwash” im “Skinhouse Milano” in Mailand, u.a. mit “Green Arrows” (Italien), organisiert von den “Hammerskins Italia”
  • 5. März 2016 Auftritt von “Brainwash” und “Moshpit” in Polen
  • 11. März 2017 Auftritt von “Brainwash” in Polen, u.a. mit “Oidoxie” (Dortmund), “Amok” (Schweiz) und “Legion Twierdzy Wroclaw” (Polen)

Mehr dazu:

Links: “Brainwash” im Jahr 2014 mit Mario Rudolf, Paul Morgenstern, Ricardo Gutte, René Weiße und Michael Lorenz. Rechts: Michael Schulze als Model für René Weißes Modemarke “Dryve by Suizhyde”.

Nazipunk in Sachsen – zwischen Subkultur, Kameradschaftsszene und NSU

“Selbststeller” im Jahr 2012: Morris Rätze, Axel Thieme, Nico Haupt, Volker Herbst, Teresa Rätze

1994 in Riesa gegründet, ist “Selbststeller” eine der dienstältesten Nazibands in Sachsen. Ähnlich wie die ebenfalls aus Riesa stammenden Nazibands “Die Weissen Riesen” und “Bürgerwehr” kann man die Rechtsrocker von “Selbststeller” dem internationalen “Blood & Honour”-Netzwerk zuordnen. Regional ist die Band an die Kameradschaft “Bootboys Riesa” angebunden, die ebenfalls seit den Neunziger Jahren besteht. Deren Kürzel “22” (“BB”) findet man auf Kleidung und CDs der Band, die ihre Musik selbst als “Zankrock” bezeichnet.

Sänger der Naziband “Selbststeller” ist der langjährig aktive Neonazi Axel Thieme aus Riesa. Die erste Gitarre spielt der ebenfalls aus Riesa stammende Berufssoldat Nico Haupt, am Schlagzeug sitzt Volker Herbst. Den Bass spielt seit einigen Jahren Teresa Rätze (geborene Truhel) aus dem ostsächsischen Wilthen. Ihr Ehemann Morris “Miesl” Rätze war bis Anfang 2017 zweiter Gitarrist. Er wurde im Frühjahr 2017 durch den Neonazi Tom Hahn aus Riesa ersetzt.

“Selbststeller” sehen sich selbst zwar selbst als Punkrock-Band und sind dadurch auch innerhalb der oft als “Graunzone” bezeichneten rechtsoffenen Szene beliebt, ihre Texte sprechen allerdings eine klare Sprache. Auf ihrem im Jahr 2010 beim Nazilabel “OPOS Records” erschienenen Album “Bumm Bumm Rattatta Klick Klack Peng” heißt es etwa in dem gleichnamigen Lied, das sich drohend gegen Geflüchtete richtet: “Wir treten euch entgegen mit Wort und Ton, doch es bleibt nicht bei Gitarre, Schlagzeug, Bass, Mikrofon, denn wir befreien die Nation aus euren Fängen mit Bumm Bumm Rattatta Klick Klack Peng.”

Axel Thieme und Morris Rätze bilden zusammen mit dem Schlagzeuger Tobias Schütze die 2013 ins Leben gerufene Nazipunk-Band “Pro Patria”. Schütze ist bereits durch sein Mitwirken bei der Brandenburger Rechtsrock-Band “Confident of Victory” bekannt.

Morris Rätze war auch Kopf und einziges durchgehendes Mitglied der 2004 in Wilthen gegründeten Naziband “Donars Groll”. Die Besetzung der Gruppe, die später als “The Granits” firmierte, wechselte häufig. Zu “Donars Groll” gehörten u.a. Teresa “Rese” Rätze, Sebastian Schurig, die Schlagzeuger Daniel Israel und Marco Töppel sowie der mittlerweile im Raum Chemnitz lebende Mirko “Barny” Szydlowski. “Donars Groll” bezeichnet ihre Musik als “Viking Rock”. Liedtexte wie “Hear this Voice! We play white noise”, eine Anspielung auf das rassistische Lied “White Noise” der Naziband “Skrewdriver”, verdeutlichen die Zugehörigkeit von “Donars Groll” zur Neonazi-Musikszene. So überrascht es nicht, dass die Band unter ihrem späteren Namen “The Granits” eine Split-CD mit der personell eng verflochtenen Naziband “Selbststeller” veröffentlichte.

“Donars Groll” sind nicht die einzigen Rechtsrock-Akteure in der ostsächsischen Kleinstadt Wilthen, die ansonsten nur für ihre Spirituosenfabrik bekannt ist. In der Dresdener Straße 43 betreibt der Neonazi Markus Rose seit vielen Jahren das Kleidungsgeschäft “Nordland Wilthen” alias “O-Lausitzer-Store”, das u.a. die Nazimarken “Label 23” und “Thor Steinar” im Angebot hat. Markus Rose bildet zusammen mit Sven Klinger und anderen Neonazis die Bautzner “RAC”-Band “Asatru”, deren Lieder durch Refrains wie “Unser Schlachtruf der ist geil, achtundachtzig und Sieg!” auffallen. Sven Klinger war auch Mitglied der Naziband “Revision 39”. Roses “Nordland Wilthen” sponsort den Fußballverein “SV Bautzen” und den Sportverein “SV Post Germania Bautzen”. Rose selbst kann dem Umfeld der Kameradschaft “Sturm 24 Bautzen” zugerechnet werden.

Angesichts der oben genannten Verflechtungen mutet es schizophren an, dass die Mitglieder und Freunde von “Selbststeller” sich immer wieder auf unpolitischen Punk-, Hardcore- und Oi-Konzerten bewegen – und das meist ohne Konsequenzen. Bei einem Konzert der Oi-Band “Cock Sparrer” im November 2017 in Dresden wurden jedoch Neonazis herausgeworfen. Darunter laut eigenen Angaben auch Morris Rätze, Volker Herbst und dessen dänische Ehefrau Mette Michalak.

Morris Rätze hat “Selbststeller” zwar vor Kurzem verlassen, ist aber in einem anderen Zusammenhang weiterhin aktiv: als Sänger der im Jahr 2016 gegründeten Naziband “True Aggression”. Dort sitzt der in der Rechtsrock-Szene omnipräsente Tobias Wirth am Schlagzeug. Den Bass spielt Christoph Drechsel aus Schönbach (Sachsen). “True Aggression” spielten schon einige Konzerte und lassen, obwohl sie sich ähnlich wie “Selbststeller” als Punkband präsentieren, keine Zweifel an der Ideologie, die sie durch ihre Musik vermitteln wollen. Das Motto der Band lautet “444”, ein in der Naziszene gebräuchliches Erkennungsmerkmal und Code jeweils für den vierten Buchstaben im Alphabet, also “DDD” – “Deutschland den Deutschen”.

Bei dem Rauswurf vom “Cock Sparrer”-Konzert will auch Stefan Kaden aus Neugersdorf vor Ort gewesen sein. Kaden ist Sänger der 2006 gegründeten Naziband “If we die tomorrow”, deren selbstbetiteltes Debütalbum auf dem Dresdner Nazilabel “OPOS Records” erschien. Im Jahr 2008 wurde im Rahmen der Ermittlungen um die mutmaßliche “Blood & Honour”-Nachfolgeorganisation “Division 28” Anklage gegen Stefan Kaden erhoben.

Wie selbstverständlich Neonazis sich in der alternativen Subkultur bewegen, verdeutlicht auch der Besuch von Kathrin “Mappe” Dressel aus Chemnitz bei dem “Cock Sparrer”-Konzert. Sie galt als exponierte Persönlichkeit im “Blood & Honour”-Netzwerk in Sachsen, welches die Rechtsterroristen des “Nationalsozialistischen Untergrunds” (NSU) unterstützte. Deshalb musste Dressel auch im NSU-Prozess aussagen.

Auch in anderen sächsischen Städten bewegen sich Neonazis teilweise offen in der linken Subkultur und antirassistischen Kreisen. Etwa Michael “Schmitti” Schmidt aus dem Raum Zwickau, der seit einiger Zeit in Leipzig wohnt. Schmidt spielte einst in der Naziband “Ohne Worte”, gemeinsam mit Benjamin Klinger, der heute dem “Hells Angels”-Unterstützerclub “Bloodline MC” in Zwickau angehört und im Chemnitzer “Heaven of Colours” als Tätowierer arbeitet. Heute ist Michael Schmidt Schlagzeuger der Chemnitzer Naziband “Overdressed”. Er fiel wenige Tage nach der Selbstenttarnung des NSU im Jahr 2011 durch eine Unterhaltung mit dem NSU-Unterstützer, V-Mann und Rechtsrocker Ralf “Manole” Marschner in einem sozialen Netzwerk auf. Einen Kommentar von Marschner mit den Worten “Trink ordentlich Heil NSU…..Hahaha” beantworte Schmidt: “einmal Döner mit viel nsu ihr fotzen”. In einem anderen Beitrag veröffentlichte Schmidt ein Foto von sich vor dem abgerissenen Haus in der Zwickauer Frühlingsstraße, das dem NSU zuletzt als Unterschlupf gedient hatte.

In Leipzig bewegt sich auch Christian Stöbe unbehelligt in subkulturellen Kreisen. Er ist Sänger der rechtsoffenen Bands “Gerbenok” und “Martens Army” und saß vorübergehend bei der Grauzoneband “Krawallbrüder” am Schlagzeug. “Stöbi” pflegt Kontakt zu Neonazis wie beispielsweise Denis Wilhelm aus Weimar, der – wenn er nicht gerade mit Hitlergruß posiert – derzeit eine Ausbildung zum Sozialarbeiter absolviert. Stöbes Ex-Freundin Theresa Schott war später mit dem fränkischen “Hammerskin” Tony Gentsch und dem “TreueOrden”-Bassisten Rocco Boitz liiert.

Ein unvollständiger Abriss des Konzertgeschehens, an dem die oben genannten Musiker mitwirkten:

  • 20. Mai 2000 Auftritt von “Revision 39” in der Sächsischen Schweiz, u.a. mit “Magog” (Pirna) und “Totenburg” (Gera)
  • 7. September 2002 Auftritt von “Selbststeller” im “Deutsche Stimme”-Verlag der NPD in Riesa, zusammen mit “Sturm & Drang” (Senftenberg), “Sleipnir” (Nordrhein-Westfalen) und “Spreegeschwader” (Berlin)
  • 6. August 2005 Auftritt von “Selbststeller” in Saarbrücken, u.a. mit “Hauptkampflinie” (Kassel) und “Sonderkommando Dirlewanger” (Gotha)
  • 5. November 2005 Auftritt von “Selbststeller” in Sachsen, u.a. mit “Civico88” (Italien) und “Faustrecht” (Allgäu)
  • 3. März 2007 Auftritt von “Selbststeller” in Norddeutschland, u.a. mit “Endstufe” (Bremen) und “Killerbabies” (Großbritannien)
  • 24. Januar 2009 Auftritt von “Ohne Worte” in Crimmitschau (Sachsen), u.a. mit “I don’t like you” und “Spy Kids” (beide Thüringen)
  • 14. März 2009 Auftritt von “Donars Groll” in Zittau (Sachsen), u.a. mit “Thematik 25” (Leipzig) und “Civil Disorder” (Sachsen-Anhalt) auf der Feier zum 17-jährigen Bestehen des “Nationalen Jugendblock Zittau”
  • 23. Januar 2010 Auftritt von “Ohne Worte” in Domžale (Slowenien), u.a. mit “Blitzkrieg” (Chemnitz) und “Sturmtrupp” (Bayern)
  • 10. April 2010 Auftritt von “Donars Groll” in Bautzen (Sachsen), u.a. mit “Steelcapped Strenght” und “Storm of Mind” (Wurzen)
  • 4. Dezember 2010 Auftritt von “Donars Groll” und “Selbststeller” in Ostsachsen, u.a. mit “Strongside”
  • 26. Oktober 2013 Auftritt von “Selbststeller” im NPD-Büro Odermannstraße 8 in Leipzig, u.a. mit “Pitbullfarm” (Schweden) und “Abtrimo” (Hamburg)
  • 31. Juli 2014 Auftritt von “Selbststeller” in Schweden beim rechten “Kuggnäsfestival”, u.a. mit “Pitbullfarm” (Schweden) und “Citizen Keyne” (Großbritannien)
  • 29. August 2015 Auftritt von “Selbststeller” im Torgauer Ortsteil Staupitz (Sachsen), u.a. mit “Verboten” (Bayern/Sachsen) und “Mistreat” (Finnland)
  • 7. Mai 2016 Auftritt von “Selbststeller” in Bologna (Italien), u.a. mit “Jolly Rogers” (Spanien) und “Honor Bialy Front” (Polen)
  • 16. April 2017 Auftritt von “True Aggression” im Torgauer Ortsteil Staupitz (Sachsen), u.a. mit “Bound for Glory” (USA)
  • 29. April 2017 Auftritt von “True Aggression” in Rosenthal-Bielatal (Sachsen), u.a. mit “Barricades” (Sachsen-Anhalt) und “Kodex Frei” (Baden-Württemberg)
  • 6. Mai 2017 Auftritt von “True Aggression” in Kirchheim (Thüringen), u.a. mit “March or die” (Großbritannien) und “Abtrimo” (Hamburg), organisiert von den “Hammerskins Franken”
  • 2. Dezember 2017 Auftritt von “Overdressed” in Kirchheim (Thüringen), u.a. mit “Schusterjungs” (Sachsen-Anhalt) und “Smart Violence”, organisiert von den “Hammerskins Franken”

Mehr dazu:

Mitglieder von “Donars Groll” um das Jahr 2008: Marco Töppel, Morris Rätze, Teresa Rätze, Sebastian Schurig, Daniel Israel, Mirko Szydlowski

Markus Rose mit einem Fußballteam des von ihm gesponsorten SV Bautzen im Jahr 2017

“Selbststeller”-Gitarrist Tom Hahn, “True Aggression”-Bassist Christoph Drechsel, “Overdressed”-Schlagzeuger Michael Schmidt, “Ohne Worte”-Mitglied Benjamin Klinger

Links: Denis Wilhelm (oben rechts) mit Hitlergruß und Theresa Schott (unten links) mit Hitlerbart im September 2009, während auf dem Fernseher die “Landser”-CD “Das Reich kommt wieder” läuft. Rechts: Denis Wilhelm, Christian Stöbe und Theresa Schott im Februar 2010.

TreueOrden – Seit wann liegt Thüringen in der Schweiz?

“Treueorden” im Jahr 2017: Sebastian Färber, Thomas Wagner, Mario Kelch, Rocco Boitz

Im Jahr 2011 veröffentlichte die aus dem Raum Gotha (Thüringen) stammende Nazi-Band “TreueOrden” ihre erste CD mit dem Titel “SA Voran” – und dem Deutschland verbotenen Symbol der historischen NS-Organisation “Sturmabteilung” (SA) auf der Hülle. Die Band kann als Nachfolge- bzw. Nebenprojekt der 2005 ins Leben gerufenen Gothaer Band “Sonderkommando Dirlewanger” (SKD) gesehen werden.

Sowohl bei SKD als auch bei “TreueOrden” sitzt der umtriebige Thüringer Neonazi Thomas Wagner am Schlagzeug. Den Bass bei “TreueOrden” übernimmt Rocco Boitz, die Gitarre spielt Mario “Kelle” Kelch. Für den Gesang ist Sebastian “Basti” Färber verantwortlich.

Über die Aktivitäten der Bandmitglieder könnte ein Buch geschrieben werden. Thomas Wagner erlangte bereits 1997 Bekanntheit, als er beim “Spielen” mit einer Pumpgun versehentlich einem Kameraden, dem Gothaer Neonazi-Kader Marco Zint, ins Bein schoss. Nur wenige Monate zuvor war Wagner maßgeblich in die Durchführung eines Wehrsportlagers am Gothaer Stadtrand involviert. Als die Polizei dieses Lager auflöste, fand sie neben unzähligen NS-Devotionalien auch Luftgewehre und teilweise gestohlene Camping-Utensilien. Der Bezug ins kriminelle Milieu zieht sich wie ein roter Faden durch Thomas Wagners Vita. Die Pumpgun, mit der er Zint anschoss, besorgte er sich damals aus Angst vor “angeheuerten Türken”. Deren Rache hatte er erwartet, nachdem Zint und er einen Spielautomaten in einer Diskothek aufgebrochen und Bargeld entwendet hatten.

Im Jahr 2001 fand die Polizei bei einer großen Razzia gegen Mitglieder der SKD-Vorgängerband “Kampfgeschwader” abermals Propagandamaterial sowie Diebesgut im Wert von einer Viertelmillion Euro, darunter Studio-Equipment einer Gothaer Rockband. Auch eine scharfe Waffe wurde im Zuge der Durchsuchungen entdeckt. Wagner kam daraufhin in Untersuchungshaft.

Nach seiner Haft gründete Thomas Wagner nicht nur die Band “Sonderkommando Dirlewanger”, sondern war auch Mitglied des Tarnvereins “Toringi e.V”, der in Gotha Räumlichkeiten etwa für Konzerte anmietete. Schwerpunkt war dabei bis zur Schließung im Jahr 2006 das sogenannte “Grüne Haus” in Gotha-Ost, wo neben den Proben von SKD auch größere Konzerte stattfanden. Zu SKD gehörte neben Christian “Plinse” Herrmann auch Ronny “Harry” Hahn, welcher als Sänger fungierte. Hahn arbeitete im rechten Szeneladen “Sniper Store” in Gotha.

Inhaber des Ladens war der Neonazi Steffen Richter aus Saalfeld. Wagner und Richter spielen heute bei der Organisation von Rechtsrock-Konzerten in Thüringen eine tragende Rolle – vor allem in der “Erlebnisscheune” in Kirchheim bei Erfurt. Sie sind darüber hinaus als tonangebende Mitglieder der 2015 gegründeten Neonazi-Bruderschaft “Turonen/Garde 20” bekannt. Deren Vorgänger, der 2006 entstandenen Bruderschaft “H8”, gehörte Richter ebenfalls an. Thomas Wagner vertreibt mit “Frontschwein Records” seit langer Zeit neonazistische Musikproduktionen, u.a. von SKD.

Unter dem Label “Hausgemeinschaft Jonastal” mietete sich der Personenkreis um Wagner im Raum Gotha zuerst in Crawinkel und dann in Ballstädt erneut in Immobilien ein. Dieser gewalttätige Personenzusammenschluss war es auch, der im Februar 2014 eine Kirmesgesellschaft in Ballstädt brutalst überfiel. Wagner galt dabei als Haupttäter, wurde abermals in Untersuchungshaft genommen und im “Ballstädt-Prozess” im April 2017 zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Wagner und zehn weitere Verurteilte legten Revision ein. Unter ihnen sind auch SKD-Mitglied Christian Herrmann sowie Rocco Boitz, Bassist von “TreueOrden”.

Die ebenfalls im “Ballstädt-Prozess” angeklagten Neonazis Ricky Nixdorf, David Söllner und Marcus Rußwurm gehören wiederum der Naziband “Unbeliebte Jungs” an. Rixdorf spielte schon in den Nazibands “Sturmangriff” und “Volksverhetzer”. Seit einiger Zeit gehört er außerdem der Nazi-Kultband “Nordwind” um Ronald Haser und Martin Leipold an. Im Ballstädt-Prozess wurde Rixdorf in erster Instanz freigesprochen, während Rußwurm und Söllner zu Haftstrafen verurteilt wurden.

Sebastian “Basti” Färber, der im Raum Wolfsburg wohnhafte Sänger von “TreueOrden”, ist in der rechten Szene durch sein Mitwirken bei der Jenaer Naziband “Blustahl” schon lange bekannt. Gemeinsam mit dem auch ursprünglich aus Jena stammenden Mirko Szydlowski – bekannt als “Barny” – war Färber mit “Blutstahl” vor allem für Coverversionen der Berliner Naziband “Landser” beliebt. Etwa bei einem Konzert im Jahr 2005 in Bayern, als Färber und mutmaßlich auch Szydlowski auf der Bühne standen. Eine später veröffentlichte Aufnahme des Konzerts belegt, dass “Blutstahl” das “Landser”-Lied “Volk ans Gewehr” dargeboten hatten, das Drohungen an die Initiatoren der Wehrmachtsausstellung richtet. Im Refrain heißt es etwa: “Volk ans Gewehr gegen Reemtsma und Heer!” “Blutstahl” bestritt später die Teilnahme am Konzert. Sebastian Färber sei lediglich als Ersatzsänger für den tags zuvor verhafteten Ronny Hahn und dessen Band SKD eingesprungen.

Mit der Person Mario Kelch als Gitarrist von “TreueOrden” könnte das Rätsel gelüftet werden, warum “TreueOrden” regelmäßig als Schweizer Band beworben wird. Kelch unterhält beste Kontakte zum Schweizer Ableger des “Blood & Honour”-Netzwerks und besucht regelmäßig deren Strippenzieher Kevin Gutmann, Sänger der Nazi-Band “Amok”. Die eigene Bezeichnung als “Band aus der Schweiz” hat bei “TreueOrden” aber auch den Zweck, die Behörden zu täuschen und sich strafrechtlicher Verfolgung zu entziehen.

So gilt auch die sich als konspirativ gebende Naziband “Erschiessungskommando” als Schweizer Band. Neben Rechtsrock-Musikern der Schweizer “Blood & Honour”-Band “Amok” sollen auch die Thüringer Thomas Wagner und Mario Kelch zu “Erschiessungskommando” gehören. Deren neue CD namens “Sieg oder Tod” wurde auf dem “Rocktoberfest” im Oktober 2016 in Unterwasser (Schweiz) verkauft. Das auf der CD veröffentlichte Lied “Katharina König” beinhaltet die Zeile: “Du wirst grausam sterben, das ist nicht die Frage, vorher schaust du noch zu, wie ich den Lausebart erschlage, wie dieser Assipfaffe vor mir nieder kniet und sich mein Schalldämpfer tief in sein Maul schiebt”. Mit dieser Mordfantasie richtet sich die Band an die Thüringer Landtagsabgeordnete Katharina König und ihren Vater, den Jenaer Pfarrer Lothar König, die sich seit Jahren beharrlich gegen Neonazis engagieren. Das Konzert in Unterwasser wurde zudem maßgeblich von der Thüringer Neonazi-Bruderschaft “Turonen/Garde 20” organisiert, der auch Mario Kelch und Marcus Rußwurm angehören. Rußwurm wohnte sogar einige Zeit in der Schweiz, ähnlich wie der Thüringer Matthias Melchner, der in der Region Zürich bis heute das Tattoostudio “Barbarossa” betreibt und für die Anmietung der Turnhalle in Unterwasser verantwortlich war.

Kelch war außerdem bei der Erfurter Naziband “PAK 88” aktiv. Im Jahr 2013 saß er wegen Körperverletzung in Haft. Zur gleichen Zeit wurde Steffen Mäder, der ebenfalls dem SKD-Umfeld zugerechnet wird, aufgrund seiner Aktivitäten im “Objekt 21” in Österreich in Untersuchungshaft genommen. Das “Objekt 21” wirkte als Bindeglied zwischen Neonazi-Szene und kriminellem Milieu und unterhielt vor allem nach Thüringen enge Verbindungen.

Ein unvollständiger Abriss des Konzertgeschehens, an dem die oben genannten Musiker mitwirkten:

  • 19. Dezember 1998 Auftritt von “Sturmangriff” in Thüringen, u.a. mit “Vinland Warriors” (Kanada) und “Avalon” (England)
  • 30. Oktober 1999 Auftritt von “Sturmangriff” in Thüringen, u.a. mit “H.M.F.” (“Hets Mot Folkgrupp”, Dänemark) und “Nordmacht” (Rostock), organisiert von “Blood & Honour”
  • 19. Februar 2000 Auftritt von “Sturmangriff” in Frohburg (Sachsen), u.a. mit “Sturm & Drang” (Senftenberg) und “Kreuzfeuer” (Altenburg)
  • 29. Januar 2005 erster Auftritt von “SKD” in Gotha
  • 22. Oktober 2005 Auftritt von “SKD” und “Blutstahl” in Mitterskirchen (Bayern), u.a. mit “Act of Violence”, organisiert von den “Hammerskins Bayern”
  • 29. Juni 2013 Auftritt von “SKD” im NPD-Büro Odermannstraße 8 in Leipzig, u.a. mit “Heiliges Reich” (Sachsen)
  • 27. Dezember 2014 Auftritt von “TreueOrden” in Kirchheim (Thüringen), u.a. mit “Frontfeuer” (Beeskow), “Tätervolk” (Berlin) und “Heiliges Reich” (Sachsen), organisiert von Thomas Wagner und Steffen Richter
  • 7. Februar 2015 Auftritt von “TreueOrden” und “Unbeliebte Jungs” in Kirchheim auf einem Solidaritätskonzert für die “Gefangenenhilfe”, u.a. mit “12 Golden Years” (Thüringen) und “Exzess” (Brandenburg), organisiert von den Neonazis Michel Fischer aus Weimar und Tim Wendt aus Berlin
  • 3. Oktober 2015 Auftritt von “TreueOrden” in Allstedt-Sotterhausen (Sachsen-Anhalt), u.a. mit “Exzess” (Strausberg) und “Frontfeuer” (Beeskow)
  • 31. Oktober 2010 Auftritt von “TreueOrden” in Kirchheim, u.a. mit “Hausmannskost” (Cottbus) und “Stonehammer” (Berlin/Brandenburg), organisiert von den “Hammerskins Franken”
  • 14. November 2015 Auftritt von “TreueOrden” und “Unbeliebte Jungs” in Kirchheim, u.a. mit “Die Lunikoff Verschwörung” (Berlin), organisiert von Steffen Richter und den “Turonen/Garde20”
  • 30. Januar 2016 Auftritt von “TreueOrden” und “Unbeliebte Jungs” im Raum Leipzig auf einem Solidaritätskonzert für die “Gefangenenhilfe”, mit der NS-Black-Metal-Band “Stahlfront” (Sachsen)
  • 14. Mai 2016 Auftritt von “TreueOrden” in Kirchheim, u.a. mit “Faustrecht” (Allgäu), “Kraft durch Froide” und “Smart Violence”, organisiert von den “Hammerskins Franken”
  • 20. August 2016 Auftritt von “TreueOrden” beim “Rock gegen Überfremdung” in Kirchheim, u.a. mit “Die Lunikoff Verschwörung” (Berlin) und “Tätervolk” (Berlin/Brandenburg)
  • 15. Juli 2017 Auftritt von “TreueOrden” beim “Rock gegen Überfremdung 2” in Themar (Thüringen), u.a. mit “Stahlgewitter” (Nordrhein-Westfalen), “Blutzeugen” (Sachsen) und “Uwocaust” (Potsdam), organisisert von den “Turonen/Garde 20” und Thommy Frenck
  • 12. August 2017 Auftritt von “TreueOrden” beim “zweiten ostsächsischen Sport- und Familienfest”, mit “Feuerbefehl” (Sachsen-Anhalt) und “Exzess”, veranstaltet von Neonazis aus Ostsachsen

Mehr dazu:

links Steffen Richter auf einem Naziaufmarsch, rechts Ricky Nixdorf beim “Rock gegen Überfremdung 2” (Fotos flickr)

“Unbeliebte Jungs” 2016: 3.v.l. David Söllner, 4.v.l. Marcus Rußwurm, 5.v.l. Ricky Nixdorf